Tagung der Kreissynode in Flechtdorf mit Bischof Martin Hein

Kirche im Dorf lassen

Die Synode im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg hat sich formiert. .

Diemelsee-Flechtdorf. - Die Synode im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg hat sich formiert. Bei der Tagung in Flechtdorf besetzte das evangelische Kirchenparlament die Arbeitsausschüsse. Im Kirchenkreis bleiben aber auch „Baustellen“.

Der Zuspruch war groß in Flechtdorf, denn Präses Karsten Meyer (Helsen), Chef des neuen Kirchenparlaments Twiste-Eisenberg, und Dekanin Eva Brinke-Kriebel (Korbach) hatten einen prominenten Gast dabei: Dr. Martin Hein (Kassel), Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, referierte bei seiner Visite im Kirchenkreis auch vor der Synode.

Hein scheute sich nicht vor einem verbalen theologischen Wettstreit, denn für seine Predigt am folgenden Sonntag in der Korbacher Kilianskirche wählte der Bischof das gleiche Thema wie Pfarrerin Claudia Frank zuvor am Freitagabend bei der Andacht in der Flechtdorfer Klosterkirche.

Das Bildnis vom Propheten Elia in der Wüste war das Thema, das Pfarrerin Frank einprägsam und aktuell ins Gedächtnis rief. Denn den biblischen Propheten transportierte sie gedanklich in die Chefetage einer Firma. Wie der gestresste Elia versucht ein Manager vergeblich abzuschalten, denn „er findet den Schalter nicht“.

Bei all den finanziellen und personellen Herausforderungen ist es auch für die Kirchenvertreter schwierig, harte Botschaften „mundgerecht und schmackhaft unters Volk zu bringen“, schloss Pfarrerin Frank. Da habe der Wacholderbusch oder der Ginster, unter dem sich Elia ehedem ausgebrannt zur Ruhe legte, „schon fast etwas Verlockendes“. Doch keine Situation ist ausweglos, machte Claudia Frank dann wieder Mut: „Wenn ich erst losgegangen bin, dann schiebt sich mir der Weg unter die Füße“, zitierte sie den Schriftsteller Martin Walser.

Doch wohin führt der Weg? Dekanin Eva Brinke-Kriebel kam in den vergangenen Monaten immer wieder ein Filmtitel in den Sinn: „Das Leben ist eine Baustelle.“ Geplanter Anbau des Kirchenkreisamts am Kilian in Korbach, provisorischer Umzug vor wenigen Tagen in die alte Polizeiwache an der Hagenstraße, dazu die Debatten um Pfarrstellen in Twiste und Ober-Waroldern - „es wäre schade, wenn unser reges und buntes Gemeindeleben leiden müsste“ unter nachhaltigem Streit.

Dialog statt Kampf

Die Dekanin appellierte, die Vorhaben sachlich zu diskutieren. „Einigermaßen erschrocken“ zeigte sie sich deshalb über den Widerstand in Korbach bei der Sanierung und Erweiterung für das Kirchenkreisamt und das Dekanat. Die Arbeitsbedingungen für die über 40 Mitarbeiter im Kirchenkreisamt seien „im Moment wirklich eine Zumutung“. Der Anbau im Herzen der Altstadt bringe entscheidende Vorteile.

Richtig sei ebenso, die Pfarrstellen von Twiste und Ober-Waroldern zusammenzulegen. Dies sei nach den Gesprächen dort unstrittig gewesen. Zu entscheiden sei nunmehr über den Sitz des Pfarrhauses. Das Ensemble mit Kirche und Gemeindehaus spreche für Twiste, doch sei der Erhalt des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert sehr teuer.

„Es gibt viele Argumente auf beiden Seiten, die bedacht werden müssen“, erklärte die Dekanin: „Ich wünsche mir, dass wir dann eine Entscheidung ohne Zorn und Verbitterung treffen können.“

Auch Bischof Martin Hein versuchte in seinem Referat vor der Synode zu vermitteln: „Wir wollen die Kirche im Dorf lassen.“ Der Landesbischof unterstrich das enorme ehrenamtliche Engagement für die Kirche, gerade im ländlichen Raum. Doch der demografische und gesellschaftliche Wandel sei gravierend. Bis 2026 müsse die Landeskirche rund 25 Prozent ihres Haushaltsvolumens einsparen. Die Kirche wolle Gottesdienst, Seelsorge, Diakonie und Jugendarbeit bewahren, dazu sich neuen Aufgaben stellen. Dies könne die Landeskirche aber nur lösen, „wenn wir im gleichen Zuge sagen, was lassen wir“. Statt Kampf unter vermeintlichen Gewinnern und Verlierern sei sachlicher Dialog gefragt.

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