Korbach

Kontroverse um Klinik-Mittagstisch

- Korbach. In der Korbacher Krankenhaus-Kantine lassen es sich nicht nur Mitarbeiter, Patienten und Besucher günstig schmecken. Das sorgt für kontroverse Diskussionen.

Politisch auf den Tisch gebracht hat FDP-Fraktionschef Arno Wiegand das Thema in der Stadtverordnetenversammlung („Mittagessen auf dem Tisch“, WLZ vom 29. Januar). Seiner Ansicht nach macht die Krankenhaus-Caféteria den Korbacher Gastronomen zunehmend Konkurrenz. Und das, obwohl die Klinik zur öffentlichen Hand gehört. Bürgermeister Klaus Friedrich kündigte an, das Thema für die nächste Parlamentssitzung noch einmal aufzubereiten. Unterdessen haben bis Dienstag mehr als 20 Leser den Bericht der Waldeckischen Landeszeitung im Internet kommentiert.

Der Tenor: Statt über unliebsame Konkurrenz zu klagen, sollten sich die Gastronomen lieber dem Wettbewerb stellen und gutes Essen zu einem akzeptablen Preis anbieten. Einzelne Stimmen verteidigen aber auch die Wirte: So müsse eine Restaurantküche mit höheren Kosten pro Essen kalkulieren, als eine Kantine.

Dem stimmt auch Ingrid Brüne-Frisch (Usseln) zu, stellvertretende Vorsitzende im Hotel- und Gaststättenverband (Hoga) Korbach/Willingen: „Der Gastronomie ist die Preisgestaltung einer Großküche nicht möglich“, sagt die Hoteliere. Die Rechnung ist ganz einfach: Werden sehr viele Essen gekocht, fallen Personal, Pacht und Nebenkosten für die einzelne Mahlzeit weniger ins Gewicht. Ein Gastronom, der vergleichsweise wenige Gäste versorgt, muss ganz anders rechnen. „Man kann Krankenhaus-Kantine und Restaurants also nicht miteinander vergleichen“, sagt Brüne-Frisch. Ganz vehement wehrt sie sich deshalb gegen den Vorwurf, die Korbacher Gastronomie sei zu teuer.

Andererseits sieht sie in der Krankenhaus-Kantine aber auch keine echte Konkurrenz für die umliegenden Wirte: „Das ist nicht die Klientel, die in Restaurants zu Mittag isst. Würde die Krankenhaus-Kantine wegfallen, würden die Gäste nicht in der Gastronomie landen, sondern bei Metzgereien oder Fast-Food-Anbietern“, schätzt Brüne-Frisch die Situation ein. Ihr Vorstandskollege Heinrich Kiepe (Mühlhausen) betont indes: „Dem Gaststättenverband liegen bis jetzt noch keine Klagen von Korbacher Gastronomen vor.“ Kiepe entdeckt in dem Angebot der Klinik sogar einen sozialen Aspekt: Viele Gäste könnten sich ein Mittagessen sonst nicht leisten. „Eine Stadt wie Korbach braucht einen solchen Anlaufpunkt.“

Die Sorge, die Wiegand geäußert hatte, dass Touristen künftig kein Restaurant mit Mittagstisch mehr finden könnten, sei hingegen berechtigt, führt Brüne-Frisch abschließend an: „Das lässt sich aber nicht über die Krankenhaus-Kantine lösen. Die Gastronomie in Korbach hat es auch ohne sie einfach schwer.“ (lb)

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