Heinz Gerdes geht · Wolfgang Kluß übernimmt Interims-Geschäftsführung

Klinik sucht einen neuen Chef

Korbach - Die Stadt Korbach und Heinz Gerdes gehen fortan getrennte Wege: Der Vertrag des Krankenhausgeschäftsführers wird aufgelöst.

So schnell kann’s gehen: „Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar“, spricht eine Stimme vom Band unter der Telefonnummer der Korbacher Klinikleitung. In der Nachfolge von Heinz Gerdes hat die Stadt bereits Wolfgang Kluß als neuen Interims-Geschäftsführer berufen.

Kluß ist zweifelsohne der richtige Mann für diese Aufgabe, denn bis 2005 hatte er 16 Jahre lang die Korbacher Klinik erfolgreich geleitet. So war Kluß Wegbereiter für die grundlegende Modernisierung des Krankenhauses in den vergangenen acht Jahren. Nunmehr steht der dritte Neubautrakt bevor für knapp 20 Millionen Euro, und Kluß kann zwischenzeitlich fortführen, was 2005 unter seiner Ägide begann.

Misserfolge lassen sich dem Krankenhaus seither ebenfalls nicht bescheinigen. Sowohl unter Kluß‘ direktem Nachfolger Armin Müller als auch seit Frühjahr 2010 mit Heinz Gerdes an der Spitze präsentierte die Klinik gute Bilanzen.

Korbach etablierte sich zuletzt als „regionales Traumazentrum“ für Unfallchirurgie, die Klinik wurde akademische Lehreinrichtung der Uni Göttingen, weitere Arztpraxen siedelten sich am Krankenhaus an. Neuerdings gelang auch das hessische Onkologiekonzept (Krebsmedizin) in Kooperation mit der Uni Göttingen. All diese Schritte listet Bürgermeister Klaus Friedrich in einer aktuellen Meldung zur Klinikgeschäftsführung auf.

„Wir danken Herrn Gerdes (…) für seine (…) Arbeit und bedauern, mit ihm einen fachlich versierten Geschäftsführer zu verlieren“, betont die Stadt Korbach. Doch wenn mit Wolfgang Kluß ein ehrenamtlicher Leiter des Stadtarchivs kurzerhand aus dem Pensionärsdasein wieder zum Interimschef der Klinik berufen wird, dann klingt dies eher nach akuter Operation - und nicht nach langfristig geplantem Übergang.

Begründung der Stadt: „Infolge unterschiedlicher Sichtweisen zu den kommenden strategischen Ausrichtungs- und Strukturplänen“ würden Stadt und Geschäftsführer „ihren gemeinsamen Weg beenden“. Zumal auch der dritte Bauabschnitt anstehe, sei es sinnvoll, die Aufgaben „möglichst rasch auf einen noch zu bestellenden Nachfolger“ zu übertragen. Weitere Details werden nicht erwähnt.

Hintergrund ist eine gemeinsame Sitzung von Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat vor Tagen. Nach WLZ-FZ-Informationen hatte sich offenbar eine wachsende Kluft zwischen der ärztlichen Spitze und der betrieblichen Geschäftsführung aufgetan, was die Zukunftspläne an der Klinik anbelangt.

„Das Stadtkrankenhaus steht vor einer umfangreichen Neuausrichtung, die dem aktuellen Strukturwandel im Gesundheitswesen Rechnung tragen muss“, heißt es dazu. Aber zugleich gehe es in der Klinik darum, auch die „bewährten Strategien und Konzepte fortzuführen“.

Diese Operation von „umfangreicher Neuausrichtung“ mit „bewährten Strategien“ soll künftig ein anderer Geschäftsführer in die Wege leiten. Vier bis sechs Monate werde es voraussichtlich dauern, bis ein neuer Klinikchef gefunden sei, erklärte Bürgermeister Friedrich auf Nachfrage.

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