Vorfall in nordhessischer Kleinstadt

Hitler-Gruß und Nazi-Parolen in der Altstadt von Korbach: Familie wird beschimpft

Hitler-Gruß und rechtsradikale Parolen in der Altstadt Korbach
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Ort des Geschehens: In der Nähe des Korbacher Stadtbauamtes (Fachwerkhaus vorne rechts) ist es nach Auskunft von Alexis Gross zu den rechtsradikalen Beschimpfungen durch einen Mann gekommen. Gross war mit seiner Frau, die aus Malaysia stammt, und der zehn Monate alten Tochter in der Altstadt unterwegs.

In Korbach (Hessen) wird eine Familie von einem Mann mit rechtsradikalen Äußerungen beschimpft. Der Vater ist schockiert. Auf Facebook postet er den Vorfall, damit "nicht weggeschaut wird".

  • In Korbach (Hessen) kam es zu einem rechtsradikalen Vorfall
  • Dabei wurde ein Mann und seiner Familie mit rechtsradikalen Parolen und einem Hitler-Gruß beschimpft
  • Die Polizei wurde gerufen, der beschuldigte Mann konnte gestellt werden

Korbach - Alexis Gross kann immer noch nicht verstehen, was seiner Familie und ihm vor einigen Tagen in der Korbacher Altstadt passiert ist – gerade vor dem Hintergrund, dass es nur wenige Tage zuvor zu dem schrecklichen Anschlag in Hanau gekommen war, bei dem ein Rechtsextremist zehn Menschen und sich selbst erschossen hatte. 

„Wie kann es sein, dass ich nur kurze Zeit später von einem Mann in Korbach als Vaterlandsverräter beschimpft werde, weil ich mit meiner malaysischen Frau und meiner zehn Monate alten Tochter durch die Altstadt gehe?“, fragt der 31-Jährige.

Korbach (Hessen): Hitler-Gruß und rechtsradikale Parolen - Gross postete Vorfall auf Facebook

Alexis Gross, der beim Continental-Werk in Korbach Leiter der Aus- und Weiterbildung ist, hat den Vorfall anschließend bei Facebook gepostet – um „bewusst darauf aufmerksam zu machen“, wie er sagt. Es gehe ihm darum, die Mitmenschen zu sensibilisieren, „damit nicht weggeschaut wird“. Er selbst habe dies auch nicht getan, berichtet er gegenüber unserer Zeitung und beschreibt im Detail, was ihm am vergangenen Samstag auf der Professor-Kümmell-Straße in der Nähe des Stadtbauamtes Korbach widerfahren ist.

„Meine Frau und ich sind mit dem Kinderwagen die Straße in Richtung Fußgängerzone gegangen. Wir haben den Mann auf der anderen Straßenseite den Hügel hinaufkommen sehen. Er hatte zwei Schnapsflaschen in der Hand, spuckte gegen Autos und hielt an, als er auf unserer Höhe war“, berichtet Alexis Gross. 

Korbach: Hitler-Gruß und rechtsradikale Parolen - Mann bezeichnete Gross als „Vaterlandsverräter“

Der Mann habe daraufhin den Hitler-Gruß gezeigt, seine Frau verächtlich angeschaut und ihn selbst als „Vaterlandsverräter“ bezeichnet. „Ich habe,geht’s noch’ zu ihm gesagt und versucht, ruhig zu bleiben, was mir auch gelang. Der Mann hat dann weitere rechtsradikale Parolen von sich gegeben und uns beschimpft.“

Alexis Gross (31) aus Korbach.

Alexis Gross betont zwar, dass der Mann stark alkoholisiert gewesen sei. „Doch das ist definitiv keine Entschuldigung für solch ein aggressives Verhalten. Seine Gesinnung war klar erkennbar“, sagt der 31-Jährige. Er habe deshalb auch nicht gezögert, um die Polizei anzurufen. 

Gleichzeitig sei er dem Mann in Richtung der Gaststätte King’s gefolgt. „Als die Beamten kamen, haben sie den Mann gestellt. Ich habe den Vorfall geschildert. Was anschließend passiert ist, weiß ich nicht“, sagt der Korbacher.

Korbach: Der Hitler-Gruß ist eine Straftat

Polizeisprecher Dirk Richter bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung den Vorfall. Er wies auch darauf hin, dass gegen den 45-Jährigen ermittelt werde, weil das Zeigen des Hitler-Grußes eine Straftat sei. Der Mann habe auch in Gegenwart der Polizeibeamten rechtsradikale Äußerungen getätigt. 

„Es wird jetzt genau untersucht, inwieweit diese strafrechtlich relevant sind“, sagte Richter. Der Mann müsse sich auf ein Verfahren gefasst machen. Er sei bereits polizeilich in Erscheinung getreten. „Allerdings wegen anderer Delikte“, berichtete der Sprecher.

Korbach: Nach Hitler-Gruß und rechtsradikalen Parolen - „Wir müssen alle wachsam sein“

Für Alexis Gross steht nach dem Vorfall in der Korbacher Altstadt eines fest: „Wir müssen alle wachsam sein und einschreiten, wenn Menschen beleidigt, diskriminiert oder bedroht werden“, sagt er. Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit hätten keinen Platz in der Gesellschaft.

„Wir haben bei Conti in Korbach Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 50 Nationen. Außerdem kommen jedes Jahr junge Auszubildende als Trainees – zum Beispiel aus Thailand oder Indien – zu uns nach Korbach. Wir können nicht akzeptieren, dass diese Menschen mit Angst durch unsere Stadt gehen“, sagt der 31-Jährige.

Von Philipp Daum

Nach schrecklichem Anschlag in Hanau - 6000 Menschen protestieren gegen Hass und Hetze 

Hitler-Gruß und rechtsradikale Parolen: Der Vorfall in Korbach ist kein Einzelfall

Im Mai 2019 wurde ein 17-Jähriger verhaftet, nachdem er einen Diebstahl in einem Lebensmittelgeschäft begangen haben soll. Als die Polizei ankam, habe der Beschuldigte den Hitler-Gruß gezeigt und „Sieg Heil“ geschrien. 

Außerdem wurde eine Frau in der Kasseler Straßenbahn von Neonazis belästigt. Die zwei Männer sollen die junge Frau sexuell belästigt und mehrfach den Hilter-Gruß gezeigt haben

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