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„Korbacher Alleinstellungsmerkmale“ stehen beim Waldeckischen Geschichtsverein im Mittelpunkt

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Endlich wieder Exkursionen: Nach zwei Jahren mit Corona-Beschränkungen bot der Waldeckische Geschichtsverein bei seiner Jahrestagung wieder ein volles Programm. Dazu zählte auch eine Führung durch die Korbacher Altstadt. Hier die Gruppe mit Harald Rösler vor der Nikolaikirche.
Endlich wieder Exkursionen: Nach zwei Jahren mit Corona-Beschränkungen bot der Waldeckische Geschichtsverein bei seiner Jahrestagung wieder ein volles Programm. Dazu zählte auch eine Führung durch die Korbacher Altstadt. © Karl Schilling

Nach zwei Jahren mit Corona-Beschränkungen bot der Waldeckische Geschichtsverein bei seiner Jahrestagung am Sonntag in Korbach wieder ein volles Programm mit Exkursionen, Festvortrag und Versammlung an. Der Vorsitzende Günter Engemann freute sich über den großen Zuspruch.

Korbach – Pfarrer Steffen Blum begrüßte die Mitglieder am Morgen in der neu gestalteten Nikolaikirche. Er freute sich, dass der Geschichtsverein an der „schönen Tradition“ festhalte, den Tag mit einem Gottesdienst zu beginnen. Um den „schmalen Grad“ zwischen der Bewahrung der Tradition und dem Eingehen auf die Anforderungen der Moderne sei es gegangen, als die umfassende Innensanierung des Gotteshauses geplant worden sei.

In der Kirche müssten sich Menschen begegnen und sich wohlfühlen, sie hätte heller und wärmer werden und „mehr Platz“ bieten sollen. „Manchmal ist es hilfreich umzudenken“, sagte er mit Blick auf die Diskussion um die Neugestaltung. In seiner Predigt ging er auf den Ausspruch „Gott sei Dank“ ein.

Führungen durch Altstadt und Museum

Nach zwei Jahren Corona-Pause waren wieder Exkursionen möglich. Harald Rösler führte eine Gruppe durch die Neustadt, die Teilnehmer trotzten dem Regen. Im Wolfgang-Bonhage-Museum führte Britta Hein durch die Abteilungen zum Goldbergbau und zur Fossilienfundstelle „Korbacher Spalte“, Museumsleiter Dr. Arnulf Scriba stellte die Sonderausstellung „Petticoat & Toast Hawaii – Korbach und die 50er-Jahre“ vor. Bei einigen Interessenten wurden bei den Stücken Jugenderinnerungen wach.

Die Hansestadt mit ihren beiden gotischen Kirchen, der Goldbergbau, die „Korbacher Spalte“ – die Führungen sollten Einblicke in die „Alleinstellungsmerkmale“ Korbachs geben, erklärte die Vorsitzende der gastgebenden Bezirksgruppe und Vizevorsitzende des Gesamtvereins, Britta Hein, die den Tag mit ihrem Team organisiert hatte.

„Kompass fürs Leben“

Es sei schön, die Angebote des Geschichtsvereins wieder wahrnehmen zu können, sagte die Kreisbeigeordnete Hannelore Behle bei den Grußworten im Bürgerhaus. Auch sie zeigten, „was Geschichtsforschung zu leisten vermag“. Die lokale Arbeit sei Grundlagenforschung für eine überregionale Geschichtsschreibung, sie sei keine „trockene Disziplin“ – sie könne ein „Kompass fürs Leben“ sein und dazu beitragen, „Fehler der Vergangenheit“ zu vermeiden. Der Verein müsse sich viele junge Menschen in seine Gemeinschaft holen.

Brücken bauen zwischen Vergangenheit und Zukunft

Der Geschichtsverein begeistere Männer und Frauen mit seiner differenzierten und fachkundigen Forschung, betonte Bürgermeister Klaus Friedrich. Er könne Brücken bauen zwischen Vergangenheit und Zukunft und verbinde die Waldecker. Er erinnerte einen einen Ausspruch von Dr. Ursula Wolkers: Waldecker zu sein, sei keine Frage von Geburt oder Wohnort, sondern eine Angelegenheit des Herzens.

