Gedenkfeier im  Rathaus – Kranz im Tempel niedergelegt

Korbach: Schüler erinnern an Opfer des Nationalsozialismus

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus: Schülerinnen und Schüler der Louis-Peter-Schule, des Beruflichen Gymnasiums und der Alten Landesschule gestalteten die Gedenkfeier im Korbacher Rathaus. Foto: Marianne Dämmer

Zur Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus holten Schülerinnen und Schüler der Alten Landesschule (ALS), der Beruflichen Schulen und der Louis-Peter-Schule diese und andere Opfer aus der geschichtlichen Anonymität, nannten ihre Namen, zeigten Fotos, erzählten ihre Geschichte unter der staatlichen Willkür.

Korbach. Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, Willkür und Terror: Sobald die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland übernommen hatten, folgten konzentrierte Schläge gegen oppositionelle Kräfte auch in Korbach: Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, linke Intellektuelle und Juden wurden schikaniert, verhaftet und ohne Gerichtsverfahren oder richterlichen Beschluss in Gefängnisse oder ins Konzentrations-/ Arbeits- und Erziehungslager Breitenau gebracht. Aus dem heutigen Waldeck-Frankenberg waren anfangs 25 Männer dort inhaftiert, darunter fünf aus Korbach, bis 1945 wurden weitere 117 Menschen aus dem Landkreis dorthin verschleppt.

„Erinnerung nützt nur, wenn sie einher geht mit Empathie“, sagte Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich in seiner Begrüßung. „Wir haben keine persönliche Schuld für das, was damals geschah, aber wir haben eine persönliche und kollektive Verantwortung für den Schutz unserer Verfassung und Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Wir müssen unser eigenes Handeln immer wieder überdenken, und uns darüber freuen, dass wir in einem Land leben ohne Krieg, Unterdrückung und Hunger“, betonte der Rathauschef. Eine Absage erteilte er „geistiger Enge und Abschottung“ und er dankte den Schülern, „dass sie den Tag aktiv gestalten und ein Zeichen gegen das Vergessen setzen“.

An „Schicksale – Menschen aus Korbach im Konzentrationslager Breitenau“ erinnerten Schülerinnen und Schüler des Geschichts- und Ethikkurses Q1 und Q3 der Alten Landesschule; mit einem Kurzfilm, historischen Fotos und Musik erinnerten sie an den 16-jährigen Eduard Borkowski, an Max Mohaupt, Siegfried Schild, Louis Meyer und Karl Fingerhut.

Mit einer Theateraufführung vermittelte der Ethikkurs der 7. Klasse der ALS den Inhalt eines Briefes, in dem Ilse Löwenstern beschreibt, wie sie durch die Hilfe reicher Engländer rechtzeitig eine Ausreisegenehmigung erhielt, während Mutter und Bruder zurückbleiben mussten.

Die Klasse M8c widmete sich den Kindertransporten nach England, die 1938/39 stattfanden und Tausenden Kindern das Leben retteten.

Mit Auszügen aus den Tagebüchern von Victor Klemperer verdeutlichte der Deutsch-Grundkurs der Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums Korbach und Bad Arolsen, welche konkreten Auswirkungen die Gesetze der Nazis auf die jüdische Bevölkerung hatten.

Im Anschluss legten Bürgermeister Friedrich und Stadtverordnetenvorsteherin Lieselotte Hiller mit Schülerinnen und Schülern einen Kranz an der Gedenktafel im „Tempel“ nieder.

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