Schülerinnen des Beruflichen Gymnasiums überprüfen Hilfsbereitschaft

„Verletzte“ in Korbacher Fußgängerzone: Reaktionen sind unterschiedlich

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Projekt „Zivilcourage“ in der Korbacher Fußgängerzone: Das Bild zeigt (von links) Lehrer Matthias van der Minde, Verena Kalhöfer, Nadine Olderdisse von der Freilichtbühne (spielte die verletzte Person) und Saskia Clemens. 

Mit einem Projekt zum Thema „Zivilcourage“ haben am Samstag Schülerinnen in der Korbacher Fußgängerzone herausfinden wollen, wie Passanten reagieren, wenn jemand Hilfe benötigt.

Die beiden Schülerinnen Verena Kalhöfer und Saskia Clemens haben sich intensiv mit dem Projekt beschäftigt. Beide sind bei der Feuerwehr und beim Deutschen Roten Kreuz tätig und ein Thema stört die beiden besonders: „Es gibt etwas, dass uns wirklich ärgert und wir ändern wollen. 

Die Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Menschen. Wir empfinden dieses Thema als sehr wichtig, da unsere Gesellschaft in gewissen Maßen auf gegenseitiger Rücksichtnahme, Hilfe und Respekt basiert.“

Reaktionen wurden gefilmt

Die Idee der Mädchen war es, mit einem vermeintlichen Verletzten in der Fußgängerzone die Gesellschaft wach zurütteln. Am Samstagmittag wurden in voller Fußgängerzone daher verschiedene Situationen mit Verletzten nachgestellt. Unterstützt wurden sie dabei von Helfern des Roten Kreuzes und der Freilichtbühne Korbach.

Eine Kamera im Gebüsch nahm die Reaktionen der Passanten auf, die natürlich im Video unkenntlich gemacht wurden. Von verschiedenen Beobachtungsposten aus schauten sich die Schüler und Helfer die Reaktionen der Passanten an und befragten sie anschließend zu ihrer Reaktion.

Schülerinnen bedachten alle Eventualitäten 

Ein ziemlich aufwendiges Projekt: Die Leitstelle musste informiert und Helfer mussten gefunden werden. Die Stadt und das Ordnungsamt wurden informiert und auch die Polizei war mit im Boot. Die Schülerinnen dachten selbstständig an alle Eventualitäten. 

„Die Idee und die Umsetzung kommt allein von den beiden Schülerinnen, ich habe nur den Denkanstoß gegeben“, lobte Lehrer Matthias van der Minde.

In der ersten dargestellten Situation saß eine Frau mit einer Glasscherbe verletzt auf einer Mauer in der Fußgängerzone. Ihre Körpersprache machte deutlich, dass etwas nicht stimmt. Das „Blut“ auf Händen und Armen war nicht zu übersehen.

Einige reagierten sogar aggressiv

Zunächst gingen viele Passanten an der Verletzten vorbei, obwohl klar war, dass sie die Verletzung sahen. Nachdem das Team sie ansprach, leugneten sie teilweise, die Situation gesehen zu haben. Einige reagierten sogar aggressiv und sauer, wollten keine Antworten geben. Manche Passanten erwarteten von der Verletzten auch eine Aufforderung zu helfen.

Aber es gab auch hilfsbereite Menschen, die die Verletzte ansprachen und anboten, Hilfe zu holen.

Elli Posiege unterhielt sich mit Verena Kalhöfer. Sie hatte die vermeintlich Verletzte sofort angesprochen und angeboten, Hilfe zu holen. „Der erste Gedanke als ich sie sah, war: Da muss man etwas tun“, sagte Elli Posiege und fügte hinzu: „Hätte sich die Situation nicht aufgeklärt, wäre ich in die Bäckerei gegangen, um Hilfe zu holen.“ 

Auch ohne Handy kann man helfen 

Elli Posiege zeigte damit, dass man auch ohne Handy helfen kann – denn manche Passanten gaben auch an, deshalb nicht geholfen zu haben, weil sie kein Telefon dabei hatten und sowieso niemanden hätten rufen können. „Es ist für den Verletzten schon wichtig zu merken, dass jemand da ist, der helfen möchte und man nicht alleine ist“, erklärte Verena Kalhöfer.

Im nächsten Fallbeispiel, das die Schüler darstellten, wurde eine Person in der Fußgängerzone bewusstlos. Fast alle Passanten sind stehen geblieben und haben den Verletzten angesprochen oder den Notruf gewählt. Es zeigte sich: Wenn einer anhält, um zu helfen, trauen sich meist auch mehrere.

„Gesellschaft weiter sensibilisieren“

Am Ende waren die Schülerinnen – entgegen vieler Erwartungen – von der Hilfsbereitschaft der Passanten in Korbach „positiv überrascht“. Teils wurden die Erwartungen bezüglich des Wegschauens jedoch bestätigt, vor allem im ersten Beispiel. „Insgesamt sind wir mit dem Ausgang des Projekts zufrieden, für einen sorgenlosen Umgang mit diesem Thema reichte das Ergebnis für uns jedoch nicht. 

Aus unserer Sicht sollte die Gesellschaft weiter für dieses Thema sensibilisiert werden, so dass in Zukunft alle Passanten in solch einer Situation helfen“, betonten Verena Kalhöfer und Saskia Clemens. Die beiden Schülerinnen werden die Details der Ergebnisse nun noch einmal intensiv im Unterricht besprechen und auswerten. 

VON SELINA POHLMANN

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