Korbacher Einrichtung in der Straße "Am Mühlwege" gab es vier Jahren lang

Kleiderkammer für Flüchtlinge ist geschlossen: Reste gehen nun in die Ukraine

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Sie nutzten noch einmal die Gelegenheit, um sich mit Hemden, Regenmänteln und Matratzen einzudecken: Haj Naasan (links) und Rustom Hossein aus Syrien besuchten die Korbacher Kleiderkammer, die am Donnerstag dieser Woche ihren letzten Ausgabetag hatte. 

Viele Flüchtlinge nutzten am Donnerstag dieser Woche noch einmal die Gelegenheit, um sich mit Hemden, Jeans, Matratzen oder Hausrat einzudecken: Die Korbacher Kleiderkammer hatte nämlich ihren letzten Ausgabetag. „Wir haben hier immer auch Kleidung für unsere Kinder gefunden“, berichtete beispielsweise Haj Naasan aus Syrien.

Die Kleiderkammer wurde seit 2015 von der Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg betrieben – mit Unterstützung durch die Stadt Korbach. Zuletzt ging die Nachfrage nach Kleidung und Hausrat zurück, nun ist die Einrichtung geschlossen. Es können keine Kleiderspenden mehr abgegeben werden. dau

„Es ist natürlich schade, dass es zu Ende geht. Doch mittlerweile sind die Flüchtlinge in Korbach gut integriert, viele haben feste Jobs gefunden. Die Nachfrage nach Kleiderspenden und Hausrat ist zuletzt deutlich zurückgegangen“, berichtet Ute Jennemann.

Die Sozialamtsleiterin von der Stadt Korbach steht am Donnerstag dieser Woche in der Korbacher Kleiderkammer in der Straße „Am Mühlwege“. Gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Friedrich bedankt sie sich bei einigen ehemaligen Mitgliedern der mittlerweile aufgelösten Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg, die in den vergangenen vier Jahren die Kleiderkammer betrieben haben und natürlich auch am letzten Ausgabetag ihren Dienst verrichten.

Die letzten Sachen werden in Kisten gepackt, bevor sie in die Ukraine gehen: Am letzten Ausgabetag der Korbacher Kleiderkammer kam auch ein bisschen Wehmut auf. Unser Foto zeigt neben Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich (2. von links) und Sozialamtsleiterin Ute Jennemann (4. von rechts) die früheren Mitglieder der mittlerweile aufgelösten Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg (von links) Wilfried Vogel, Wilfried Müller, Reinhold Wilke, Herbert Gellert, Marlies Müller, Heidemarie Wilke und Brigitte Gellert. Foto: Philipp Daum

„Ohne diese ehrenamtliche Unterstützung wäre dies alles nicht möglich gewesen. Hier haben Menschen unaufgeregt und mit viel Organisationsgeschick eine beeindruckende Hilfe für Flüchtlinge auf die Beine gestellt und diese mit Herzblut über die ganzen Jahre aufrechterhalten“, betont der Rathaus-Chef und übergibt als Anerkennung einige Hanse-Gutscheine.

Beim Blick in die Runde der Helfer fällt auf: Es ist auch viel Wehmut dabei, denn neben der humanitären Hilfe waren es vor allem auch unterschiedliche Begebenheiten, die die Mitarbeit in der Kleiderkammer so besonders gemacht haben. „Als Dank haben uns die Flüchtlinge oft Kuchen mitgebracht. So ist letztlich auch unser gemeinsames Kaffeetrinken mit Kuchentafel entstanden, das wir fortan an jedem Ausgabetag parallel gemacht haben“, berichtet Brigitte Gellert aus den Reihen der Helfer.

Ihr Mitstreiter Wilfried Müller erinnert indes an die Anfangszeit, als die kostenlose Verteilung der Kleidungsstücke noch „etwas chaotisch“ vonstatten gegangen sei. „Wir mussten teilweise schon rigoros durchgreifen, damit die Sachen gerecht verteilt wurden. Dass sich die Flüchtlinge untereinander weggeschubst haben, um an die besten Sachen zu kommen, kam immer mal wieder vor.“

Angebot der Kleiderkammer wuchs ständig

Das Angebot wuchs in den Folgejahren stetig an. Zu den Kleiderspenden kamen Matratzen, Decken, Kinderwagen, Koffer und Porzellangeschirr hinzu. „Dass wir ein derart großes Angebot bereitstellen konnten, lag natürlich an der Hilfsbereitschaft der zahlreichen Menschen aus Korbach und Umgebung. Ohne deren Spenden wäre das ganze nicht möglich gewesen“, betont Wilfried Vogel von der Kleiderkammer.

Der 72-Jährige weist im gleichen Atemzug auch darauf hin, dass die Sachen, die nach dem Ende der Kleiderkammer noch übrig seien, nicht einfach weggeschmissen, sondern an den neu gegründete Verein „Humanitäre Hilfe Korbach“ übergeben werden. Dieser lasse die Kleidungsstücke und Haushaltsartikel ab sofort per LKW in die Ukraine bringen. „Dort werden sie in der Stadt ,Cherniwzi’ an Bedürftige verteilt“, sagt er.

Wilfried Vogel bedankt sich abschließen noch bei der Stadt Korbach für die Unterstützung in den zurückliegenden Jahren. „Außerdem war es enorm wichtig, dass unsere Frauen mitgeholfen haben. Ihr Fachwissen – gerade bei Kleidergrößen für Frauen, Babys und Kleinkinder – war stets gefragt.“

Kleider-Hilfe für Bedürftige weiterhin durch das DRK

Auch wenn es die Kleiderkammer in der Straße „Am Mühlwege“ künftig nicht mehr gibt und dort keine Spenden mehr abgegeben werden können, können bedürftige Personen weiterhin Hilfen in Anspruch nehmen. Der DRK-Kreisverband unterhält hierfür eine Kleiderkammer und einen Kleiderladen in Korbach. Der DRK-Kleiderladen befindet sich in der Prof.-Bier-Straße 10. Öffnungszeiten: Montag von 10 bis 14 Uhr, Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 13 Uhr. Die Kleiderkammer wird voraussichtlich ab April 2019 wieder geöffnet. 

Hintergrund: 

Die Kleiderkammer entstand 2015 in der Hochphase der Flüchtlingskrise. Die Stadt Korbach fand mit der Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg damals einen Verein, der diese Aufgabe übernahm. Zunächst wurde die kostenlose Verteilung der Kleidungstücke über einen Sattelauflieger geregelt. Dieser steuerte zweimal wöchentlich die damalige Flüchtlingsunterkunft in den Beruflichen Schulen an. Als die Flüchtlinge später ins geräumte Kinder-Abenteuerland „LaLeLu“ umzogen, fand dort die Kleiderausgabe statt. Seit Juni 2016 hatte die Kleiderkammer ihren festen Standort in der Straße „Am Mühlwege“ in Korbach, wo zuletzt einmal pro Woche Kleidungsstücke und Hausrat an Flüchtlinge verteilt wurden. Betrieben wurde die Kleiderkammer von Wilfried Vogel und seiner mittlerweile verstorbenen Frau Christa, von Marlies und Wilfried Müller, Heidemarie und Reinhold Wilke, Brigitte und Herbert Gellert sowie von Wolfgang Theile

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