Erst die Schlüssel und dann das Auto gestohlen

Korbach: 58-Jähriger wegen Diebstahls zu Haftstrafe verurteilt

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Die Straftaten, die dem 58-Jährigen vor dem Korbacher Amtsgericht zur Last gelegt wurden: Diebstahl der Autoschlüssel, dann des gesamten Autos im Wert von etwa 1000 Euro in Tateinheit mit dem Diebstahl fremder Nummernschilder.

Korbach – Kriminelle Energie hatte der Angeklagte nicht wirklich, es war eher ein „Zufall“, dass er den Schlüssel im Renault Twingo stecken sah und „instinktiv“ mitgehen ließ, am Tag danach auch das komplette Auto.

Die Straftaten, die dem 58-Jährigen vor dem Korbacher Amtsgericht zur Last gelegt wurden: Diebstahl der Autoschlüssel, dann des gesamten Autos im Wert von etwa 1000 Euro in Tateinheit mit dem Diebstahl fremder Nummernschilder. Da der Angeklagte weder einen festen Wohnsitz noch eine Arbeitsstelle nachweisen konnte, saß er seit Ende November in Untersuchungshaft. Er räumte zu Beginn der Verhandlung sämtliche Taten ein, was deren Verlauf erheblich verkürzte und sich strafmildernd auswirken sollte. Die geladenen Zeugen konnten wieder gehen.

Der Tathergang war schnell rekonstruiert: Der Angeklagte hatte das Auto mit halbgeöffneter Scheibe und steckendem Schlüssel in der Professor-Bier-Straße neben einem Imbiss stehen sehen und sich hineingesetzt, „weil es geregnet hat“. Irgendwie habe er dann den Schlüssel mitgenommen, „ich weiß auch nicht, warum“.

„Gelegenheit macht Diebe“, sagte der Anklagevertreter dazu. Einen Tag später nahm der Angeklagte dann das ganze Auto mit und versah es, da es keine Nummernschilder hatte, mit gestohlenen Schildern. Kurze Zeit später stellte er das Auto irgendwo im Wald ab und wurde kurz darauf festgenommen.

Der Staatsanwalt konnte zunächst keine „Schädigungsabsicht“ des Angeklagten entdecken. Dieser war allerdings bereits vor Jahren straffällig geworden, als er illegal eine Schusswaffe erwarb und auch im vergangenen Jahr, als er in einem Korbacher Supermarkt zündelte und erheblichen Schaden verursachte. Dafür hatte er eine Bewährungsstrafe erhalten. Dass der Diebstahl des Renaults kurz danach in der Bewährungszeit passierte, sei laut Anklagevertretung eine zu hohe „Rückfallgeschwindigkeit“ und das wiederum schließe eine erneute Bewährungsstrafe aus.

Auch bestehe keine positive Sozialprognose, da der 58-Jährige weder einen Wohnsitz noch eine Arbeitsstelle aufweisen könne. Auch die bereits vor Jahren bestellte Betreuerin kümmere sich offenbar nicht wie erforderlich. Das Geständnis wurde positiv gewertet, so dass die Anklage eine fünf-monatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung forderte. Die Verteidigung hatte dem nicht viel hinzuzufügen, plädierte aber für eine Bewährung.

Das Gericht folgte in seinem Urteil dem Antrag der Anklage. Da sowohl Anklage wie auch Verteidigung auf Rechtsmittel verzichteten, wurde das Urteil sofort rechtskräftig. Damit wurde der Haftbefehl und die Untersuchungshaft aufgehoben, stattdessen die Strafe sofort in Kraft gesetzt. Nach Abzug der Untersuchungshaft bleiben dem 58-Jährigen dann noch knapp zwei Monate in der JVA in Kassel. Bis dahin sollte er sich dann ein neues festes Quartier besorgen und bekommt hoffentlich auch die Bewährungshilfe und Betreuung, die er nötig hat.  os

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