Trotz Lockerung der Corona-Regeln

Betreiber in Korbach und Willingen lassen Kinos geschlossen

+
Bleibt erst mal das einzige Kino im Kreis: das Autokino in Korbach, für das die Betreiber aus Hansestadt und Upland zusammenarbeiten

Die Kinos in Willingen und Korbach bleiben in der Corona-Krise erst mal geschlossen. Die Betreiber nennen drei Gründe.

Den Kinos ist seit der jüngsten Lockerung der Corona-Regeln freigestellt zu öffnen. „Aber es macht aus vielerlei Hinsicht keinen Sinn“, sagt Friedrich Bähr, Betreiber der „Studios“ in Willingen. Auch Jörg Wahhab vom Cine-K in Korbach sieht das so – und viele Kollegen in ganz Deutschland, mit denen er gesprochen habe.

„Es kommen einfach keine guten Filme raus“, erläutert Wahhab das erste Problem. Der neue „James Bond“ wurde wie viele Straßenfeger auf den Herbst verschoben, andere Streifen landeten im Internet: So ging „Trolls 2“ etwa ins Streaming, der Film zur Serie „Berlin, Berlin“ landete auf Netflix statt im Kino. Es bleibt bekannter Stoff: „Ich glaube kaum, dass ich überhaupt 20 Leute in einen Film reinkriege. Es gibt ja nichts neues.“

Das Problem der Kinobranche, dass es keine Inhalte gibt, löse sich frühestens Mitte Juli, sagt auch Friedrich Bähr. Die Entwicklung, dass neue Filme zuerst im Video-on-Demand erscheinen, bereite ihm auch für die Zukunft Sorge: „Man hat das Prinzip umgedreht.“ Er befürchtet, dass die Filmverleiher das gar nicht mal ungern sehen: Liegt die Veröffentlichung per Kino, Internet und DVD nah beieinander, sparen sie enorme Marketing-Kosten ein. Früher haben die Kinos die Filme ein Jahr alleine verwerten können, zuletzt seien es manchmal bloß noch zwei, drei Monate gewesen. Den Kinos würde das riesige Umsatzverluste bescheren: „Es wird hoffentlich nicht bei dieser Praxis bleiben.“

Das zweite Problem: „Bei den Auflagen, die wir haben, bringt das ganze nichts“, erklärt Jörg Wahhab: Er müsste jede zweite Reihe frei lassen und auch in die nutzbaren passen weniger Zuschauer als gewohnt um den Abstand zu wahren. Besucher müssten das Kino über die Notausgänge verlassen, die Lüftung müsse ausbleiben. „In einem Saal mit 100 Plätzen bleiben 20, 22 übrig“, rechnet Friedrich Bähr vor – das sei ganz sicher nicht wirtschaftlich. Und dann müsste zusätzliches Personal abgestellt werden, damit immer nur ein Gast die Toilette aufsucht. Jörg Wahhab erklärt, im ohnehin personalintensiven Kino im Schnitt 25 Zuschauer zu brauchen – schwächer besuchte Vorstellungen ließen sich aber nicht mehr ausgleichen.

Und drittens: „Ich gehe davon aus, dass die Leute noch zu verunsichert sind, um gelassen ins Kino zu gehen“, erklärt Jörg Wahhab. Friedrich Bähr sieht es genauso: Die Menschen kauften mit Mundschutz ja auch nicht gelassen ein. Zudem haben viele Geldsorgen, ob wegen Kurzarbeit, fehlender Zulagen oder Entlassungen. „Ich denke nicht, dass der Kinobetrieb schnell wieder von 0 auf 100 geht.“

Autokino in Korbach geht weiter

Auch das Autokino, für das Cine-K und Studios sich zusammengetan haben, zeigt nur schon bekannte Filme: „Aber das ist eben ein Event“, erklärt Jörg Wahhab: „Die Leute sind froh, wenn sie was machen können.“ Friedrich Bähr schildert, was ihm Zuschauer erzählten: „Ja, den Film kennen wir schon. Aber wir wollen das Flair erleben.“ 

Viel verdienen lässt sich daran zwar nicht, sagt Wahhab. Aber es kommen nach wie vor viele Gäste, auch wenn in der Woche nicht mehr ausgebucht ist: „Die Leute müssen ja wieder arbeiten“, erklärt Bähr. Snacks und Getränke bringen die Zuschauer nach wie vor selber mit – die hessische Verordnung lässt keinen Verkauf zu. In anderen Ländern können sie zusammen mit den Tickets bestellt und abgestellt werden. 

Aktuell liegt die Startzeit bei 21.45 Uhr, mit länger werdenden Tagen müsse sie angepasst werden – außer, das Wetter ist düster. „Wir wollen schauen, wie lange es noch geht“, sagt Wahhab, ist aber in dieser Hinsicht optimistisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare