Anja Schmidt leitet seit 1. Juli die Kindertagesstätte „Saraphe“ in Adorf ·

Kopf eines „motivierten, offenen Teams“

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Diemelsee - Adorf - „Gefühlt bin ich schon viel länger hier“, lächelt Anja Schmidt, die seit 1. Juli die evangelische Kindertagesstätte „Saraphe“ in Adorf leitet. Wenn sie über die ersten Begegnungen mit Kindern, Eltern und Kolleginnen spricht, ist zu spüren, wie wohl sie sich bereits im größten Diemelseer Kindergarten fühlt.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mich in Adorf so schnell heimisch fühle, zumal ich eine lange Zeit in Bad Arolsen gearbeitet habe“, berichtet die 46-jährige Erzieherin. 22 Jahre lang betreute sie Kinder in der Residenzstadt. „Obwohl Bad Arolsen ja keine Großstadt ist, ist hier alles ganz anders“, betont die Mutter eines 16-jährigen Sohnes. „Es gibt kaum Kinder mit Migrationshintergrund, und jeder kennt jeden.“

Das gute Miteinander habe ihr die Eingewöhnung leicht gemacht. Um richtig Fuß zu fassen, arbeitete sie außerdem die Sommerferien durch. Erzieherin und Therapeutin Neben dem Gruppendienst in Bad Arolsen absolvierte Anja Schmidt zwei Ausbildungen zur Lerntherapeutin sowie zur systemischen Familientherapeutin.

„Zu Hause arbeite ich nebenberuflich mit Kindern, die zum Beispiel von Lernstörungen oder Legasthenie betroffen sind“, berichtet Anja Schmidt. Weil ihr diese Förderung sehr am Herzen liegt, bewirbt sich die Helsenerin auch erst im zweiten Durchlauf um die Nachfolge von Dagmar Henzler, die seit 1. Mai eine leitende Funktion im Bad Arolser Sophienheim innehat.

Die Verantwortlichen des „Zweckverbands Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinden in Diemelsee“ hatten die Stelle inzwischen in eine Teilzeitstelle mit 30 Wochenstunden (20 Stunden Leitung, 10 Stunden Betreuung) umgewandelt. „Das war der richtige Zeitpunkt, noch einmal etwas anderes zu machen“, erinnert sich die Erzieherin, die nun erstmals an der Spitze einer Kita steht. Eltern stärker einbeziehen Dass sich ihr Berufsalltag in Erziehung und Therapie aufgliedert, sieht Anja Schmidt durchweg positiv: Ihre Zusatzqualifikationen will sie gern in die Kindergartenarbeit einfließen lassen. So hat sie sich mit ihren Kolleginnen schon darauf verständigt, künftig die Schulkinder noch ganzheitlicher zu fördern.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern zu verstärken, ist ein weiteres Ziel. „Bei Gesprächen kommt mir meine systemische Ausbildung oft zugute.“ Schwierigkeiten könnten in der Regel ausgeräumt werden, bevor Unzufriedenheit aufkomme, nennt Anja Schmidt ein Beispiel. Die Wünsche von Kindern und Eltern – so weit finanziell, personell und pädagogisch möglich – zu erfüllen, hat sich das Team ebenfalls vorgenommen. In einer Elternumfrage hatte der Zweckverband die Zufriedenheit der Eltern mit den Kindergärten in Adorf, Heringhausen und Vasbeck abgefragt.

Die wichtigsten Elternwünsche, die der Heringhäuser Pfarrer Jörg Schultze den Diemelseer Gemeindevertretern am 7. September präsentierte (wir berichteten), sind:

- mehr Betreuungspersonal: Da der Betreuungsschlüssel in Adorf seit 1. September bei 1,7 statt 1,5 Kräften pro Gruppe liegt, hat sich die Situation bereits entspannt. „Wir sind jetzt elf statt neun Erzieherinnen“, erläutert Anja Schmidt. Dennoch will sich die neue Leiterin künftig verstärkt um Unterstützung durch Praktikanten bemühen. Ihre Begründung: Einige Kolleginnen haben keine vollen Stellen, und in drei unserer vier Gruppen betreuen wir bereits Kinder ab zwei Jahren.

- erweiterte, flexiblere Öffnungszeiten: Die Kita ist täglich von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Ein früherer Beginn wird geprüft. „Wir haben den Dienstplan auf Wunsch des Teams jetzt schon so erstellt, dass die Belastung auf alle Schultern verteilt ist.“ l?Betreuung unter Zweijähriger: Eltern haben ab August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige. In Adorf gibt es drei Gruppen mit Plätzen für Kleinkinder. Mit 85 Kindern ist der Kindergarten jedoch voll belegt. Anja Schmidt: „Der Zweckverband diskutiert derzeit, welches Konzept umgesetzt werden soll.“ Schultze hatte bereits signalisiert, einen der drei Kindergärten für das U3-Angebot auszuwählen. Er schlug Heringhausen vor, weil die beiden anderen Einrichtungen belegt seien. Ja zur Kirche als Träger l?Waldtage: Die Einrichtung ist fest geplant (siehe Kasten).

- christliche Erziehung: „Ich habe zuvor in einem kirchlichen Kindergarten gearbeitet, und es war mir wichtig, das auch weiterhin zu tun“, hebt Anja Schmidt hervor. Sie hofft daher, dass die Elternwünsche nach christlicher Erziehung bei der Trägerwahl berücksichtigt werden. Der Vertrag mit der Kirche läuft 2013 zunächst aus, weil die Kommune per Ausschreibung den besten Anbieter suchen will. „Vieles läuft bereits sehr gut“ „Hier läuft vieles bereits sehr gut“, fasst die neue Leiterin zusammen und verweist zum Beispiel auf regelmäßige Thementage und die „teiloffene Arbeit“. Diese ermöglicht es den Kindern, sich zu bestimmten Zeiten in bestimmte Angebote – künftig auch die Walderkundung – einzuwählen.

„Das motivierte Team, das sich gegenseitig trägt, ist zugleich sehr offen für Neues“, freut sich Anja Schmidt auf die Zukunft. „Persönlich würde ich der Beobachtung und Dokumentation, die in der Pädagogik einen immer höheren Stellenwert bekommt, gern mehr Beachtung schenken“, formuliert sie einen ihrer eigenen Wünsche. „Und natürlich würde ich gern noch mehr mit den Kindern arbeiten.“

Schutzhütte für Waldtage

„Waldtage wünschen sich die Eltern und auch der Bürgermeister“, berichtet Anja Schmidt. Da es in der Nähe der Kindertagesstätte aber nur wenig oder privaten Wald gibt, stellt die Gemeinde den Kindern künftig eine Waldschneise unweit des Tulpenwegs bereit.

Neben der Kommune und dem zuständigen Förster unterstütze die Adorfer Landjugend das Projekt, freut sich die Kindergartenleiterin. Unter dem Motto „Ich. Du. Wir. Fürs Land“, das eine landesweite Aktion der Hessischen Landjugend überschreibt, entsteht eine Schutzhütte für die Kindergartenkinder. Die Laju-Mitglieder treffen sich heute erstmals um 14 Uhr am Glockenturm. Helfer sind willkommen.(nv)

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