„Es fehlen Liebe und Kreativität“ - Stadt weist auf Schwierigkeiten hin

Kiliansmarkt in Korbach: Schausteller ziehen durchwachsene Bilanz

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Bei jungen Besuchern beliebt: Der Autoscooter. An vielen Ständen war dagegen nicht so viel los.

Korbach – Der alte Spruch „Wenn in Korbach Markt ist, regnet es“, stimmte zumindest in diesem Jahr nicht. Angenehme Temperaturen trieben zunächst viele Besucherinnen und Besucher auf die Festmeile auf der Hauer. Am Sonntag war es manchen offenbar zu warm für das Marktgeschehen.

Bereits am Donnerstag war wegen des Feiertags der Kiliansmarkt gut besucht. Freitag und Samstag war durchschnittliche Resonanz, viele Familien und junge Leute waren nachmittags unterwegs, am Sonntag war es vielen offenbar zu heiß für den Markt.

Rund um die Fahrgeschäfte war jedoch immer viel los. So war der Betreiber des Break-Dancer auch sehr zufrieden mit dem Wochenende, viele junge Leute hätten sein Angebot genutzt. Die Essen- und Getränkestände waren ebenfalls gut besucht, vor allem die Eisstände waren dicht umlagert. Bei sonstigen Verkaufsständen hielt sich der Ansturm etwas in Grenzen.

Insgesamt war die Resonanz an den verschiedenen Ständen sehr unterschiedlich, was eine Umfrage unserer Zeitung unter mehreren Schaustellern auf dem Marktgelände ergab. Einig waren sie sich dagegen in der Erkenntnis, dass die Stadt den Markt offenbar nicht mehr wolle. Als Beleg sehen sie, dass es neben der seit Jahrzehnten nicht mehr stattfindenden Tierschau nun auch keine Verlosung und keinen Festzug mehr gibt. Darüber hinaus spüren sie wenig Signale, das Marktgeschehen durch Werbung und zusätzliche Attraktionen zu beleben.

„Es fehlen die Liebe und Kreativität seitens der Stadt“, sagte ein Standbetreiber. Sie alle kämen gerne nach Korbach, hätten aber Angst, dass es dem Kiliansmarkt so ergeht wie dem einstigen Herbstmarkt. „Das ist hier mittlerweile wie ein größerer Flohmarkt“, sagte eine ältere Dame, die die Gespräche mit den Schaustellern mitbekam. Auch für andere Korbacher scheinen die Angebote des Marktes offenbar wenig attraktiv. Wenn dazu am Samstagabend noch vor der Kilianskirche ein attraktives Konzert läuft, wohl auch kein Wunder.

Die Kurzwarenhändler waren zufrieden mit dem Wochenende, der Wurstverkäufer und Süßwarenhändler auch, ebenfalls der Betreiber des Strumpfstandes. Auch der Holländische-Pommes-Stand machte gute Geschäfte, und der Slush-Ice Standbetreiber war „super zufrieden“. Bei der Berg-und-Tal-Bahn sowie bei den gebrannten Mandeln lief es zufriedenstellend – am Sonntag etwas weniger, was wohl an der Witterung lag.

Die Betreiber des Bonbonstandes waren das erste Mal vertreten und äußerten sich gegenüber unserer Zeitung gar nicht zufrieden. Der Betreiber des Wurst- und Schinkenstandes berichtete, dass er mit durchschnittlich 100 Euro Umsatz am Tag riesige Verluste eingefahren habe.

Im Abendprogramm war am Samstagabend ab 20 Uhr Dance-Club-Party im Festzelt mit durchwachsener Resonanz, bei der Kinder Disco am Sonntagnachmittag gab es zwar Musik, aber keine Kinder.

Auch aus Sicht der Stadt Korbach stellte sich die Situation in diesem Jahr schwierig da. In den Vorbereitungen sei alles gelaufen wie die Jahre bisher, lässt uns Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland auf Anfrage wissen. Viele Standbetreiber seien aber nicht gekommen oder hätten kurzfristig abgesagt, darunter zwei große Fahrgeschäfte kurz vor Marktbeginn. Man habe versucht, die Lücken zu schließen, das sei aber schwierig gewesen. Die Nachfrage von Schaustellerseite sei prinzipiell rückläufig. Zur Zukunft des Kiliansmarkts wollte sich Vahland nicht äußern. Es gebe keine konkreten Pläne diesbezüglich bisher.

Bürgermeister Klaus Friedrich sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich die Akzeptanz des Kiliansmarktes bei der Bevölkerung verändert habe. Die Stadt sei daher nicht bereit, größere Geldsummen in den Markt zu investieren – aber solange die Schausteller kämen, wolle man auch nichts verändern.

Nach den Erfahrungen dieses Jahres werden die Diskussionen darüber aber wohl wieder losgehen.

Von Hans Peter Osterhold

Kiliansmarkt in Korbach: Das sind die Bilder

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