Beobachtungsabend auf dem ehemaligen Hessentagsgelände

Korbach, Mond und Sterne: Wie 200 Besucher die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts erlebten

+
Einmal die Venus genauer sehen: Reges Interesse gab es an der Beobachtung der Mondfinsternis und verschiedener Planetenbewegungen auf dem ehemaligen Hessentagsgelände hinter dem Kreishaus. Heiko Mehring (Foto, Mitte) und Christoph Schrey hatten dazu eingeladen.   

Korbach. Der Mond wurde am Freitagabend mehr als anderthalb Stunden lang vom Kernschatten der Erde verdunkelt. Die längste totale Mondfinsternis des Jahrhunderts wurde mancherorts beobachtet gefeiert, und auch im Landkreis gab es organisierte und spontane Ausflüge auf die Berge und Felder, ein lauer Sommerabend machte es möglich.

Außerhalb der Städte und möglichst hoch sollte der Beobachtungsort sein, um nicht durch Lichteinstreuungen gestört zu werden. Auch in Korbach waren gut 200 Interessierte auf das Feld hinter dem Kreishaus gewandert, um das seltene Schauspiel am Himmel zu beobachten. Die Lengefelder Sternengucker um Heiko Mehring und Christoph Schrey hatten dazu eingeladen.

Mondfinsternis: Gegen 23 Uhr war die Totalitätsphase vorbei, und der Erdtrabant zeigte einen Hauch von roter Farbe zu späterer Stunde über der Kreis- und Hansestadt.

Viele Besucher hatten Kameras, Stative, Ferngläser, Teleskope und weiteres Equipment dabei. Andere brachten Stühle, Wolldecken, Getränke und Snacks mit, eine kleine Mondfinsternis-Party auf dem ehemaligen Hessentagsgelände für alle Generationen. Die Kinder spielten Verstecken, und die Älteren führten Fachgespräche oder trafen Freunde, Nachbarn und Bekannte. Und es gab auch fachkundige Anleitung zum Thema des Abends: Heiko Mehring und Christoph Schrey standen mit Rat und Teleskop zur Verfügung und erklärten die Bewegungen am Himmel. 

Picknick mit Planetenschau: Einige der rund 200 Besucher brachten Verpflegung und Getränke zum Beobachtungsabend mit.

Da der verdunkelte Mond wegen unklarer Sicht etwas auf sich warten ließ, erklärten die Spezialisten zwischenzeitlich die Konstellationen von Venus, Jupiter, Mars und Co und gaben jedem die Möglichkeit, Fragen zu stellen und das Ganze per Teleskop mit 100-facher Vergrößerung zu beobachten. Während man bei Venus nur ihre Phasengestalt zu sehen bekam, ein kleiner, weißer und ovaler Fleck, gab es bei Jupiter dessen vier größte Monde zu sehen. 

Auch der berühmte „Große Rote Fleck“, ein seit Jahrhunderten bestehender riesiger Wirbelsturm, war zu erkennen. Anschließend konnten Interessierte einen Blick auf den Ringplaneten Saturn werfen, immer eine tolle Perspektive, die viele begeisterte. Die Bedingungen waren, wie oft in den Sommermonaten, nicht ideal, es gab zu viel unruhige Luft. Der Mond erreichte seine maximale Verfinsterung schließlich gegen 22.20 Uhr und war leider nur schemenhaft zu erkennen. Gegen 23 Uhr war die Totalitätsphase vorbei, und der Erdtrabant zeigte zumindest einen Hauch von roter Farbe zu späterer Stunde über der Kreis- und Hansestadt. Enttäuscht musste niemand nach Hause gehen, denn es gab für viele jede Menge neue Einsichten und Erkenntnisse in astronomische Zusammenhänge. Die nächste totale Finsternis, ähnlich lang, wird es erst im Juni 2029 wieder und länger erst im Jahr 2123 geben. 

Von Hans Peter Osterhold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare