Jahrestagung des Waldeckischen Geschichtsvereins führt nach Wethen

Klaus Wendt bleibt für drei Jahre Chef

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Beim Rundgang durch Wethen gab Erika Neumeyer zahlreiche Erläuterungen zur Geschichte und zur Gegenwart ihres Heimatdorfes, in dem wohl dereinst eine Burg des Kirchenstifters Ritter Udo von Wethen gestanden hat.

Diemelstadt-Wethen - Um Grenzüberschreitungen ging es in Wethen - außer beim Vorstand: Der bleibt ganz der Alte.

Eine alte Landkarte aus der Dorfschule zeigte den Besuchern in der Lindenhalle die Ausbuchtung, die um das Grenzdorf Wethen ins Westfälische hineinragt - das Thema Grenzen zog sich am Sonntag wie ein roter Faden durch die Jahrestagung des Waldeckischen Geschichtsvereins, die diesmal die Diemelstädter Bezirksgruppe ausrichtete.

Traditionell gab es morgens drei Exkursionen. Die erste Gruppe ging mit Erika Neumeyer durch das Dorf. Besonders interessierte die in Waldeck einzigartige romanische Krypta. Im 1812über ihr errichteten Kirchenschiff erklang die Vogt-Orgel.

Über die Grenze gefahren

Nicht nur bei Korbach gab es 1760 im Siebenjährigen Krieg eine große Schlacht, auch am Heinberg tobten Kämpfe. Die Ossendorfer Rainer Simon von den Historischen Kanonieren und Johannes Thonemann führten eine Gruppe mit dem Bus zu den Stätten zwischen Menne, Germete, Warburg und Wethen.

Eine dritte Gruppe fuhr mit dem Bus zur Besucherplattform auf der Quastholle. Dort erläuterten Walter Bracht und Friedrich Hübel die Landschaft und geschichtsträchtige Stätten.

Der neue Diemelstädter Bürgermeister Elmar Schröder rief auf, Grenzen zu überwinden und zusammenzuarbeiten. „Es steckt viel Landesgrenze in meiner Geschichte“, sagte der gebürtige Marsberger, der gelernter Vermessungsingenieur ist. Schon als Kind sei er oft durch Wethen gekommen, seine Frau stamme aus Neudorf. Heute pflege er im Amt gute Kontakte zu den westfälischen Nachbarn - die Diemelstadt zum Beispiel Wasser lieferten. Insofern bestehe trotz aller verwaltungsmäßigen oder konfessionellen Trennungen längst eine „Friedensgrenze“. Und die Westfalen sängen bei ihren Festbesuchen das „Waldecker Lied“ mit.

Ortsvorsteher Volker Thöne stellte sein 504 Einwohner zählendes Dorf kurz vor, das vermutlich im siebten Jahrhundert gegründet wurde, 850 erstmals urkundlich erwähnt wird und ab 1295 unter der Herrschaft der Waldecker Grafen stand.

An den gemeinsamen Kampf der Wethener und der Frankenberger gegen eine Wiederaufbereitungsanlage vor 30 Jahren erinnerte der Vorsitzende des Frankenberger Geschichtsvereins, Karl-Hermann Völker. „Die Geschichte zeigt: Der Kampf war richtig.“ Mit Hochachtung blicke er auf den Büchertisch mit den Publikationen des Waldecker Vereins, betonte er und rief auf, die gute Zusammenarbeit weiter zu pflegen.

