Dr. Hans-Friedrich Kobel will mittelfristig seine Praxis übergeben

Kinderarzt-Praxis in Korbach: Nachfolge-Suche gestaltet sich schwierig

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Sucht seit mehr als zwei Jahren eine Nachfolge für seine Praxis: Der Korbacher Kinderarzt Dr. Hans-Friedrich Kobel. Bislang blieben seine Bemühungen erfolglos. 

Seit 1979 ist Dr. Hans-Friedrich Kobel mit Leib und Seele Kinderarzt. Der 68-Jährige betont, dass er immer noch glücklich darüber sei, seinen Traumberuf ausüben zu können. Allerdings will er mittelfristig seine Praxis in Korbach abgeben.

Seine Praxis hatte er Anfang der 1990er-Jahre nach mehreren Jahren als angestellter Kinderarzt an den Uni-Kinderkliniken in Marburg, Kiel und Lübeck übernommen. Bis heute führt er sie mit viel Leidenschaft.

„Auch wenn mir die Arbeit immer noch großen Spaß macht, denkt man doch irgendwann darüber nach, was man mit seiner restlichen Lebenszeit noch anfangen möchte. Gleichzeitig wünsche ich mir natürlich, dass es mit der Praxis weitergeht und sich ein Kinderarzt hierfür findet“, sagt er.

Korbacher Kinderarzt sucht seit zwei Jahren einen Nachfolger

Seit mittlerweile zwei Jahren bemüht sich der gebürtige Schleswig-Holsteiner daher um eine Nachfolge, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät. Es sei für eine Stadt wie Korbach auch gar nicht vorstellbar, dass es in Zukunft nur noch eine Kinderarztpraxis gebe.

Dass sich die Suche nicht ganz einfach gestalten würde, damit hatte der Facharzt schon gerechnet. „Dass es allerdings so schwierig wird, hätte ich nicht unbedingt gedacht“, berichtet Dr. Kobel und gibt einen Einblick in seine Bemühungen. „Ich bin mit meiner Suche in insgesamt drei verschiedenen, zumeist bundesweiten Praxisbörsen sowie in einer Jobbörse vertreten. Außerdem habe ich einen Headhunter engagiert sowie zahlreiche Annoncen in Fachzeitschriften veröffentlicht.“

Kobel hat 1000 Kinderärzte angeschrieben

Außerdem habe er in vielen Gesprächen mit Chef- und Fachärzten, die in den umliegenden Kinderkliniken tätig sind, abgeklopft, ob sich jemand eine Niederlassung als selbstständiger Kinderarzt in Korbach vorstellen könnte. „Darüber hinaus habe ich 1000 angestellte Kinderärzte in ganz Deutschland angeschrieben, die aktuell in Krankenhäusern arbeiten.“

Bislang seien alle Bemühungen erfolglos geblieben. „Es gab zwar zwei Interessenten, die sich letztlich aber nicht für eine Übernahme der Korbacher Praxis entschieden haben.“

Dabei betont Dr. Kobel mit Blick auf seine Praxis in der Briloner Landstraße, dass dort alles vorhanden sei, was man sich als Kinderarzt nur wünsche. „Das fängt bei den großzügigen und hellen Praxisräumen an, geht über den großen Parkplatz und endet schließlich bei der zeitgemäßen digitalen und technisch-medizinischen Infrastruktur“, berichtet der Kinderarzt. Ein potenzieller Nachfolger hätte zudem noch einen entscheidenden Vorteil. „Das Praxisteam verfügt über sehr viel Erfahrung, unsere Angestellten sind teilweise schon seit Jahrzehnten dabei und könnten die Praxis unter der Leitung eines neuen Kinderarztes sofort weiterführen.“

Die Zahl der Patienten sei zudem konstant hoch. Dazu gehöre auch die Versorgung der Neugeborenen im Stadtkrankenhaus, die sich Dr. Kobel mit Dr. Meike Bökemeier, der zweiten niedergelassenen Kinderärztin in Korbach, teilt.

Der Korbacher Kinderarzt weist zudem darauf hin, dass die Voraussetzungen für Ärzte, die sich niederlassen wollen, „heutzutage viel besser sind als es noch vor zehn oder 20 Jahren der Fall war“. „Es gibt etliche Förderprogramme und die Preise für die Praxen sind längst nicht mehr so hoch wie zu der Zeit, als ich die Praxis übernommen haben“, so Kobel.

„Praxisalltag selbst organisieren“

Dass sich bislang noch niemand für die Korbacher Kinderarztpraxis gefunden hat, ist nach Ansicht von Hans-Friedrich Kobel auf verschiedene Aspekte zurückzuführen. „Wer keinerlei Bezug zu Korbach oder diese eher ländlich geprägte Region hat, kommt hier nicht unbedingt her. Obwohl es sich im Landkreis wunderbar leben und arbeiten lässt“, merkt Dr. Kobel an. Außerdem zeige sich, dass es für Kinderärzte im Zuge einer Nachfolgesuche problemtisch sei, wenn es – wie in Waldeck-Frankenberg der Fall – keine Kinderkliniken in direkter Nähe gebe.

„Die Kliniken sind wichtige Ausbildungsbetriebe, in denen angehende Fachärzte nicht nur das medizinische Handwerk erlernen, sondern die es dem Nachwuchs auch ermöglichen, die umliegende Region kennen und lieben zu lernen“, sagt der Korbacher Kinderarzt. Letztlich spielt aus Sicht von Dr. Kobel auch die Tatsache eine Rolle, dass die Work-Life-Balance immer wichtiger werde. „Eines muss man an dieser Stelle aber auch sagen: Wer selbstständig ist, kann alleine entscheiden, wie er seinen Praxisalltag organisiert und wie die Sprechstunden sind“, sagt der 68-Jährige.

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