Korbach: SPD wirft Planer und Projektleiter Fehler vor

Keine Abkühlung in Bäder-Debatte

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Zum Auftakt der Ferien genießen junge Badegäste kühne Sprünge im Freibad. Um die Fehler im sanierten Hallenbad tobt weiter die politische Diskussion.

Korbach - Selbst wenn das Freibad längst zum sommerlichen Badespaß lockt, bleibt doch das Hallenbad im Blickpunkt der politischen Debatte: Wer trägt die Verantwortung für gravierende Baumängel?

Sprungturm, Rutsche, Fliesen, Keimbelastung in den Wasserrohren, mangelhafte Beleuchtung in den Schwimmbecken: „Es wird ganz viele dieser netten Sachen geben, wo man fragt, wer war‘s“, orakelte Stefan Schaller am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss des Parlaments (wir berichteten).

Der Geschäftsführer des Versorgers Energie-Waldeck-Frankenberg (EWF), Betreiber des Hallenbads, ist seit Mai auf Spurensuche. Denn der Projektleiter am Bau, Friedhelm Schmidt, wurde Anfang Mai von seinen Aufgaben entbunden.

Schaller sieht bei der Fehleranalyse etliche „Grenzfälle“, in denen schwer auszumachen ist, wer am Ende die Verantwortung für Fehler und Mehrkosten trägt.

Die Korbacher SPD hat derweil mindestens zwei Verantwortliche schon ausgemacht: der „externe Generalplaner“ Klaus Meyer (Gotha) und „der mit allzu umfangreichen Vollmachten ausgestattete Projektleiter“ Friedhelm Schmidt. Dies jedenfalls stand jüngst im „Korbacher Blättchen“, dem Wahlkampfpapier der Sozialdemokraten. Hier ist Bürgermeisterkandidat Martin Dörflinger redaktionell verantwortlich. Die SPD wirft zugleich Bürgermeister Klaus Friedrich vor, es habe „an der politischen Führung gemangelt“ bei Korbachs derzeit größtem Bauprojekt.

„Schaden abwenden“

Im Finanzausschuss sorgte die Schelte der SPD indes für Unmut bei FDP-Sprecher Arno Wiegand. „Unfair“, befand der Liberale - wenigstens mit Blick auf Friedhelm Schmidt. Als Stadtbrandinspektor und Leiter des technischen Eigenbetriebs der Stadt habe Schmidt sehr wohl über viele Jahre bewiesen, „dass er Verantwortung übernehmen kann“, schimpfte Wiegand.

In einem entscheidenden Punkt des Hallenbad-Projekts sieht SPD-Sprecher Helmut Schmidt die Kritik jedoch völlig berechtigt: die Bauabnahmen der einzelnen Gewerke. Der Projektleiter habe zunächst erklärt, die Abnahmen seien Sache des Generalplaners. „Dann aber hat sich herausgestellt, dass der Projektleiter selbst sämtliche Abnahmen unterschrieben hat“, betonte Helmut Schmidt.

So wiesen auch Grünen-Fraktionschef Daniel May und Martin Dörflinger den Vorwurf zurück, das Thema im Wahlkampf zu instrumentalisieren. Angesichts der Größe des Bauprojekts „und dieses Desasters“ müsse doch Aufklärung das erste Gebot sein, betonte Dörflinger: „Es geht darum, Schaden von der Stadt abzuwenden.“

Just bei den Bauabnahmen gibt es laut Projektleiter Friedhelm Schmidt aber keinen Anlass zur Kritik. Im Namen des Auftraggebers (EWF) habe er als Projektleiter die Abnahmen unterzeichnen müssen. Ein leitender Mitarbeiter des Planungsbüros habe schriftlich seine Anwesenheit bestätigt. Dies alles sei vorschriftsmäßig und nach üblichen Verfahren gelaufen, unterstrich Schmidt.

Vor der Eröffnung des Hallenbads im März habe es zudem die entscheidende „Generalabnahme vom Generalplaner“ gegeben: Am Bau gebe es zwar noch kleinere Mängel, aber es spreche nichts dagegen, das Bad in Betrieb zu nehmen.

Fazit von Friedhelm Schmidt zum Tag der Hallenbad-Eröffnung: „Die Ampel steht auf Grün, die Kreuzung ist frei, fahrt los. Das haben wir schriftlich.“

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