Die Zeit von Beat und Rock'n'Roll

Korbach in den 60ern: Bei „Black Pit and his Butlers“ kreischten die Mädels

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Korbacher Beat-Veteranen: (von links) Klaus Haller, Heinz Hartwich, Peter Alscher, Hans Diener und Frieder Röhrsheim.

Korbach - „Black Pit and his Butlers“ waren für Korbach ungefähr das, was die Beatles für die ganze westliche Welt waren: In den wilden 1960er Jahren gehörten der Band die Bühnen im Waldecker Land und darüber hinaus.

Die Gitarren rocken, Frauen kreischen, die Menge tobt, dann kracht es plötzlich auf der Bühne im „Deutschen Haus“ am Obermarkt: Der spontane Sprung vom Klavier geht anders aus als geplant, Holz splittert und Peter „Black Pit“ Alscher bricht durch die Bretter, die die Welt bedeuten. Nur noch sein Kopf mit der schwarzen Mähne guckt aus dem Loch im Boden. Doch: The Show must go on – die Show muss weitergehen: „Er hat einfach weitergesungen“, lacht Hans „Butler“ Diener.

„Black Pit and his Butlers“ waren für Korbach ungefähr das, was die Beatles für die ganze westliche Welt waren: In den wilden 1960er Jahren gehörten der Band die Bühnen im Waldecker Land und darüber hinaus. „Die Säle waren immer voll – und 80 Prozent des Publikums waren Mädels“, grinst Peter Alscher. Das volle Haar, bei dem damals die Frauen reihenweise schwach wurden, trägt „Black Pit“ auch gut 50 Jahre später noch mit Stolz und Schwung über den Kopf gekämmt. Nur dass die Mähne mittlerweile nicht mehr tiefschwarz sondern ehrenvoll ergraut ist.

Korbacher Beat-Veteranen: (von links) Hans „Butler“ Diener und Peter „Black Pit“ Alscher.

Wenn „Black Pit“ und seine „Butlers“ spielten, drückten die Jugendlichen für den Eintritt gerne den letzten Groschen von ihrem Taschen- oder Lehrgeld ab. Die vier Musiker hatten Jerry Lee Lewis, Chuck Berry und die anderen Rock’n’Roller im Repertoire. „Unser Anspruch war, alles sollte so nah am Original sein wie möglich“, sagt Hans Diener. „Das war unser Erfolg“, nickt „Pit“. Das bedeutete aber auch harte Arbeit für die Combo: „Wir probten fast jeden Abend und wir übten, bis alles 100-prozentig saß. Entweder wir machten es richtig oder wie ließen es“, sagt Diener.

Englisch konnte keiner von ihnen, außer dem „Butler“: Diener, der in Australien aufgewachsen war, hörte die angesagten Platten ab und schrieb die Texte auf – so wie sie auf Deutsch ausgesprochen wurden: „Gräjt bols of feier“ sang dann die Korbacher Jerry-Lee-Lewis-Version „Black Pit“.

Legendär waren vor allem zahllose ausverkaufte Auftritte im „Deutschen Haus“. Die Eheleute Müthing hatten den Saal des Gasthauses 1965 zum „BFM-Club“ umfunktioniert – mit schalldichten Fenstern, um die Nachbarn auf dem Korbacher Obermarkt zu schonen. Auch in der alten Stadthalle gab die Band damals Konzerte.

Vier bis fünf Jahre waren „Black Pit and his Butlers“ die Nummer eins auf Waldecks Bühnen, dann musste Peter Alscher Ende der 60er-Jahre zum Bund. Hans Diener machte anschließend noch mit der „Butler Group“ weiter Musik, doch an die Erfolge ihrer Vorgänger-Combo konnte die neue Band nicht mehr anknüpfen. 1969 ging der „Butler“ zurück nach Australien, wo er auch heute noch lebt. Regelmäßig kommt er aber nach Korbach, um seinen alten Band-Kollegen Peter Alscher zu besuchen und an die alten wilden Zeiten zu denken: „Ich würde es noch mal machen“, sagt Hans Diener – und „Black Pit“ nickt zustimmend.

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