Frau des Korbacher Schützenkönigs: Elisabeth Neubert erzählt von schönem Amt

Königin Elisabeth und ihre Fröhlichkeit

+
Die Kleider der Königin: Elisabeth Neubert hat vier schmucke Königinnen-Kleider im Schrank hängen. Am Wochenende trägt sie sie zum letzten Mal. Dann muss sie schweren Herzens die Krone weitergeben.Foto: Theresa Demski

Korbach. - Als ihr Mann ihr damals offenbarte, er wolle Schützenkönig werden, da brach es aus ihr heraus: „Oh Gott“. Inzwischen ist Elisabeth Neubert Königin mit Leib und Seele und gibt die Krone am Samstag beim Freischießen in Korbach nur mit viel Wehmut weiter.

Aus dem Gästezimmer bei Neuberts in Dorfitter ist ein Ankleidezimmer geworden. In weißen Schutzhüllen hängen hier die schmucken Königinnen-Kleider, die auf ihren Einsatz warten, und die Schützenuniform. Die glitzernde Krone liegt in einer schwarzen Schachtel auf der Kommode und die Schuhe stehen in Reih und Glied. „Am liebsten trage ich alte, weite Kleidung“, sagt Elisabeth Neubert lachend, „aber diese Kleider werden mir schon ein bisschen fehlen.“ Drei Jahre lang war sie fast jedes Wochenende mit Ehemann Uwe im Landkreis unterwegs - als Korbacher Königspaar.

Als ihr Mann ihr vor drei Jahren offenbarte, dass er jetzt Schützenkönig werden wolle, da erschrak sie zuerst. „Aber ich wusste, dass er schon immer davon geträumt hatte“, sagt sie. Also unterstützte sie ihn. Gemeinsam fuhren sie in ein Brautmodengeschäft in Dellbrück, ohne genau zu wissen, was ihr gefiel. „Aber die Verkäuferin stürmte auf uns zu und führte mich auf direktem Weg zu meinem ersten Kleid“, sagt Elisabeth Neubert. Als ihr Mann den Vogel abgeschossen hatte, trug sie es zum ersten Mal im Festzug. Inzwischen hat sie vier dieser schmucken Roben und Königin ist sie längst mit Leib und Seele.

Aus Elli wird die „Queen“

Was ihr wichtig gewesen sei für ihre Regentschaft? „Auch wenn ich eher füllig bin, kann ich lustig sein“, sagt sie lachend, „und da habe ich mich auch nicht verbiegen lassen.“ Und so wird sie vielleicht als eine der lustigsten und lockersten Königinnen in die Geschichte der Schützengilde eingehen. „Ich wollte nie im Mittelpunkt stehen, aber ich wollte präsent sein und die Schützengilde repräsentieren“, sagt sie, „und mir war die Gemeinschaft wichtig.“ Sie sei lieber das Lisbeth von nebenan als eine Königin auf einem hohen Ross. Sie trinkt kaum einen Tropfen Alkohol auf den Festen, aber sie ist eine der Ersten, wenn es ums Singen und Feiern geht. „Und die Menschen haben mich akzeptiert“, freut sie sich, „wir sind überall so nett empfangen worden.“ Es gab viel Unterstützung - ob von der Familie, dem Fanfarenzug Itter oder der Pionierkompanie, die Neubert 25 Jahre lang anführte.

Für das Königspaar waren es drei spannende Jahre, in denen ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt wurde. Uwe Neubert hat gelernt, Corsagen zu binden, seine Elli hat mehr Zeit beim Frisör verbracht als zuvor in ihrem ganzen Leben, sie lernte, welche Blumen zu welchem Kleid passen, und Urlaub haben sie seit zwei Jahren nicht gemacht. „Denn wir waren fast jedes Wochenende bei den Schützen unterwegs“, sagt Elisabeth Neubert.Manchmal seien es sogar zwei Termine an einem Tag gewesen. „Das hatte ich so nicht erwartet“, sagt sie, „aber wir haben so viele neue Freundschaften geschlossen. Deswegen bereuen wir keine Minute.“

„Gemeinsam sind wir stark“

Entsprechend schwer fällt Elisabeth Neubert der Abschied. Drei Jahre lang war sie für Korbacher Schützen ihre „Queen Elisabeth“, die Königin mit Temperament. Und auch jene Königin, die die Rolle der Frauen inmitten der alten Schützenstrukturen gestärkt wissen wollte. „Früher war das eine Männerrunde und die Frauen haben hinter den Kulissen Kuchen gebacken, Girlanden gedreht und Kümpe geschmückt“, sagt sie. Seit Anfang des Jahres gehören die Frauen nun auch zur Gilde und gehen als Marketenderinnen im Festzug mit. „Und so ist der Zusammenhalt in der Gilde noch weiter gewachsen“, sagt Elisabeth Neubert - ganz nach dem Motto ihres Mannes „Nur gemeinsam sind wir stark“.

Und Uwe Neubert weiß, was er an seiner Elli hat. „Eine bessere Königin hätte ich mir nicht wünschen können“, sagt er. Und überhaupt: „Ein König ohne Königin ist wie ein Fass ohne Boden.“

Wenn heute das Freischießen in Korbach beginnt, dann endet die Amtszeit von Uwe und Elisabeth Neubert langsam. Samstagmorgen um sieben Uhr holt die Kutsche das Paar in Dorfitter ab. „Das ist dann unsere Abschiedsfahrt“, sagt sie wehmütig. Denn am Nachmittag gibt es bereits eine neue Königin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare