Beate Mehrhoff will Korbacher Parlament künftig als Fraktionslose angehören

„Keine Zukunft in der CDU-Fraktion“

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Korbach - Zoff in der Korbacher CDU: Beate Mehrhoff kündigt ihren Austritt aus der Fraktion an. Deren Sprecher Heinz Merl hatte ihr zuvor Nähe zu den „Aktiven Bürgern“ vorgeworfen, die bei der nächsten Kommunalwahl als Partei antreten wollen.

Ihr Mandat wolle sie behalten, ihren Platz in der CDU-Fraktion aber räumen, erklärte Beate Mehrhoff gestern gegenüber der WLZ: „In der nächsten Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag sitze ich noch da, danach nicht mehr.“ Die Folge: Die Christdemokraten haben dann nur noch neun statt zehn Sitze im Korbacher Parlament. Nach Doris Jauer, die bereits 2012 aus der Fraktion der Grünen ausgetreten ist, wird damit voraussichtlich die zweite fraktionslose Stadtverordnete in dem Gremium sitzen.

Austritt nahegelegt

Auslöser für Mehrhoffs Entscheidung ist ein Brief, in dem CDU-Fraktionschef Heinz Merl die Stadtverordnete bittet, wegen ihrer Kontakte zu den vom früheren Grünen-Mitglied Axel Krüer ins Leben gerufenen „Aktiven Bürgerinnen und Bürgern“ die Zusammenarbeit mit der Fraktion durch einen Austritt im gegenseitigen Einvernehmen zu beenden. Falls sie das nicht mache, drohe ihr der Ausschluss, sagte Mehrhoff: „Eine Zukunft gibt es für mich nicht in der CDU-Fraktion.“ Sang- und klanglos werde sie aber nicht die Fraktion verlassen.

Merl bestätigte am Dienstag, in seiner Funktion als Fraktionssprecher einen Brief an Mehrhoff geschrieben zu haben. Es handele sich bei der Angelegenheit um ein „Verfahren, das noch nicht abgeschlossen ist“, sagte er. Die Fraktion werde die Entwicklung weiter beobachten und dann die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

Kern des Problems sei Mehrhoffs „Engagement“ bei den „Aktiven Bürgern“, erklärte Merl. Das trage nicht zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit in der CDU-Fraktion bei: „Diese Gruppierung hat sich zum Ziel gesetzt, bei der nächsten Kommunalwahl in Korbach anzutreten“, so der Fraktionssprecher.

„Entsetzt und enttäuscht“

Die Noch-CDU-Stadtverordnete wehrt sich unterdessen: Sie sei entsetzt über die Vorwürfe und enttäuscht, dass Merl nicht das persönliche Gespräch gesucht habe, sagte Mehrhoff gestern. Sie habe lediglich einige wenige öffentliche Veranstaltungen der „Aktiven Bürger“ besucht, die sie besonders interessiert hätten. „Etwa Vorträge zu regenerativen Energien. Als es um die Parteigründung ging, war ich nicht dabei. Ich habe mich auch nie an den Diskussionen bei den Veranstaltungen beteiligt“, sagte Mehrhoff. Und: „Ich habe nicht vor, bei den ‚Aktiven Bürgern‘ zu kandidieren“, bekräftigte die 53-jährige Korbacherin.

Offenbar werde auch ihr Engagement bei der Stiftung „Zukunft für unsere Region“ häufig falsch zugeordnet. Der Verein, der etwa die Aktion „Fein hören und speisen“ veranstaltet, wird ebenfalls von Axel Krüer geleitet. „Die Stiftung ist etwas völlig anderes als die ‚Aktiven Bürger‘“, so Mehrhoff.

Schon in der Vergangenheit war die Korbacher Kommunalpolitikerin nicht immer auf einer Linie mit ihrer Fraktion. Beate Mehrhoff trat 1978 in die CDU ein. Seit der Kommunalwahl 2011 sitzt sie für die Christdemokraten im Stadtparlament. Anfang 2013 trat sie nach Auseinandersetzungen aus dem Korbacher CDU-Stadtverband aus - und schloss sich dem Stadtverband Wal-deck an.

Gegen Fraktion gestimmt

Kurz danach votierte die CDU-Abgeordnete bei einer Entscheidung über neue Windkraftanlagen mit SPD und Grünen und bescherte dem damals nicht in voller Fraktionsstärke angetretenen rot-grünen Bündnis eine hauchdünne Mehrheit von einer Stimme.

Beate Mehrhoff indes hofft noch immer auf ein Gespräch mit Heinz Merl: „Da soll er mir seine Vorwürfe ins Gesicht sagen.“ (lb)

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