Konzert am Mittwoch auf der Freilichtbühne begeistert Fans

Ulla Meinecke singt poetische Alltagsgeschichten

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Ulla Meinecke in Korbach.

Korbach. Für eingefleischte Fans ist es ein Höhepunkt des Hessentages: das Konzert von Ulla Meinecke und Band am Mittwoch Abend auf der Freilichtbühne. Knapp zweieinhalb Stunden präsentiert sie einen Mix aus alten und neuen Liedern.

Als "die Grand Dame der poetischen deutschen Popmusik" kündigt sie ihre Agentur an. In der Tat hat die vielseitige Künstlerin mit ihren Erfolgen in den 1980er Jahren dazu beigetragen, dass sich deutschsprachige Popmusik neben englischen Texten behauptet hat, auch der "Neuen Deutschen Welle" gab sie Impulse. Doch auf der Bühne in Korbach und nachher beim Verkauf ihres 2016 erschienenen Live-Doppelalbums „Wir war'n mit dir bei Rigoletto, Boss" gibt sie sich nahbar und völlig ohne Starallüren. 

Für Meinicke ist der Auftritt beim Hessentag gewissermaßen eine Rückkehr zu ihren Wurzeln: Geboren wurde sie in Usingen im Taunus. Inzwischen lebt sie in Berlin.

Trio auf der Bühne

Ulla Meinecke begeisterte am Mittwoch mit ihrer Band das Publikum auf den Rängen der Freilichtbühne - von links: Ingo York Gitarre und Schlagzeug, Ulla Meinecke, Reinmar Henschke an den Keyboards.

Ihre Band ist kleiner als in früheren Jahren: 2012 hat sie mit dem musikalischen Multitalent Ingo York und dem Keyboarder Reinmar Henschke ein neues Bühnenprogramm entwickelt. 

In Korbach bietet das Trio eine Auswahl aus einem reichhaltigen Fundus, den Ulla Meinecke zusammengetragen hat, seit sie 1976 ihre Bühnenkarriere mit Unterstützung von Udo Lindenberg gestartet hat. Das überwiegend mittelalte Publikum kennt viele der Songs, immer wieder klatscht es begeistert mit. 

Zu Beginn schreitet Reinmar Henschke an seine Tasteninstrumente und spielt ein Intro. Ingo York kommt hinzu. Er bedient am Abend mit den Füßen ein Schlagzeug, während er Gitarre oder Bass spielt - oder auch mal die Mundharmonika. Er stimmt in Henschkes Klangwelten mit ein. Mit Applaus begrüßt das Publikum Ulla Meinecke, die das Konzert mit "Ich wünsch' Dir eine gute Reise" beginnt. "Schlendern ist Luxus", verkündet sie danach. 

Lieder um die Liebe

Ihre Lieder handeln wie die folgenden beiden von der Liebe, von Beziehungs-Floskeln, von Trennungen: "Nichts tut mehr weh". Sie erzählen kleine Alltagsgeschichten, die sie mit ironischen oder auch mal scharfen Kommentaren einleitet. Etwa: "Nicht, dass ihr denkt, ihr könntet so vor euch hinaltern!" Die Wellness- und Fitness-Industrie habe schließlich "Disziplin" verordnet - selbstverständlich verbunden mit "viel Spaß". Auch Männer müssten inzwischen mitziehen und ihre Tiegelchen und Cremes kaufen. Wobei: "Das Konzept des Anti-Agings ist in etwa so sinnvoll wie eine Katzenklappe am U-Boot", befindet die 63-Jährige und greift im Lied "Ich bin zu alt" die Stereoptypen des Jugendwahns auf. 

Schon seit Kindertagen liebe sie den amerikanischen Schriftsteller Mark Twain, bekennt Meinecke - 2003 brachte sie dessen Bestseller „Die Abenteuer von Tom Sawyer“ als Hörbuch heraus, die Musik steuerte ihr Bandpartner Ingo York bei. Eine Figur ist die Freundin des Titelhelden, Becky Thatcher - doch mit der wollte sich Ulla Meinecke nie identifizieren, wie sie im Lied "Wer will schon Becky Thatcher sein" offenbart: Sie habe immer wie der abenteuerlustige Tom Sawyer sein wollen. 

