Fantastisches Konzert der „Mundwerkcrew“ aus Bayern im Jugendhaus

Kein musikalischer Einheitsbrei

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Klasse-Auftritt im K20: Die „Mundwerkcrew“. Als Anheizer rapten Hüseyin und Maks (r.). Fotos: Hennig

Korbach - Eine achtköpfige Band stand schon lange nicht mehr auf der Bühne des K20. Bei der Mundwerkcrew, die im K20 ihre herbstliche Club-Tour startete, waren alle acht Musiker permanent in vollem Einsatz und zumindest fünf konstant in Bewegung.

Die Mundwerkcrew bietet alles andere als den musikalischen Einheitsbrei, den viele mit Rap oder Hip-Hop in Verbindung bringen. Bei ihrem Auftritt im K20 ließen sich Fans und anfängliche Skeptiker von der Spielfreude der Band begeistern, die in Sachen musikalischer Humor ebenso schlagfertig war wie die beiden wortwitzigen Rapper.

Lediglich Schlagzeuger Christian Schnitter, Keyboarder Gerhard Vorauer und Scratcher „Da Mopo“ Petrich waren in ihrem Bewegungsradius naturgemäß etwas eingeschränkt. Der enorm sprungfreudige Bassist Michael Stettmeier erwies sich dagegen als wahrer Meilenmeister beim Einnehmen immer neuer Formationen und Konstellationen. Trotzdem streute der überaus rührige Rhythmiker immer wieder ein herzhaftes Solo in seinen Part mit ein, zum ersten Mal ließ der barfüßige Bassist gleich beim Opener „#1“ aufhorchen. Die anschließende „Party Queen“ eröffnete Thomas Straub mit Trompetenklängen, ehe die beiden Rapper „Touze“ Krausser und „Bebbiano“ Riep in die Hände klatschten und ihr „Get ready“ ins Publikum riefen, bevor es um die „Mausbeute“ des Abends ging.

Musikalisch so richtig ab ging es dann beim Gitarrensolo von Fabian Jungreithmayer, der in jeder Band der unterschiedlichsten Genres eine prominente Position einnehmen könnte. Die durchgängig hohe Qualität der Gruppe, die sich im Verlauf der anderthalb Stunden ebenso virtuos wie bruchlos durch sämtliche Stile spielte, ist geradezu phänomenal, entsprechend abwechslungsreich und auch humorvoll geriet der Auftritt der Mundwerkcrew.

Etwa wenn die Band das „Rad der Zeit“ auf Ska zurückdrehte. Das enorme Bewegungsmoment, das die Gruppe beim Reggae „Reise zum Mond“ auf die Bühne brachte, trug ebenfalls zum überwältigenden Eindruck bei. Die kritische Beleuchtung der Gegenwart kam keineswegs zu kurz, etwa beim typischen Hip-Hopper „Connected“, der die Abgabe der eigenen Verantwortung an Smartphone und Internet auf die Schippe nimmt.

Leider verpasste die Tontechnik der Mundwerkcrew so etwas wie einen Maulkorb, so brillant die Band auch aus den Boxen kam, es blieb doch ziemlich viel Wortwitz im Mix auf der Strecke.

Keine Probleme beim Mitsingen gab es beim Slogan „I bin a Weiß-Blauer“, denn der stand auch auf den Band-shirts, die am Merchandising-Stand neben der Bühne aufgebaut waren. Mit ausgiebigen Freestyle-Bandsolos ging ein großartiger Gig im K20 zu Ende, der mehr Zuhörer und Mitmacher verdient gehabt hätte. Aber wegen dem zeitgleich angesetzten Spiel der Fußball-Nationalmannschaft und der Verheißung eines Torfestivals blieben wohl etliche lieber daheim oder im Dorf. Als Anheizer rapten Hüseyin und Maks und begeisterten ihre Fans und Ersthörer mit ihrem aggressiv-jugendlichen Charme.

Von Armin Hennig

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