Viel Lob bekam die Diemelstädter Bezirksgruppe für die Vorbereitungen und die Programmgestaltung. Das sei eine Teamleistung, erklärte der Vorsitzende Walter Bracht. Er überreichte der Wethenerin Erika Neumeyer ein Präsent: Sie habe sich als Ideengeberin und eifrige Organisatorin hervorgetan. „Sie ist unser stärkstes Zugpferd.“

Unter der Wahlleitung des Ehrenvorsitzenden Dr. Günter Welteke bestätigten die Geschichtsfreunde den kompletten Vorstand für die nächsten drei Jahre einstimmig im Amt: Vorsitzender bleibt der Korbacher Dr. Klaus Wendt, seine Stellvertreterinnen sind Margareta Lückhoff aus Bad Wildungen und Gudrun Engelhard aus Mengeringhausen, Schatzmeister ist Georg Schramme aus Twiste, sein Vertreter Hubert Roth aus Sachsenhausen, Schriftführerin Marion Bayan aus Wetterburg und Geschäftsführerin Irene Wagner aus Korbach. Dr. Wendt kündigte bereits an, 2015 nicht mehr kandidieren zu wollen.

In seinem Rückblick erinnerte der Vorsitzende an die von Heinrich Bodenhausen betreute neue Chronik Kohlgrunds und das Sachsenberger Stadtbuch von Dr. Jürgen Römer, der auch am Städteatlas für Sachsenberg beteiligt war. Groß gewürdigt wurde der Chirurg Prof. August Bier, der vor 150 Jahren in Helsen zur Welt gekommen ist.

Ein neues Führungssystem für Besucher hat das Museum zur Rechtsgeschichte und zum Strafvollzug in der Burg Waldeck im Sommer bekommen. Dr. Wendt freute sich, dass gerade Jugendliche es besichtigten.

Dr. Wendt kündigte für 2013 Gedenkfeiern mit den Medebacher Geschichtsfreunden an, bei denen die Teilung der Freigrafschaft Düdinghausen vor 350 Jahren im Zentrum steht. Auch Ausstellungen sind geplant. Dabei arbeitet der Geschichtsverein mit den „Heimatbünden im Altkreis Brilon“ zusammen.

Die Geschichtsblätter erscheinen in der 100. Ausgabe, dazu soll es am 4. November einen Festakt im Bad Arolser Rauch-Museum geben. Dr. Jürgen Römer geht als Chef der Schriftleitung im Festvortrag auf die Geschichte und Inhalte der bundesweit anerkannten Zeitschrift ein. Dieter Waßmuth ist aus der Schriftleitung ausgeschieden, für ihn ist der Marburger Medizinhistoriker Prof. Gerhard Aumüller hinzugekommen.

Dr. Römer verwies auf die Neuerscheinungen des Vereins. Dr. Bernd Zimmer hat in der Reihe „Waldeckische Forschungen“ einen Band über die ersten Jahre des Internationalen Suchdienstes vorgelegt. Das Jubiläum der Geschichtsblätter sei ein „Auftrag in die Zukunft hinein“, betonte er. In Planung sei ein Band übers 300 Jahre alte Bad Arolser Schloss in der Reihe „Waldeckische historische Hefte“.

Einen positiven Kassenbericht legte Georg Schramme vor.

Treue Mitglieder geehrt

Seit 40 Jahren Mitglied im Verein sind Hermann Pohlmann aus Bad Arolsen und der letzte Vorsitzende des 1990 aufgelösten Verbandes der Waldeck-Pyrmonter Vereine im Ausland, Karl Kelber aus Hagen.

Seit 25 Jahren dabei sind Harald Marpe aus Berlin, Wolfgang Behle aus Stuhr, Dr. Helmut Dietz aus Rheinbach, Ingo Herbst aus Riemerling, Ernst Fischer aus Willingen, Friedrich Grote aus Kassel und Karl Saure aus Twistetal. Von den zu Ehrenden war niemand anwesend.

Begonnen hatte der Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst mit dem Rhoder Posaunenchor in der Lindenhalle. Im gut abgestimmten Wechselspiel machten Monsignore Prof. Konrad Schmidt und der pensionierte Pfarrer Eckhard Gebauer deutlich, wie wichtig die Beschäftigung mit der Geschichte für die Kultur, aber auch fürs Verständnis der Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft sei.

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