Geschichte an Jüngere weitergeben

Der Vorsitzende des Kasseler Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Dr. Dirk Richhardt, bekannte sich zu seinen waldeckischen Wurzeln: Sein Großvater war Korbacher. Beide Vereine arbeiteten zusammen und hätten in Corona-Zeiten die gleichen Probleme gehabt. Er lobte das Programm der Waldecker, Identifikation finde vor Ort statt. Es gelte aber auch, die eigene Geschichte an Jüngere weiterzureichen – „die Flamme, nicht die Asche.“

Seine Stellvertreterin Ruth Piro-Klein vom Frankenberger Zweigverein lobte die „bemerkenswerte Stadtführung“: Sie habe dabei „Ecken entdeckt, die ich noch nie gesehen habe“.

Festvortrag über Goldbergbau im Eisenberg

Eigentlich ist Waldeck ziemlich reich – ruht im Eisenberg bei Korbach doch die bedeutendste Goldlagerstätte in ganz Deutschland. Doch der seit dem Mittelalter betriebene Abbau ist mühsam. Das berichtete Walter Hellwig in seinem Festvortrag. Bislang seien etwa 1,5 Tonen Gold gefördert worden, mindestens die gleiche Menge verstecke sich noch im Berg.

Der Festredner: Walter Hellwig stellte in seinem Vortrag den Eisenberg bei Korbach als bedeutende Goldlagerstätte vor. Beim Festvortrag bei der Jahrestagung  des Waldeckischen Geschichtsvereins  am Sonntag im Korbacher Bürgerhaus.
Der Festredner: Walter Hellwig stellte in seinem Vortrag den Eisenberg bei Korbach als bedeutende Goldlagerstätte vor. © Karl Schilling

Im elften Jahrhundert solle mit dem Goldabbau begonnen worden sein, sagte Hellwig. Gesellschaften aus Nürnberg, Straßburg der Magdeburg versuchten ihr Glück. Die älteste bekannte Karte der Stollen stammt aus dem Jahr 1661, Johann Friedrich Heinzmann legte 1742 eine genaue Karte mit 19 Feldern und 32 Gruben in Betrieb vor.

Der Landesgeologe und Heimatforscher Dr. Jens Kulick erfasste rund 20 Kilometer Strecke mit 50 Stollen und Schächten und machte drei Goldlager aus. Er hatte auch die Idee, im „Unteren Tiefental-Stollen“ ein Besucherbergwerk einzurichten und den Verein Historischer Goldbergbau am Eisenberg zu gründen.

Nach dem Festvortrag bot der Förderverein der Nikolaikirche Kaffee und Kuchen an. Die Jahreshauptversammlung folgte.

Neue Bücher

In seinem Bericht verwies Günter Engemann auf das Waldeck-Projekt von Gymnasiasten der Alten Landesschule in Korbach. In Corona-Zeiten seien neue Bücher und Ortssippenbücher eine Möglichkeit gewesen, in der Öffentlichkeit als Verein präsent zu bleiben. Er nannte:

Die Sanierungsarbeiten im Schreiberschen Hauses beträfen seit Herbst auch die Geschäftsstelle und Bibliothek. Dort seien inzwischen 1000 der 6000 Titel digital katalogisiert. Geschäftsführer Philipp Wecker präsentierte für die Schriftleitung den neuen Band der Geschichtsblätter.

Der Vizevorsitzende Thomas Kraft appellierte an alle Mitglieder, bei der Suche nach einem neuen Schatzmeister mitzuhelfen. Der kommissarische Amtsinhaber Richard Klaus stellte die aktuelle Kassenlage vor.

Vier neue Ehrenmitglieder

Was in den Bezirksgruppen geleistet werde, bilde das Fundament der Arbeit im Geschichtsverein, betonte der Vorsitzende Günter Engemann. Deshalb habe der Vorstand vier langjährige Vorsitzende von Bezirksgruppen zu Ehrenmitgliedern ernannt:

Nach den Ehrungen beim Waldeckischen Geschichtsverein im Korbacher Bürgerhaus - von links: die Vizevorsitzende Britta Hein, die neuen Ehrenmitglieder Walter Bracht, Anneliese Laartz und Klaus Pohlmann und der Vorsitzende Günter Engemann.
Nach den Ehrungen beim Waldeckischen Geschichtsverein - von links: die Vizevorsitzende Britta Hein, die neuen Ehrenmitglieder Walter Bracht, Anneliese Laartz und Klaus Pohlmann und der Vorsitzende Günter Engemann. © Karl Schilling

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