Externes Unterrichtsprojekt soll Berufsschüler aufklären und Vorurteile gegenüber Migranten abbauen

Klares Plädoyer für Verständigung

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Migration und Integration in Deutschland – Jakob Fischer, der in Kasachstan viele Jahre als Geschichtslehrer und am Theater arbeitete, erklärt Berufsschülern, warum und aus welchen Gebieten Spätaussiedler nach Deutschland gekommen sind. Foto: Marianne Dämmer

Korbach - „Migration und Integration in Deutschland“: Dieses aktuelle Thema bebildert eine Wanderausstellung in den beruflichen Schulen in Korbach. Ihr Ziel: Die Jugendlichen erreichen, um Vorurteile abzubauen.

Jakob Fischer hat zahlreiche Karten und Informationstafeln in einem der großen Unterrichtsräume der Korbacher Berufsschule aufgestellt, in denen noch bis Freitag Klassen aus allen Berufsschulzweigen zusammenkommen, um ihm zuzuhören.

Ein- und Auswanderung gab es schon immer

In jeweils zwei Unterrichtsstunden versucht der Projektleiter des bundesweiten Unterrichtsprojekts „Migration und Integration in Deutschland“, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass es Emigration und Immigration schon immer gab – auch in Deutschland. Eingeladen hatten ihn die Lehrer Natalia Riemer und Jan Baumann, um für mehr Verständnis unter den Schülern zu werben.

Am Beispiel der Deutschen aus Russland erklärt Fischer die geschichtlichen Hintergründe der oft schicksalshaften Wanderbewegungen: Der Auswanderung Deutscher nach Russland nach dem Ruf Katharinas II. im 18. Jahrhundert folgten einer anfänglichen Blüte durch politischen Umwälzungen bald Unterdrückung, Ausgrenzung, Verfolgung und Verschleppung – alles Gründe für die Familien mit deutschen Wurzeln, nach Jahrzehnten wieder in die Urheimat zurückzukehren. „Obwohl sie Deutsche sind, sehen sich viele der Kinder von Spätaussiedlern heute aber als Russen – da sie von anderen so gesehen werden“, sagt Jakob Fischer und erklärt weiter: „Und sie wissen erstaunlich wenig über die Geschichte der Deutschen in Russland und damit über ihre eigene.“ So soll sein Vortrag allumfassend dazu dienen, mehr Kenntnis und damit auch mehr Verständnis zu vermitteln, „Missverständnisse und Vorurteile auszuräumen“, sagt er, auch gegenüber Ausländern und Asylbewerbern.

Und so geht er nicht nur auf die Immigranten ein, sondern auch auf die Emigranten: Jedes Jahr würden immerhin rund 150000 Deutsche in andere Länder auswandern. Allerdings kämen im Laufe der Jahre 95 Prozent von ihnen wieder zurück. 194 Nationen seien in Deutschland zu Hause, sagt Jakob Fischer. „Integration kann gelingen – wenn sie von beiden Seiten erwünscht ist“, betont er und nennt berühmte Beispiele erfolgreicher Integration – von Helene Fischer über Mesut Özil bis Mario Gomez.

Von Marianne Dämmer

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