Sieben Menschen mit Behinderungen leben weitgehend selbstständig in Wohngemeinschaft

Korbach: TSG besucht besondere WG

+
Besuch in WG der Lebenshilfe: SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (Zweiter von rechts) mit Dr. Daniela Sommer (von rechts), Christina Vesper-Münnich, Lebenshilfe-Vorstand Theo Brömmelhaus und Jutta Kahler, Kandidaten der Sozialdemokraten für den Wahlkreis Waldeck.   

Korbach. „Das ist eine ziemlich einzigartige Wohnform in Deutschland“, sagt Theo Brömmelhaus, Vorstand des Lebenshilfe-Werks im Landkreis.

Sieben Erwachsene  mit Behinderung leben gemeinsam in einer Wohngemeinschaft am Korbacher Hanseplatz – und bewahren sich damit ein gutes Stück Selbstständigkeit.

„Das Projekt findet sehr viel Anklang“, so Brömmelhaus. Aus ganz Deutschland würden sich Organisationen melden, um sich die WG anzuschauen. Das berichtete Brömmelhaus jetzt bei einem Besuch von Thorsten Schäfer-Gümbel, Spitzenkandidat der Hessen-SPD für die Landtagswahlen im Herbst. Er war im Rahmen seiner Sommertour in die Kreisstadt gekommen, um sich die WG anzuschauen.

Die Lebenshilfe hatte die besondere Wohnform zusammen mit den Eltern von behinderten Menschen, den Bewohnern selbst und Fachleuten entwickelt, Anfang 2015 wurden die Räume bezogen. Eine weitere Besonderheit: Die Bewohner und ihre Eltern sind als Auftraggebergemeinschaft Mieter, buchen außerdem pädagogische und Pflegekräfte sowie Hauswirtschafter dazu. Unter anderem leben in der WG nun zwei Menschen mit autistischen Störungen und zwei Körperbehinderte.

Von morgens bis zum Nachmittag sind die Bewohner bei der Arbeit in unterschiedlichen Werkstätten, ab dann steht Freizeit auf dem Programm. Durch die zentrale Lage gibt es gerne Eisdielenbesuche oder Shoppingtouren. „Wir sind wirklich mittendrin“, so Brömmelhaus. Inklusion hänge nicht nur von der Wohnlage ab, sondern auch von den Nachbarn. Im Haus gebe es noch andere Mieter und von allen sei man gut aufgenommen worden.

Die Lebenshilfe möchte die stationären Einrichtungen auf Dauer umwandeln, alles soll mehr in Richtung ambulante Betreuung gehen, um ein selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen. Doch dafür braucht es auch bezahlbaren Wohnraum. Der sei schwer zu finden, sagt Brömmelhaus.

Das ist eines der Themen von Schäfer-Gümbel. Die Dramatik für Menschen mit Behinderung sei besonders hoch, sagte er. In der Öffentlichkeit und auch in der Politik bekomme diese Problematik zu wenig Aufmerksamkeit, sagte der SPDler. Er spreche sich deshalb für mehr bezahlbaren Wohnraum aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare