Bei der Rocknacht in Strothe lassen es die Bands so richtig krachen

Keine Garantie für Hörschäden ...

+
Bissige Texte, knackige Riffs, großartige Show – Ex-plizit aus Heidelberg in der Strother Rockscheune.

Korbach-Strothe - Die Chemie zwischen den Bands bei der neunten Strother Rocknacht stimmte - sehr zum Vergnügen des Publikums und des Veranstalters Walter Riedler.

Zum fünften Mal machten die „Glorreichen Halunken“ den Headliner bei den Scheunenkonzerten in Strothe und schon bei den ersten Takten ist unüberhörbar, warum die Rockfans von der Onkelz-Coverband aus dem sächsischen Zeitz nie genug bekommen können.

Das Quartett ist jedes Jahr besser, allerdings ist die Messlatte auch jedes Jahr höher, denn mit der Deutsch-Metalband Ex-plizit hatte Veranstalter Walter Riedler einen Act verpflichtet, dessen vielseitige Show auch den eindimensionalsten Onkelz-Fan vom Tunnelblick befreite. Diese Vorband wurde nicht, wie oft in den Vorjahren ausgestanden oder abgesessen, Ex-plizit riss mit. Kernige Texte, großartige Gitarrensoli, eine vortrefflich in Szene gesetzte Show mit einem Frontman, der nicht nur den Kontakt zum Publikum suchte, sondern auch einen Draht zu den Fans fand.

Die Zugabe „Falsche Freundschaft“ mit einer Sexpuppe als Partnerin für Dirk Jeblick erwies sich als nicht mehr zu toppendes Element in Sachen Spektakel. Nötig hat die Band derartige Mätzchen längst nicht mehr.

„Lieber tot als nie gelebt“ lautet die Kernaussage von „Scheiß drauf“, auf inhaltlicher Ebene gibt es gewisse Parallelen zu den Onkelz, allerdings formulieren Ex-plizit ihre Botschaft mit eigenen Worten. Beim punkigen „Schnelles Leben“ tobt der Pogo wie sonst nur bei den Halunken. Der musikalische Schwerpunkt liegt inzwischen aber auf Power-Metal, dessen musikalische Elemente das Quintett in seinen Sound integriert.

Das ausführliche Intro zu „Geblendet von Gefühlen“ besteht aus einem Irish Folk Dance für zwei großartige Gitarren, bei dessen rasanter Beschleunigung sich Tobi Vintage und Steffen Reining ein virtuoses Duell in Sachen Geschwindigkeit liefern. Bei seinem spektakulären Solo an der Rampe huldigte Vintage seinem Vorbild Yngwie Malmsteen, tatsächlich haben Ex-plizit das stilistische Repertoire des Power-Metal mit ihren Inhalten neu definiert. „Immer mit dem Strom, immer mit dem Wind, immer mit den Wölfen heulen, wie ein kleines Kind“, lautet der Refrain von „Süßer Tod“. Einprägsame, kritische Botschaften zum Mitsingen bilden das entscheidende Element bei der inhaltlichen Kontaktaufnahme mit dem Publikum, das in jeder Hinsicht auf seine Kosten kommt.

„Keine Garantie für Hörschäden“, verkündet Halunken-Frontman Mirko Voigt gleich zu Beginn. Als es losgeht, dröhnt der Sound in stadiontauglicher Lautstärke aus den Boxen, bis die Hosen schlackern, während die Hände in die Höhe gehen und der Pogo abgeht. „Früher waren wir immer die Ersten, jetzt sind wir immer die Letzten“, verkündet der Sänger, der bei der Ansprache keine Wiederholungen zum Vorjahr bringt, auch sonst ist beim Auftritt der Coverband keine Übersättigung oder Routine bei der Interpretation des Kanons der Böhsen Onkelz zu bemerken.

Die Band klingt frischer als noch vor zwei Jahren, nimmt aber bei „Ich bin in dir“ ihre stets wortgetreu mitsingenden Fans in die musikalische Pflicht. Mirko will den Text der Ballade nicht wieder versetzt, sondern wirklich synchron hören und das Publikum wird den gestiegenen Anforderungen gerecht.

Mit der Hymne „Nichts ist für die Ewigkeit“ erreicht der erste Set seinen Höhepunkt. Ein musikalischer Moment, der gerne ewig dauern könnte, weil die Halunken so gut drauf sind wie nie zuvor in Strothe, vielleicht auch, weil die musikalische Chemie zwischen den Bands in diesem Jahr absolut gestimmt hat.

Als Anheizer für den Samstag zeichnete mit Dolores Karacho eine Band aus der Region verantwortlich. Der Auftritt des Quartetts aus Sachsenhausen gipfelte in „You gotta fight for your right to party“ in einer Interpretation, die den pöbelhaft-pubertären Charme des Originals gnadenlos über die Rampe brachte und viele Anwesende zum Mitsingen motivierte.

Am Freitag übernahmen die Sänger vom Männergesangverein Strothe die Rolle der Local Heroes und eröffneten mit Liedern wie „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ und „Der Mann im Mond“ das Programm. Die Power-Metalband White Dwarf aus Kassel um Frontmann Henry Beck und Gitarrist Marcel Bangert ging anschließend den harten Weg, verzichtete auf schnelle Stimmungsmacher von bekannten Bands und spielte ausschließlich eigenes Material, das allerbeste Assoziationen an Ritchie Blackmores Rainbow hervorrief, aber eher langfristig überzeugte, da die unbekannten Songs in englischer Sprache von den Fans deutlich mehr Zeit zum Einhören verlangten. Mit „Highway to hell“ und anderen AC/DC-Klassikern motivierten „Born wild“ zum Mitsingen und Mittanzen.

Die zehnte Auflage ist für Walter Riedler Pflicht. Und aus der spontanen Begeisterung über den Auftritt von Ex-plizit, die sich mit ihrer Show ein vollkommen neues Publikum erschließen konnten, wuchs auch die Zuversicht, dass es sich lohnt, neben bekannten Namen auf Qualität zu setzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare