Bewährungsstrafe für Angeklagten - Zeugen vor Verhandlung den Tod gewünscht

Klopapierrollenhalterung als Waffe

Korbach. - Ein 62-Jähriger schlägt im vergangenen Februar seinem fünf Jahre jüngeren Kollegen auf der Arbeit hinterrücks mit einer Klopapierrollenhalterung aus Metall in den Nacken. Die Tat gesteht der Angeklagte auch, nur Einsicht zeigen will er nicht. Er sei provoziert und bedroht worden.

Dass dies den Tatsachen entsprach, ergab sich gestern durch Zeugenaussagen vor dem Korbacher Amtsgericht. Aber weil der Angeklagte „überhaupt keine Reue“ zeige und die anderen „für verantwortlich“ halte, verurteilte Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling den Korbacher zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung. Hinzu kommen 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Der Angriff auf den 57-Jährigen ist die Zuspitzung eines länger andauernden Konflikts zwischen dem Angeklagten und seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Die 55-jährige ist gleichzeitig auch die Tante des Geschädigten und war zum Tatzeitpunkt in einem Reinigungsunternehmen die Vorarbeiterin der beiden Männer.

Angst vor Jobverlust

Nach der Trennung von seiner damaligen Lebensgefährtin soll der Angeklagte ihr nachgestellt haben. Immer wieder gibt es Konflikte. Das ist vor allem deswegen problematisch, weil die beiden sich an der Arbeit jeden Tag begegnen.

Die Zeugin hat Angst, wegen der Auseinandersetzungen ihren Job zu verlieren. Sie bittet ihren Neffen, der mittlerweile auch für das Reinigungsunternehmen arbeitet, mit dem Angeklagten zu sprechen. Für den Fall, dass er seine Stelle aufgibt, will die Zeugin ihm mit Geld über die Runden helfen. Das lehnt der Angeklagte ab. Im Toilettenbereich eines Korbacher Unternehmens soll es dann zum klärenden Gespräch zwischen dem Geschädigten, der Tante und dem Angeklagten kommen.

Wie genau die Wortwahl des Zeugen war, darüber herrschte gestern Uneinigkeit. „Ich habe ihm gesagt, dass wir uns mit der Familie gegen ihn wehren müssen“, so der Geschädigte. Der Angeklagte hatte drastischere Worte in Erinnerung. Als sich der Zeuge umdreht und gehen will, schlägt ihm der Angeklagte mit der Klopapierhalterung in den Nacken. Die Halterung ist rund 30 Zentimeter lang und aus Metall. Der Zeuge erleidet eine Hinterkopfprellung, klagt noch heute über Schmerzen. Der 62-jährige Korbacher wird daraufhin entlassen.

„Hätte ich dich getötet“

Für Richter und Staatsanwalt war das Verhalten des Angeklagten auch im Gerichtssaal nicht angemessen. Die Tat gestand er zwar ein, doch es fiel kein Wort der Entschuldigung. Im Gegenteil: Der Angeklagte sah den Geschädigten viel mehr als Schuldigen. Vor Beginn der Verhandlung gab er ihm noch die Worte „Hätte ich dich doch getötet, dann würde ich fünf Jahre sitzen und mir das hier ersparen“ mit auf den Weg. Auch dazu stand der Angeklagte, ein Problem sah er in dieser Aussage nicht.

Auch dass auf der Halterung möglicherweise Klopapierrollen waren, die den Schlag abdämpften, wie der 62-Jährige vor Gericht angab, konnte ihn letztlich nicht vor der Verurteilung bewahren.(tt)

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