Korbach

Kleiner Stich mit großer Wirkung

- Korbach (den). Zeit, Energie und ein ganz klein wenig Mut: Mehr braucht es nicht, um Leben zu retten. Beim Roten Kreuz in Korbach war in dieser Woche wieder Blutspenden angesagt. Eine Stippvisite.

Dr. Wagner schaut in seinen Flur. Vor seinem provisorischen Untersuchungszimmer hat sich eine lange Menschenschlange gebildet. Rolf Wagner ist freiberuflicher Arzt und führt heute für das DRK die Voruntersuchungen beim Blutspenden durch. Nach zwei, drei Minuten wissen die „Patienten“, ob sie spenden dürfen. Wer weniger als 50 Kilo wiegt, sich in den letzten Monaten ein Piercing hat stechen lassen oder den Abend vorher ausgiebig Korbachs Kneipenszene ausgetestet hat, hat schlechte Karten. Alle anderen schickt der Göttinger ins Labor im Erdgeschoss. Auch hier warten bereits mehr als zehn Spender darauf, dass ihnen Blut abgezapft wird. Vorher stechen die Laboranten aber noch in jeweils einen Finger, um die Blutwerte bestimmen zu können. Wer genau in diesem Moment beispielsweise an seine erste Spende denkt, bemerkt den Piekser überhaupt nicht. Von den jährlich 3,8 Millionen Spendern bundesweit kommen monatlich zwischen 180 und 200 aus Korbach und Umgebung. Sie sind mit Herzblut bei der Sache, ihr Wert ist seit Jahren stabil. In den übrigen zwei Kreisverbänden sieht es ähnlich aus; auch wenn mal kalte statt warme Mahlzeiten gereicht werden (Frankenberg) oder die Spendenbereitschaft wegen des neuen Standortes leicht schwächelt (Bad Wildungen). Die eigentliche Vollblutspende dauert nicht lang. Ist der Besucher erst mal punktiert, sorgt der Herzschlag von ganz allein dafür, dass sich der Beutel füllt. Bis zu sechs Liter Blut fließen durch den menschlichen Körper; einen halben Liter geben die Spender in einigen Minuten ab, um Kranken oder Unfallopfern zu helfen. Im Hintergrund rotiert während der Spende bereits das „Küchengeschwader“, bestehend aus Waltraud Webers, Marga Hampel und Helga Zenke. Die engagierten Damen bereiten Würstchen und Salat vor, damit sich die Gäste nach ihrer Ruhezeit stärken können. Die Blutspende hat auch einen gesundheitlichen Vorteil für die Geber: Ob er mit HIV oder Hepatitis angesteckt wurde und ob die Leberwerte stimmen, kommt bei der Kontrolle im Labor heraus.Für sechs Stunden hat die Spenderbank in Korbach an jedem ersten Montag im Monat geöffnet – „ein Maximum an Blutproduktion“ nennt Teamarzt Wagner als Grund. In seinen übrigen Bezirken seien dagegen drei oder vier Stunden die Regel. Leiterin Marlies Neumann hat in dieser Zeit alle Hände voll zu tun. Denn viele der 170 Spender sind „Wiederholungstäter“ und bekommen als Dank dem Anlass entsprechend eine Nadel.

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