Seit 2000 leitet ein Korbacher den Verein zur Unterstützung von Spätaussiedlern

Keudel ist Chef der Friedlandhilfe

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Korbach/Friedland - Der Korbacher Karl-Heinz Keudel bleibt Vorsitzender der Friedlandhilfe. Der Verein macht sich seit 1957 stark für deutschstämmige Spätaussiedler und Integration.

Ergreifende Szenen bot das frühere „Grenzdurchgangslager“ Friedland. In der Nähe von Göttingen, am Schnittpunkt der russischen, amerikanischen und britischen Besatzungszonen, war 1945 eine Aufnahmestation für Hunderttausende von Flüchtlingen, Vertriebenen und Heimkehrern nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden.

1957 gegründet

In Friedland, aber auch anderen Aufnahmelagern herrschte in den 1950er-Jahren indes akute Not, weil in der Folge viele Aussiedler aus Ost- und Südeuropa nach Deutschland kamen. So gründete sich der Verein „Friedlandhilfe“, um die Erstversorgung der ankommenden Menschen zu unterstützen – ob Kleidung, Schuhe oder Zahnpasta. Bis heute wirkt die Friedlandhilfe weiter als Mittler zwischen Staat, Wohlfahrtsverbänden und Zuwanderern, um für die Menschen die erste Zeit in Deutschland zu erleichtern.

Seit Mitte der 70er-Jahre sorgte der Rotary-Club Korbach-Bad Arolsen für tatkräftige Unterstützung, erinnert sich Karl-Heinz Keudel gerne zurück. Von Kinderwagen bis zu Kulturbeuteln packten die Rotarier regelmäßig ein, um Menschen in Friedland, aber auch anderen Aufnahmelagern zu helfen. Zehn Jahre lang diente ebenso der Erlös der klassischen „Korbach-Konzerte“ dazu, die Friedlandhilfe zu fördern.

Rund 30 Jahre im Vorstand

Als engagierter Rotarier stand Karl-Heinz Keudel somit in stetigem Kontakt mit der Friedlandhilfe – als ihn Johanne Büchting (Einbeck) schließlich Anfang der 80er-Jahre bat, auch im Vorstand des Vereins aktiv zu werden. Büchting gilt als „Mutter der Friedlandhilfe“ und ist bis heute Ehrenvorsitzende.

Lange Jahre war Keudel ihr Stellvertreter im Vorstand, bis der Korbacher 2000 schließlich selbst zum Vorsitzenden der Friedlandhilfe gewählt wurde. Als Stellvertreter engagierte sich über Jahre ein weiterer Rotarier aus dem Waldecker Land: General Hartmut Foertsch (Bad Arolsen), der im Februar 2011 starb.

Nach seiner inzwischen fünften Wahl Ende 2012 wird Keudel auch für die nächsten drei Jahre die Geschicke der Friedlandhilfe lenken. Stellvertreterinnen sind Heidrun Böttger (Landeskirchenamt Hannover) und Inge Pfitzner (Friedland). Als Beisitzerin ist erstmals auch eine in Russland geborene Deutsche mit im Vorstand.

Die Arbeit der Friedlandhilfe hat sich dabei deutlich gewandelt. Nach der politischen Wende im früheren Ostblock und dem Mauerfall in Berlin strömten Anfang der 90er-Jahre Hunderttausende Spätaussiedler nach Deutschland. Der Bund musste die Finanzhilfen aufstocken, zeitweise gab es in Deutschland acht Aufnahmestationen.

Übrig geblieben ist das Lager Friedland, wo der Verein noch rund 2000 deutschstämmige Zuwanderer betreut, schildert Keudel. Alle zwei Wochen ist er von Korbach nach Friedland unterwegs, um seine Aufgaben als ehrenamtlicher Vorsitzender zu erfüllen. Dabei verwaltet die Friedlandhilfe etliche Stiftungen, teils aus Testamenten, für den guten Zweck. In Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium unterstützt der Verein zugleich bundesweit Integrationsprojekte, die aus öffentlichen Mitteln und Spenden der Friedlandhilfe gesponsert werden.

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