Dechant Bernd Conze tritt am Sonntag seinen Dienst in Sankt Marien an

Auf keinen Fall griesgrämig

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Mit einem Festgottesdienst wird Bernd Conze am Sonntag einegführt.Foto: Theresa Demski

Korbach - Für Bernd Conze schließt sich der Kreis: Als er 1992 nach Waldeck-Frankenberg kam, fing er als Priester in Willingen an. Nun kehrt er zurück - als künftiger Pfarrer in Sankt Marien ist er auch für die Willinger zuständig. Am Sonntag findet seine Einführung statt.

Es ist ein herzliches Willkommen, das einen im Büro von Bernd Conze erwartet. Seit er das Dekanat in Waldeck leitet, kommt er regelmäßig nach Korbach - mit Dackel Ulfi. Der beäugt jeden Besucher aufmerksam, markiert mit einem Bellen sein Revier und macht es sich dann wieder unter dem Schreibtisch im Sekretariat gemütlich. Die Tür zum Zimmer nebenan allerdings steht offen. Und wer hier auf dem Schreibtisch genau hinsieht, erkennt direkt das große Thema des neuen Korbacher Pfarrers: Die Broschüre „Das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn“ liegt gleich in mehrfacher Ausführung griffbereit.

Und wer Bernd Conze nach seiner Idee für die katholische Kirche fragt, wer wissen will, wie er sich die Arbeit in seinem neuen Amt vorstellt, der lernt eben dieses „Zukunftsbild“ kennen. „Wir machen gerade einen Paradigmenwechsel durch“, sagt Conze. Und was er damit meint, sind nicht nur strukturelle Veränderungen, sondern auch jene, die das Miteinander neu definieren. „Die Gesellschaft hat sich verändert“, sagt er. Früher, als er auf einem Bauernhof in Ostwestfalen aufwuchs, da seien alle in die Kirche gegangen, wenn es geläutet habe. Heute hätten die Menschen eine andere Bindung zur Kirche. Pluralität, Traditionsabbrüche und viele verschiedene Lebensentwürfe: Darauf will die katholische Kirche antworten. „Wir, die wir bisher auf Stabilität und Einheit programmiert waren, müssen uns jetzt auf Individualismus einstellen“, sagt er. Und das meint er so. Und das will er so. Den Wandel gestalten, die Veränderungen im Alltag ankommen lassen, das wünscht sich Bernd Conze. „Am Anfang sollte die Annahme und Wertschätzung jedes Menschen stehen“, betont er. Und damit nimmt er auch Homosexuelle und Geschiedene in den Blick - Menschen, mit denen sich die Katholische Kirche bisher eher schwer tat. „Wir müssen den anderen stehen lassen und akzeptieren“, sagt er. Grundfreundlichkeit statt Belehrung will er für seine Kirche. „Und diese Haltung müssen wir einüben“, sagt er.

Es ist eine Aufbruchstimmung, die in seinem Büro spürbar ist, die auch seiner Lebenssituation entspricht. Nach 18 Jahren nimmt er in Bad Arolsen seinen Hut und tritt die Pfarrstelle in Korbach und damit die Nachfolge von Gisbert Wisse an. Sobald das Pfarrhaus fertig renoviert ist - wohl nach Ostern - zieht er ein. Mit Ulfi natürlich.

Das Leben und Arbeiten in der Diaspora, das ist er gewohnt und das mag er. „Katholisch kann ich gar nicht mehr“, sagt er lachend und denkt an das Leben in Westfalen. Vieles habe hier im Waldecker Land nicht diese Selbstverständlichkeit wie in katholischen Gebieten. Die Zusammenarbeit mit den evangelischen Gemeinden schätzt er und auf die Ehrenamtlichen in seinem eigenen Pastoralverbund setzt er. „Ich kann nicht alles selber machen“, sagt er. Das gilt für viele Geburtstagsbesuche, auch mal für Andachten. Im Sommer treten drei neue Mitarbeiter ihren Dienst im Dekanat an - sie kümmern sich etwa ums Ehrenamt oder die Schulseelsorge. „Aber wir wollen auch die Menschen in den Gemeinden fragen: Was kannst du? Und was willst du? Wie kannst du dich einbringen?“ Teams könnten sich bilden und der Themengebiete annehmen - auch eine Idee im Rahmen des „Zukunftsbildes“. Die Begabungen der Menschen nutzen und ihnen dabei helfen, ihren Platz in der Gemeinde zu finden, das wünscht sich Conze. „Und es wird wohl nicht ausbleiben, dass diese Veränderungen für Irritationen sorgen“, sagt er, „aber dadurch kommt ja auch was in Bewegung“.

Und dann beginnt er von Freude zu sprechen - jene Freude, die nichts mit Spaß, sondern mit Sinn und Erfüllung zu tun hat. Die wünscht er sich für seine eigene Arbeit, aber auch für die Ehrenamtlichen. „Nicht griesgrämig, sondern mit Freude an Glauben und Tun sollten wir uns einsetzen“, sagt Conze, der in seiner Freizeit schwimmt und Mountainbike fährt, „und Fehler sind eindeutig erlaubt“.

Und wofür? „An der Grundbotschaft hat sich nichts geändert“, sagt er ohne Zögern, „es geht darum, die Liebe Gottes zu den Menschen zu verkünden und erlebbar zu machen. Am Ende ist alles andere zweitrangig.“

Der Festgottesdienst zur Einführung beginnt am Sonntag um 11 Uhr in Sankt Marien. Anschließend findet ein Empfang statt.

Von Theresa Demski

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