„Konzern Korbach“: Hansestadt stellt 2015 Gesamtbilanz mit 230 Millionen Euro Vermögen auf

Was ist der Kölner Dom wert ?

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Was ist das Rathaus wert – und wie viel eine Straße? Die Stadt Korbach stellt für 2015 eine Konzernbilanz auf.Foto: Kleine

Korbach - Fürs laufende Jahr muss die Hansestadt erstmals eine „Konzernbilanz“ aufstellen. Das klingt dröge, birgt aber durchaus spannende Quizfragen: Was sind eine Straße, ein Rathaus, ein Krankenhaus überhaupt wert?

Stadtkämmerer gucken gerne mal „Wer wird Millionär?“ im Fernsehen. Denn in den öffentlichen Kassen herrscht seit vielen Jahren Ebbe. Eine Frage, die Günther Jauch neulich im Millionärsquiz stellte, wirft auch Ralf Buchloh in den Ring: „Was ist der Kölner Dom wert?“, bohrt der Chef der Korbacher Finanzabteilung spaßeshalber bei einem Journalisten nach – eine Milliarde Euro, 100 Millionen oder vielleicht nur zehn Euro?

Die Antwort wird so manchen klugen Kopf erstaunen: Der Kölner Dom steht mit nur einem Euro in der städtischen Bilanz am Rhein – das unbezahlbare Weltkulturerbe ist quasi abgeschrieben. Und so steht es auch um viele andere Denkmäler, die uns modernen Menschen so viel wert sind. Nur eben nicht in den nackten Zahlen einer Bilanz.

In den Büchern der Hansestadt Korbach sind ebenfalls viele „Restposten“ von einem Euro zu finden, schildert Controlling-Expertin Carmen Möller – etwa so manche Bilder oder Exponate in den Archiven des Museums. Denn ein echter Marktwert lässt sich dafür kaum beziffern.

Weltkulturerbefür nur einen Euro

Immobilien kommen bei der Stadt grundsätzlich zu Anschaffungskosten in die Bilanz, abzüglich der Abschreibungen – also den Wertverzehr über die Jahre. Denn Häuser, Straßen und Bürgersteige nutzen sich ja ab. So steht das komplette Rathaus (alt und neu) noch mit 400000 Euro zu Buche, die Professor-Kümmell-Straße mit rund 150000 Euro, das Museum mit 3,6 Millionen Euro.

Zum „multifunktionalen Konzern Korbach“ gehört indes viel mehr, als Bürger meist mit der Stadtverwaltung in Verbindung bringen. Krankenhaus und Altenheim, Wirtschaftsförderung, Beteiligung an Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) und Abwasserverbänden: All diese Fäden laufen im Rathaus zusammen. „Konsolidierungskreis“ heißt das in der Sprache des Managements, wenn es um eine Konzernbilanz geht.

Nach Vorgaben des Landes Hessen müssen die Städte und Gemeinden nämlich – wie ein privatwirtschaftlicher Konzern – von 2015 an einen Gesamtabschluss erstellen. Erstmals also zum 31. Dezember des Jahres. Dazu ist eine neue Eröffnungsbilanz erforderlich, die unter anderem alle Vermögenswerte erfasst. Auf der anderen Seite müssen alle Geschäftsbeziehungen, die zwischen der Stadt und/oder ihren „Töchtern“ abgewickelt werden, für die Gesamtbilanz herausgerechnet werden.

„Das ist enorm aufwendig“, so Carmen Möller. Damit alles reibungslos funktioniert, alle Abteilungen genau wissen, wie abzurechnen ist, wie Aktenführung und Kontrolle laufen müssen, hat Möller ein umfangreiches „Internes Kontrollsystem“ (IKS) erarbeitet.

Auf über 160 Seiten geht es um Kosten- und Leistungsrechnung, Dienstanweisungen und Prozessabläufe bis hin zum Datenschutz. Das soll Transparenz schaffen, falsche Buchungen vermeiden – aber auch „dolose Handlungen“.

10000 Euro pro Einwohner in Korbach

Dieser merkwürdige Begriff der Bilanzsprache stammt aus dem Lateinischen. „Dolosus“ heißt so viel wie „arglistig“ oder „trügerisch“. Im Klartext geht es also darum, Manipulation und Kriminalität zu verhindern.

Im Finanzausschuss vorige Woche haben die Parlamentarier die umfassenden Richtlinien für den „Konzern Korbach“ bereits beackert. Am Donnerstag soll die Stadtverordnetenversammlung grünes Licht geben.

Immerhin geht es in der Gesamtbilanz der Stadt Korbach einschließlich der Beteiligungen um satte 230 Millionen Euro. Jeder Bürger der Hansestadt mit ihren rund 23000 Einwohnern darf sich also gedanklich rund 10000 Euro zusätzlich auf die hohe Kante denken.

Flüssig ist der Betrag für die Korbacher Bürger leider nicht. Und es möge auch niemand meinen, davon ließen sich 10000 gotische Kirchen bezahlen. Da muss der Dom schon in Köln bleiben.

Von Jörg Kleine

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