Korbach

SPD in Korbach wird 100 Jahre alt

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- Korbach (lb). Mit der Gummifabrik kam die Arbeiterbewegung nach Korbach: Die SPD in der Kreisstadt blickt heute Abend in der Stadthalle auf eine 100-jährige Geschichte zurück.

In der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen hat die SPD in Korbach ihre Geschichte aufgearbeitet – und die ist eng verbunden mit der Entwicklung der heutigen Continental-Werke: 1907 gründete der in Alleringhausen geborene Louis Peter die Gummifabrik – ausdrücklich auf Wunsch der Korbacher Bürger, um Arbeit und Wohlstand in das beschauliche Ackerbürgerstädtchen zu bringen. Vier Jahre später, im Sommer 1911, riefen im Korbacher Gasthof „Felsenkeller“ Anton Eßbach und Friedrich Behle eine Ortsgruppe der SPD ins Leben.

Unabhängig von diesem konkreten Anlass hatte es aber auch bereits zuvor sozialdemokratische Bestrebungen im Fürstentum Waldeck und Pyrmont gegeben, wie es in der Chronik der Partei nachzulesen ist. 1890 hatte bereits ein Sozialdemokrat namens Garbe in Waldeck bei den Reichstagswahlen kandidiert. Auch bei den nächsten Reichstagswahlen 1893 kandidierten mehrere Personen und konnten dabei durchaus vorzeigbare Stimmengewinne verbuchen. Die Unterstützung kam von der damaligen Parteizentrale in Kassel, die sich aufgrund der Erfolge entschloss, ab 1895 auch in Waldeck sogenannte „Stützpunkte“ zu errichten.

Das Engagement der damaligen Sozialdemokraten war umso bemerkenswerter, als sie mit erheblichen Schikanen von behördlicher Seite rechnen mussten und nicht selten ausgegrenzt oder als „vaterlandslose Gesellen“ stigmatisiert wurden. Eßbachs Tochter Frida Beutel berichtete später von häufigen Hausdurchsuchungen, die zum Teil erhebliche Sachschäden wie herausgerissene Dielenbretter verursachten, da die Polizeikräfte dort Verstecke von subversiven Schriften vermuteten.

Auch die Versammlungen im Hause Eßbach (in der Grabenstraße) fanden stets unter Geheimhaltung und bei zugezogenen Gardinen statt. Deshalb waren die Aktivisten der ersten Stunde zumeist ledige Arbeiter, bei denen der Verlust der Arbeitsstelle und der Wohnung weniger gravierende Folgen als bei einer Familie hatte. „Es ist schon unglaublich, unter welchem Druck der Obrigkeit die Partei stand“, sagt die heutige SPD-Vorsitzende Gudrun Limperg. Anton Eßbach selbst war bereits mit 18 Jahren der Partei beigetreten. Auf seinen verschiedenen Lebensstationen in Leipzig, Berlin und Hamburg kam der gebürtige Sachse in engen persönlichen Kontakt mit den damaligen Führern der Partei wie Bebel, Liebknecht und Singer. 1898 ließ sich Eßbach in Korbach nieder, wo er ein Drainage-Unternehmen aufbaute.

Nach schwierigen Aufbau- und Kriegsjahren erhielt die SPD bei den Kommunalwahlen im August 1919 im Korbacher Stadtparlament fünf Sitze; unter den Gewählten befand sich – wenige Monate nach der Einführung des Frauenwahlrechts – auch eine Frau, Luise Botje. Doch im Zuge von Inflation und Weltwirtschaftskrise kam die Parteiarbeit in den 20er-Jahren zunehmend zum Erliegen.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Freitag, 18. Februar

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