Pfarrer suchen neue Möglichkeiten, Mitgefühl auszudrücken

Korbach: Trauergespräche am Telefon

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Friedhof, Ort des Abschieds und Gedenkens: An Trauerfeiern und Beerdigungen dürfen derzeit nur 20 Personen teilnehmen. Auch die Friedhofshallen dürfen nicht genutzt werden.

Es gibt zwar erste Lockerungen in der Corona-Krise. Gottesdienste sind aber nach wie vor nicht erlaubt und Trauerfeiern können nur im engsten Familienkreis stattfinden. Wie gehen Angehörige und Pfarrer damit um?

Angehörige stehen am Grab, um von einem geliebten verstorbenen Menschen Abschied zu nehmen. In dieser Zeit der Kontaktverbote dürfen sie sich nicht nahe sein. Sie müssen Abstand halten. „Das ist für viele nicht auszuhalten“, sagt Pfarrer Markus Heßler. „Das ist meist die heftigste Situation bei Trauerfeiern.“

Der evangelische Pfarrer im Kiliansbezirk der Stadtkirchengemeinde in Korbach hat nach einigen Wochen der Kontaktbeschränkungen die strikten Vorgaben umsetzen müssen, die alle Lebensbereiche betreffen und somit auch für die besonders sensiblen Situationen gelten wie Trauergespräche und Trauerfeiern. Trotz der überaus schwierigen Umstände sei es „erstaunlich, dass die Menschen es akzeptieren“, berichtet Pfarrer Heßler.

Pfarrer Markus Heßler

Trauerfeiern dürfen nur im kleinen Kreis stattfinden: Gespräche können nur per Telefon, mal im Garten oder Gemeindehaus auf Distanz geführt werden. Wer Anteil nimmt, darf die Trauernden nicht in den Arm nehmen. Pfarrer Heßler fragt, wie sich diese Erfahrung langfristig auswirken werde. „Es wird Spuren in der Biografie von Menschen hinterlassen“, erwartet er. Das soziale Miteinander und körperliche Nähe seien nicht zu ersetzen.

Trotzdem werden Alternativen gesucht. „Wir Pfarrer erleben es, dass Telefonate länger dauern. Es gibt ein verstärktes Bedürfnis nach Gesprächen.“

Das betreffe nicht nur Menschen in Trauer, sondern zum Beispiel auch Angehörige von Bewohnern in Altenheimen, die zurzeit nicht besucht werden dürfen. Da sei es wichtig, Alternativen zu finden: telefonieren, bewusst erzählen und zuhören, Briefe und Päckchen schicken.

Für Markus Heßler ist vieles offen: „Werden wir nach der Corona-Krise zum normalen Alltag zurückkehren? Wird man sich wieder in den Arm nehmen?“ Einige Menschen würden sich nach den alten Gewohnheiten sehnen, während bei anderen womöglich Hemmungen in Bezug auf körperliche Nähe bleiben würden. Indes ist auch noch nicht klar, wie und wann wieder reguläre Gottesdienste gefeiert werden dürfen. „Am liebsten sehr bald“, sagt Pfarrer Heßler. Aber vor dem Hintergrund, dass das Virus noch nicht eingedämmt sei, sei es wichtiger, verantwortungsvoll zu handeln als möglichst schnell zur Normalität zurück zu kehren. „Werden künftig Gottesdienste in großen Kirchen mit ausreichend Abstand zwischen den Gemeindegliedern möglich sein? Was ist aber, wenn dann mehr Besucher kommen sollten, als hinein dürfen“, fragt Heßler.

Bis dahin setzt die Kirche auf alternative Gottesdienstformen, wie digitale Angebote, die in den vergangenen Wochen entwickelt wurden. So könnten Online-Predigten künftig gegebenenfalls die herkömmlichen Zusammenkünfte der Gläubigen ergänzen. Für Pfarrer Markus Heßler steht aber fest: „Für viele Kirchgänger bleiben das reale Zusammentreffen und gemeinsame Singen das Wichtigste.“ 

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