Sybille Courtin berichtet über die Hilfe, die dank der Spendengelder in Nepal geleistet werden kann

„Kinder sollen wieder lernen können“

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Bilder der Zerstörung – und der Nothilfe in vom Erdbeben betroffenen Regionen Nepals. Vor allem Reis, Medikamente und Wellblech sind derzeit nötig. Fotos: pr/ Shiva Adhikari/ Dr. Misant Dhakal

Korbach/Lichtenfels - Medikamente, Decken, Reis und Wellblech - das wird derzeit noch am nötigsten in Nepal gebraucht. Die Himalaya-Initiative für Bildung aus Waldeck-Frankenberg gehört zu den Organisationen, die sich für die stetige Hilfe vor Ort weiterhin einsetzen.

Nach den verheerenden Erdbeben in Nepal im April und Mai haben Gruppen und Vereine aus aller Welt Hilfsaktionen gestartet - so auch die „Himalaya-Initiative für Bildung“ aus Waldeck-Frankenberg (wir berichteten). Seit dem ersten Spendenaufruf Ende April in der Waldeckischen Landeszeitung-Frankenberger Zeitung erhält der eingetragene Verein aus dem Landkreis immer wieder Spenden - und wie die eingesetzt werden, berichtet Vorsitzende Sybille Courtin, deren Verein seit 2009 enge Beziehungen nach Nepal pflegt. Der als gemeinnützig anerkannte heimische Verein „Himalaya-Initiative für Bildung“ engagiert sich für die Ausbildung junger Menschen in Nepal und fördert die Weiterbildung von Lehrkräften.

Auch wegen des weiteren Erdbebens im Mai „liegt nach wie vor der Schwerpunkt der Arbeit bei der Akuthilfe - der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, Zelten und Decken sowie Hygieneartikeln. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei satzungsgemäß auf die Hilfe für Kinder und Jugendliche“, erklärt die Dalwigksthalerin, die an der Alten Landesschule in Korbach lehrt.

Der Vorsitzende des Vereins „Nepali Samaj“, Shiva Adhikari, der mit seiner deutschen Frau und seinen Kindern in der Nähe von Frankfurt lebt, „ist am 21. Mai auf eigene Kosten nach Kathmandu geflogen und setzt Spendengelder zweckmäßig ein“, erklärt Sybille Courtin. „Er hilft dort seinen Landsleuten mit Zelten, Planen, Wellblech, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Schulmaterialien. Wir unterstützen ihn bei der Versorgung“, betont die Dalwigksthalerin. „Die weiteren Partner - Dr. Rishi Koirala, sein Bruder Badri Koirala und Dr. Misant Dhakal, alle vom Ayurveda Health Home Kathmandu/Pokhara, fahren selbst in betroffene Erdbebengebiete, kaufen die benötigten Hilfsmittel wie Reis und Kleidung und sind bei der Zuteilung an Bedürftige persönlich anwesend“, zählt die Lehrerin die vielfältigen Aktionen auf (Foto unten links). Pro Familie wird ein 20-Kilogramm Sack Reis verteilt sowie Kleidung - rund 300 Familien konnten so jüngst erneut versorgt werden.

Abgesehen von den kleineren Nachbeben in und rund um Kathmandu hätten die Menschen in den betroffenen Regionen mit Sturm und dem Monsunregen zu kämpfen - die Zelte würden den Kräften nicht standhalten. Daher organisieren die Helfer möglichst Wellbleche, unter denen die Obdachlosen besser geschützt sind. Einige junge Männer würden darin angelernt, wie aus Wellblechen eine Notunterkunft gebaut werden können, und angehalten, ihre Kenntnisse dann an die anderen Dorfbewohner weiterzugeben, berichten die Helfer vor Ort, wie die Hilfe zur Selbsthilfe organisiert wird.

Es werde befürchtet, dass der Monsunregen in die zahlreichen tiefen Erdspalten läuft, die durch die Erdbeben vielerorts entstanden sind, und es dann zu massiven Erdrutschen kommen wird. Geplagt würden die Nepalesen zudem von Existenzängsten, weil die Touristen ausbleiben. Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle in Nepal.

Viele Touristen haben ihre Buchungen storniert. Gleichsam werde versucht, Touristen doch noch zum Aufenthalt in Nepal zu bewegen - denn es gibt doch auch etliche Regionen, die nicht vom Erdbeben heimgesucht wurden: Lumbini, Pokhara und Chitwan gehören dazu. In Pokhara gewähren die Hotels inzwischen einen Rabatt in Höhe von 50 Prozent für Zimmer.

„Unser Verein hat auch Manfred Losert aus Cadolzburg und sein Team unterstützt - die „Nepalhilfe im kleinen Rahmen“, berichtet Courtin. „Der gemeinnützige Verein hat ein dreiköpfiges Ärzteteam nach Nepal entsandt, um bei der Behandlung von Verletzten zu helfen. Wir tragen mit zur Finanzierung der Soforthilfe bei.“ Auch Lebensmittel wie Reis und Linsen habe er für die Erdbebenopfer im Distrikt Nuwakot beschafft.

Viele der Kinder seien durch die schrecklichen Ereignisse traumatisiert. Für sie sei es besonders wichtig, zum Alltag zurückzukehren, Freunde zu treffen und wieder unbeschwert spielen und lernen zu können. „Zusammen mit unseren Partnern in Nepal, Deutschland und Kanada wollen wir daher den Wiederaufbau mitfinanzieren.

Für die Spendengelder aus Waldeck-Frankenberg ist die Initiative „sehr dankbar“, unterstreicht Sybille Courtin. Im August wird sie zu den Projektpartnern in die Himalaya-Region fahren und sich selbst ein Bild von der Situation machen. Unterdessen bittet sie weiterhin um Spenden für den Wiederaufbau.

Hintergrund

Spenden an die „Himalaya-Initiative für Bildung“ sind auf folgendes Konto möglich: Sparkasse Waldeck-Frankenberg DE 65 5235 0005 0005 0585 24 unter dem Stichwort „Erdbeben“. Bei Spenden bis 200 Euro genügt der Überweisungsträger zur Vorlage beim Finanzamt. Bei Spenden in Höhe von über 200 Euro wird eine Spendenbescheinigung automatisch zugesandt, wenn die Adresse des Spenders vorliegt.

Von Marianne Dämmer

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