Angst, nicht mehr aufzuwachen: Interview mit dem Korbacher Anästhesisten Dr. Michael Tübben

Dr. Michael Tübben bei der Einleitung einer Narkose. 

Für viele Patienten ist eine Vollnarkose ein Problem: Das Gefühl, ausgeliefert zu sein bei der OP, ist weit verbreitet. Dr. Michael Tübben, Chefarzt Anästhesiologie, operative Intensivmedizin am Stadtkrankenhaus Korbach, informiert.

Die Krankenhaustasche ist gepackt, die Operation lange geplant und alle Aufklärungsgespräche mit den verantwortlichen Ärzten wurden geführt. Doch dann ist da noch die Angst vor der Narkose. Darüber sprachen wir mit Dr. Michael Tübben, Chefarzt Anästhesiologie, operative Intensivmedizin am Stadtkrankenhaus Korbach.

Wie ist die Anästhesiologie bei Ihnen am Stadtkrankenhaus organisiert? Welche Leistungen und Bereiche gehören dazu? Wer leitet beziehungsweise betreut sie?

Eine gelockerte und dabei professionelle Atmosphäre ist wichtig bei der Vorbereitung einer Operation.

Dr. Tübben: Neun langjährig erfahrene Fachärzte mit allen im Fachgebiet zu erlangenden Qualifikationen arbeiten in unserer Abteilung. Sie kümmern sich täglich rund um die Uhr um die Patienten und die individuell besten Anästhesieverfahren – mit dem Narkosevorgespräch, der Begutachtung der vorliegenden Befunde, dem Einschätzen des Anästhesierisikos und der Beratung der Patienten. 

Dazu gehört die Phase der Operation, die Zeit im Aufwachraum oder im Fall großer Operationen oder kritischem Gesundheitszustand auch auf der anästhesiologisch geführten Intensivstation. Eine höchst professionelle und Patienten bezogene Pflegegruppe steht uns dabei täglich zur Seite.

Wie viele Behandlungen führen Sie in diesen Bereichen jährlich durch - bezogen auf stationäre und ambulante Anästhesie?

Dr. Tübben: Zwischen 4300 und 4800 Anästhesieleistungen wurden in den vergangenen Jahren recht konstant jährlich durch uns erbracht, die meisten davon im stationären Bereich. Der Anteil der ambulanten Leistungen wächst aber in allen operativen Abteilungen stetig. Einige Patienten können bereits eine Stunde nach ihrem Eingriff in Begleitung nach Hause. Gut steuerbare Medikamente, schonende Operationstechniken und gut verträgliche Schmerzmedikamente für zu Hause machen dies möglich.

Welche medizinischen Methoden kommen zur Anwendung? Worauf kommt es bei einer sicheren und zuverlässigen Anästhesie besonders an?

Dr. Tübben: Etwa 75 Prozent der Eingriffe erfolgen in Vollnarkose, häufig auf Wunsch des Patienten. In den vergangenen viereinhalb Jahren konnten wir den Anteil der reinen Vollnarkosen mit viel Beratungsarbeit von über 90 Prozent senken und ermöglichen mit sehr sicheren und komfortablen örtlichen Betäubungsverfahren (mit einer sehr langen Schmerzfreiheit auch nach dem Eingriff) die Operation. Viele möchten dann bei der OP schlafen oder Musik über Kopfhörer hören, was wir gern ermöglichen.

Für alle Anästhesieverfahren gilt der Facharztstandard. Dies macht es für unsere Patienten sehr sicher. Alle Eingriffe an den Extremitäten und am Unterbauch/-leib können in Regionalanästhesie durchgeführt werden. Für diese schonenden Methoden werben wir ausdrücklich.

Dr. Michael Tübben

Allerdings kämpfen wir immer noch mit dem Vorurteil der Patienten, dass eine Vollnarkose quasi für jede Operation notwendig ist. Wir haben im Stadtkrankenhaus Korbach neben der personellen Qualifikation eine hervorragende moderne apparative Ausstattung, die maßgeblich zur Sicherheit der eingesetzten Verfahren beiträgt.

Spielt die Psyche des Patienten auch eine Rolle für die Behandlungssicherheit?

Dr. Tübben: Gerade das Thema Narkose ist sicherlich bei vielen Patienten mit großen Ängsten verbunden.

Versuchen die Ärzte diese abzubauen? Wenn ja, wie?

Dr. Tübben: So wie für die Operation auch, müssen die Patienten ein Höchstmaß an Vertrauen mitbringen, um ein Ausgeliefertsein bei einem Betäubungsverfahren hinzunehmen. Die Unversehrtheit unseres Körpers ist in uns tief verankert. Mit viel Einfühlungsvermögen schaffen wir es im Arzt-Pflege-Team bei den allermeisten, eine gelockerte, angstarme, aber professionelle Situation zu schaffen. So übertragen wir die Freude an unserem Beruf und erhalten viel positives Feedback, worauf wir sehr stolz sind.

Haben Sie auch viele postoperative Patienten? Was passiert in puncto Schmerztherapie und Langzeitbeatmung?

Dr. Tübben: Alle Patienten werden nach einer Anästhesie betreut; ambulante Patienten gegebenenfalls nur ein paar Minuten zur Schmerztherapie, einige Patienten aber auch wochenlang rund um die Uhr auf der Intensivstation und teilweise auch für diese Zeit in Narkose. Gegebenenfalls werden sie sogar beatmet, wenn die Körperfunktionen nicht ausreichend stabil sind. In Narkose können wir medikamentös die Lungen-, Herz- und Kreislauffunktion sehr präzise beeinflussen und so zur Heilung beitragen. Die Schmerztherapie erfolgt dann meist kontinuierlich über Spritzenpumpen.

Gibt es demnächst Info-Veranstaltungen oder Vorträge zum Thema Anästhesie?

Dr. Tübben: Spezielle Veranstaltungen sind derzeit nicht terminiert, aber das Thema Anästhesie ist immer mal wieder an anderen Fachthemen beteiligt, wie zum Beispiel dem Knieforum oder Ähnlichem.

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