Diemelsee

Kaufkraft im Kleinen zurück holen

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- Diemelsee (nv). Viele Worte, wenig neue Erkenntnisse: Das bei einer Bürgerversammlung am Mittwochabend vorgestellte Einzelhandelskonzept für die Gemeinde Diemelsee enthält keine große Überraschungen. Um Kaufkraft vor Ort zu binden, gilt es bestehende Strukturen und Internet-Handel auszubauen.

Mit dem Rückgang der Einwohnerzahl im Zuge des demografischen Wandels in Diemelsee (minus 6,7 Prozent von 2000 bis 2009) schwinden Kunden und Kaufkraft. Um die heimische Wirtschaft zu fördern, gab die Gemeinde im Mai über das Leader-Programm die Erstellung eines Einzelhandelskonzepts in Auftrag. Den Zuschlag bekam die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Köln (GMA). Die nach eigenen Angaben unabhängigen Wirtschafts- und Kommunalberater fertigten bereits das Konzept die Leader-Partner-Kommune Willingen an.

„Die Leader-Förderperiode läuft 2013 aus, aber mit Blick auf die nächste müssen wir bereits weitere Schritte in Angriff nehmen“, berichtete Bürgermeister Volker Becker den rund 50 Gästen im Gasthof „Zur Linde“. Die Leader-Kommunen Korbach, Willingen und Diemelsee haben sich daher entschlossen, dass regionale Entwicklungskonzept, das einen touristischen Schwerpunkt hat, um ein Einzelhandelskonzept zu ergänzen.

Die Ergebnisse des auf einer Bürger- und Unternehmerbefragung basierenden GMA-Gutachtens präsentierte Katharina Staiger. Zum Handeln zwingt aus ihrer Sicht der hohe Kaufkraftabfluss, insbesondere nach Korbach. Die Werte von 61 Prozent Kaufkraftbindung im Lebensmittelsegment und 21 Prozent in anderen Segmenten seien im Vergleich zu ähnlich strukturierten Gemeinden niedrig. Die Diplom-Geografin kommt darüber hinaus zu folgenden Kernaussagen:Diemelsee hat zu wenig Betriebe und Verkaufsfläche. „Sie müssen daher nicht nur über Neuansiedlungen, sondern auch über die Erweiterung vorhandener Betriebe nachdenken“, betont Staiger, wobei sie um das Problem von Neuansiedlungen im ländlichen Raum wisse.  „Diemelsee ist kein übergemeindliches Einzugsgebiet“, verweist sie auf das Resultat der Kundenwohnorterhebung.

Die Umsätze durch Bürger aus (westfälischen) Nachbargemeinden seien ebenso als gering einzuschätzen wie die durch den Tourismus, wobei die Befragung außerhalb der Hochsaison stattfand. Die Entwicklung eines Konzepts für die Großgemeinde erschwert laut Staiger aber vor allem, dass selbst einige Diemelseer Ortsteile kaum mehr an den heimischen Einzelhandel (in Adorf) angebunden sind. Ziel müsse es somit sein, Angebote zu schaffen, um die Kunden (wieder) zu gewinnen und ihre Kaufkraft zu binden. Aus Sicht von Ortsvorsteher Hans Hiemer ist das jedoch nur möglich, wenn in Diemelsee auch Arbeitsplätze entstehen, da der Einkauf oft am Arbeitsort erledigt werde.

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