Ausflug nach Irland und in die USA

Vom "Bandurlaub" in Schottland, Wales und Irland bringt sie die sehnsuchtsvolle irische Ballade "The Star of the County down" von Cathal Mac Garvey mit, dessen Stern die geliebte Rose ist. "Die Kelten - so süße Menschen", erklärt Meinecke schwärmerisch. Der Ballade lässt sie im Gedenken an den vor sieben Monaten gestorbenen US-Musiker Tom Petty einen Rocksong von ihm folgen. 

Auch dem amerikanischen Sänger, Komponisten, Schauspieler und Autor Tom Waits entbietet sie mit einem Cover-Song ihre Referenz. "Wenn Pöbeleien zur Amtssprache zu werden droht, wenn Hass durch alle Ritzen dringt", dann greife sie zu ihrer "Hausapotheke" - Tom Waits stehe darin ganz vorn, er sei "mein Meister des Trosts". 

Nach einer Pause eröffnen die beiden Musiker den zweiten Part, diesmal beginnt York mit einem Gitarren-Solo. Ulla Meinecke stimmt auf Deutsch einen Hit von Paul Simon an: "50 Tipps ihn zu verlassen" - einige Fans singen mit. 

Vom Glück und Allzumenschlichem

Dann knöpft sie sich "die besseren Herrschaften" vor, dabei seien "viele Dinge im Leben pures Glück", angefangen damit, in welche Familie jemand geboren werde. Eine bittere Spitze feuert sie gegen den AfD-Politiker "Bernd" Höcke ab, dann stimmt sie "Wenn wir Glück haben" an. 

Wieder greift sie Menschliches, Allzumenschliches auf: "Wenn Du mich verstehst". Wieder geht es um Beziehungsstress: "Ein Schritt vor, zwei zurück". Dabei könne eine Partnerschaft auch wie ein Spiegel sein, in dem sich beide Seiten widerspiegelten: "Wenn zwei zueinander passen". 

"Lebe Deinen Traum", verspreche die Reklame - die für Joghurt, bemerkt Meinecke süffisant. Nur: Einen Traum wahr zu machen, habe seinen Preis: "Es kostet dich deinen Traum." Insofern sollten sich Leute stets fragen, was sie sich wünschten. Und sie? Meinecke singt "Ich will helfen." 

Ulla Meinecke und Band auf dem Hessentag

"Die Tänzerin"

Damit verabschiedet sich das Trio - lässt sich vom starken Beifall aber schnell wieder auf die Bühne locken. Seit 35 Jahren habe sie ein altes Rhythmusgerät, erzählt Meinecke, den Fans ist sofort klar, was jetzt folgt - das berühmte Lied, mit dem sie 1983 den Durchbruch geschafft hat: "die Tänzerin" mit dem markanten Synthesizer-Beat. Darauf haben viele gewartet, sie stehen auf, klatschen und singen mit: "Du bist die Tänzerin im Sturm". Mit stehendem Applaus feiern die Zuschauer Meinecke. 

Hunderte Fans feierten Ulla Meinecke auf der Korbacher Freilichtbühne.

Sie legt noch ein Lied nach. Sie erinnert an ihre Anfänge, als sie vor 41 Jahren "mit meinem Freund Udo" die ersten Lieder geschrieben habe. "Er war der erste, der mir eine Chance gab." Aus dieser Zeit singt sie ein Liebeslied: "Halt mich fest, mir wird schwindelig, ich bin so sehr verliebt." Wieder jubelt das Publikum, "Zugabe"-Rufe hallen durch die Freilichtbühne. 

Und das Trio kommt noch einmal zurück, mit dem bedächtigen "Was ich an dir mag" verabschiedet sich Meinecke bei anbrechender Dunkelheit mit ihren Bandmitgliedern. Als sie zum Eingang geht, bekommt sie das Lob der Fans zu hören: "Es war schön" - "Danke für dieses Konzert."

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