Anschauliche Version von Kleists Drama um den Prinzen von Homburg · Zentrale Szenen erfahrbar gemach

Konflikt mit beinahe tödlichem Ausgang

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Traum oder Realität? Friedrich von Homburg mit Lorbeerkranz nach siegreicher Schlacht.

Korbach - Heinrich von Kleists Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ erlebten Korbacher Gymnasiasten in einer Aufführung, die nur für sie bestimmt war.

Konzentration oder Kondensation auf das Wesentliche ist eines der zentralen Anliegen von vielen Schülern beim Umgang mit relevanten Klassikern für den Deutschunterricht. Der Nachteil dieser Suppenwürfel für Möglichst-wenig-Leser ist die kurze Haltbarkeit: Schnell mal kurz reingezogen ist oft gleichbedeutend mit rasch wieder vergessen - erst recht, wenn es an geeigneten Strukturen oder entsprechendem Vorwissen zur Verarbeitung fehlt.

Die Produktion des Theaters „Die Katakombe“ aus Frankfurt, das von der Alten Landesschule und dem Beruflichen Gymnasium Korbach in die Stadthalle eingeladen wurde, erwies sich als eindrucksvolle und nicht so schnell zu vergessende Unterrichts- oder Gedächtnishilfe. Marcel Schilbs durchweg gelungene Einrichtung von Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ für vier Hauptpersonen fügte die zentralen Szenen zu einer eindrucksvollen Einheit von anderthalb Stunden Spielzeit zusammen, die keine Frage offenließ. Oder allenfalls eine einzige: Welche Mäander von Kleists Drama sind denn nun begradigt worden? Gleichbedeutend mit einer Einladung zur literarischen Detektivarbeit mit weiterer Vertiefung des Stoffes.

Die jeweils gern gestrichenen Aufreger von einst („Seit ich mein Grab sah, will ich nichts als leben“) und jetzt („In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!“) kommen jedenfalls beide zu ihrem Recht, die Kampfansage allerdings mit dem ebenso kollektiv gesprochenen bezeichnenden Nachsatz „Ein Traum“.

Traumwandlerisch ruhig und in einem Tempo, das eher halb so schnell wirkt als in doppelt so langen Aufführungen kommt die anderthalbstündige Inszenierung in Gang. Eindrucksvoll flechtet sich der Prinz (Mirjam Terlit) den Siegerkranz im Traum, während Obrist Kottwitz (Gabriele Nickolmann), Siegespreis Natalie (Carola Moritz) und der Kurfürst (Hartmut Stroth) das Schauspiel vor ihren Augen kommentieren und eingreifen, bis dem großen Kurfürsten das Spiel mit der Hand seiner Tochter zu viel wird.

Die Unterbrechung setzt den Konflikt mit beinahe tödlichem Ausgang für die Titelfigur in Gang. Unkonzentriertes Verhalten bei der Schlachtplanbesprechung, Ruhmsucht während des Gefechts, das sich auf der Rampe im Zuschauerraum abspielt. Eine Szene entwickelt sich nahtlos aus der nächsten, ohne dass die Intensität auf der Strecke bleibt. Der sich vor Todesangst auf dem Boden wälzende Prinz dürfte einen ebenso nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben wie die Eingangsszene. Die Auseinandersetzung um die unannehmbare Begnadigung mit den ganz zentralen Konsequenzen überforderte allerdings schon etliche auf raschere Handlungsfolgen und schnelle Schnitte konditionierte Zuschauer, wenn man den sonst kaum vernehmbaren Nebengeräuschpegel als Maßstab nimmt.

Die anschließende Schlacht bot dafür wieder ausreichend Getümmel und Gemetzel mit einem Haufen von erlegten Stoffpuppen als Beute. In unterstützender oder auch ironisch kommentierender Funktion leisteten Märsche, Volkslieder und klassische Meisterwerke ihren Beitrag zur Verstärkung oder Brechung der aufgerufenen Affekte - gleichbedeutend mit viel Diskussionsbedarf.

So hilfreich diese Produktion auch für die Schüler war, so hätte sie auch im frei zugänglichen Kulturprogramm eine überaus gute Figur gemacht.

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