Hat den Vater nie kennengelernt

Marianne Sägebrecht hat Wurzeln in Korbach: Schauspielerin besucht das Soldatengrab ihres Vaters

+
Berühmte Schauspielerin: Marianne Sägebrecht kennt man aus Filmen wie „Out of Rosenheim“ oder „Der Rosenkrieg“ mit Michael Douglas. 

Der Vater von Marianne Sägebrecht wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges erschossen - er starb in einem Korbacher Lazarett. Seine berühmte Tochter besucht oft sein Grab.

Korbach - Am 8. April 1945 haucht in einem Korbacher Lazarett Georg Deil sein Leben aus. Für die Bewohner der tausendjährigen Stadt ist da der Zweite Weltkrieg schon beendet. Am Gründonnerstag, 29. März, haben amerikanische Truppen Korbach besetzt. Letzte Widerstände des am Boden liegenden Regimes werden blutig niedergeschlagen.

Deil, ein gelernter Gärtner und „kleiner“ Gefreiter aus Oberbayern, ist nicht mehr am Kampf bis zum bitteren Ende beteiligt. Er weiß auch nichts von seiner ungeborenen Tochter, die seine Partnerin in der Heimat am Starnberger See unter dem Herzen trägt. Dieses Kind sollte einst als Schauspielerin Marianne Sägebrecht berühmt werden.

Ein schlichtes Betonkreuz mit eingelassenem Schildchen erinnert auf dem Korbacher Soldatenfriedhof an den jungen Mann: Georg Deil, Gefreiter – geboren am 17. Mai 1915, gestorben am 8. April 1945 steht da. Bisher ist das Grab nicht weiter beachtet worden. Ein Gefallener unter vielen Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs. Wenn da nicht die erst nach seinem Tod geborene Tochter wäre.

Das Promi-Heft BUNTE berichtet als erstes, dass Marianne Sägebrecht regelmäßig das Grab ihres unbekannten Vaters besucht. Immer wenn sie einen Termin in der Nähe von Korbach hat, zum Beispiel während ihres Engagements bei den Hersfelder Festspielen.

Schlichtes Beton-Kreuz: Unter den Kriegsgräbern in Korbach ist auch die Ruhestätte des Gefreiten Georg Deil, Vater von Marianne Sägebrecht. Foto: Günter Göge

Den Namen des Vaters will ihre Heimatgemeinde Starnberg aus Gründen des Datenschutzes zunächst nicht preisgeben. Er findet sich aber in der Sägebrecht-Biographie „Ich umarme den Tod mit meinem Leben“. In einem fiktiven Bericht schildert Sägebrecht dort ihre eigene Geburt am 27. August 1945. Ihre Mutter Agnes hat da noch die Hoffnung, dass der Partner und Vater ihres Kindes drei Monate nach dem offiziellen Kriegsende endlich nach Hause kommt.

Aber dann die niederschmetternde Nachricht: „Georg Deil ist am 14. April 1945 im Dienst während der Bewachung des Lazaretts Korbach nach einem Schuss aus dem Hinterhalt den Heldentod für sein Vaterland gestorben.“

Führer, Volk und Vaterland – Nationalsozialisten und andere Militaristen tragen gern etwas dicker auf. Den „Heldentod“ auf dem Schlachtfeld glorifizieren sie als erstrebenswert und ehrenhaft. Ein deutscher Soldat wird aber nicht einfach erschlagen oder in die Luft gesprengt. Er fängt sich „einen Schuss aus dem Hinterhalt“ ein - von einem offenbar feigen, hinterhältigen Gegner.

Todesnachrichten werden zu Propagandazwecken umgeändert. Sie stimmen oft aber nicht. In diesem Fall sind Datum und Todesursache fraglich. Tatsächlich fällt Georg Deil einem Darmverschluss („Ileus“) zum Opfer, wie es in den städtischen Unterlagen in Korbach heißt. Eine in jedem Fall lebensbedrohliche Krankheit, die Folge einer Kriegsverletzung sein kann. Deil weiß: „Bin kein Held. Bin ein schlechter Soldat. Ich hoffe, du liebst mich trotzdem“, schreibt er einmal laut BUNTE von der Front.

Mutter und Tochter Sägebrecht finden beim Vater des Gefallenen ein neues Zuhause. Franz-Xaver, der eine Gärtnerei im bayerischen Ebenhausen führt. Nach dem 30 Jahre alten Georg hat er auch seinen zweiten Sohn im Krieg verloren. Xaver, gerade einmal 16 Jahre, gehört zum letzten deutschen Aufgebot in dem längst verlorenen Krieg. Er wird in der ersten Mai-Woche 1945 von einem französischen Panzer überrollt.

Beim Großvater fühlt sich Marianne Sägebrecht gut aufgehoben. „Er war mein Held in den ersten Jahren“, berichtet sie der BUNTEN. Das Glück in der Liebe ist aber nicht von Dauer. Sie heiratet mit 19 einen Spätheimkehrer und bekommt eine Tochter. 1976 folgt die Scheidung. Die warmherzige Frau übernimmt die Künstlerkneipe „Mutti Bräu“ in München. Männer aber hält sie seitdem auf Distanz.

Von Günter Göge

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare