Das Freischießensjahr nach altem Brauch begrüßt

Korbacher Bruderschaft „Sankt Barbara“ schießt Salut für 2020

Alles bereit fürs Salutschießen 2020: Mitglieder der Korbacher Bruderschaft „Sankt Barbara“ und der Nachwuchs auf dem 45 Meter hohen steinernen Umgang des Kiliansturmes. Foto: Schilling
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Alles bereit fürs Salutschießen 2020: Mitglieder der Korbacher Bruderschaft „Sankt Barbara“ und der Nachwuchs auf dem 45 Meter hohen steinernen Umgang des Kiliansturmes.

Mit dem Donnern von zwölf Hakenbüchsen begrüßten die Kanoniere der Korbacher  Bruderschaft „Sankt Barbara“ nach Mitternacht das neue Jahr.

Schon seit 1953 schießt die 1952 gegründete Formation der Schützengilde diesen „Salut zum Jahreswechsel“. Doch 2020 ist für die Schützen ein besonderes Jahr: Vom 18. bis 22. Juni feiern sie das 239. Korbacher Freischießen. 

Die Schüsse geben sie wieder vom 45 Meter hohen steinernen Umlauf des Turmes der Kilianskirche ab. Jeweils drei Büchsen feuern in jede der vier Himmelsrichtungen. 

Mussten die Kanoniere wegen der Arbeiten am Kirchturm in der Neujahrsnacht 2018 auf den Tylenturm ausweichen, pflegen sie ihre Tradition seither wieder am angestammten Platz. 

Zwölf Hakenbüchsen laden

Bereits am Silvester-Nachmittag erklimmen Mitglieder die schmale Wendeltreppe des Turmes, um in der Turmstube die Hakenbüchsen vorzubereiten. Das Laden übernimmt Waffenwart Stefan Fister mit der Hilfe seiner Kameraden. Zunächst säubert er den Lauf und die Bohrung für die Lunte. Als nächstes werden die elektrischen Zünder angebracht und mit einem Gummiband befestigt. 

Beim Vorbereiten der Hakenbüchsen: Auch Kinder schauen zu, wie Waffenwart Stefan Fister die Büchse mit Jörn Vesper sorgfältig lädt.

Dann füllt Fister vorsichtig eine genau bemessene Menge Schwarzpulver in den Lauf. Darauf stopft er Ballen Papier, die er mit einem Ladestock sorgsam festschlägt.

 „Sicherheit hat für uns höchste Priorität“, betont Hauptmann Friedrich Weber. Alle Büchsen seien TÜV-geprüft.

Nach den Vorbereitungen aufs Salutschießen: Mitglieder der Korbacher Bruderschaft „Sankt Barbara“ und der Nachwuchs in der Turmstube der Kilianskirche.

Auch einige Jungen und Mädchen und eine Mutter sehen den Männern zu. Jüngster in der Stube ist der fünfjährige Karl Sippel-Heiner, der Älteste ist der 65-jährige Schützenbruder Peter Hartmann, der auch beim Laden mit anpackt. Auch Ehrenhauptmann Horst Müller ist zur Kirche gekommen. Im Uhrenraum verewigen sich zum Abschluss alle an der Holzwand – die Inschriften reichen bis 1850 zurück. Ein Gruppenbild darf nicht fehlen, dann geht es wieder die Wendeltreppe hinunter.

Zweiter Einsatz beginnt vor Mitternacht

Vor Mitternacht steigt eine kleinere Gruppe den Turm, um die Büchsen zum Jahreswechsel abzufeuern. Auch ein paar Gäste sind wieder dabei. Früher haben die Kanoniere ihre Hakenbüchsen an die steinerne Brüstung des Umlaufs gehakt und abgefeuert. „Der Rückschlag ist schon erheblich“, berichtet Weber. Inzwischen ist die Brüstung mit einem schützenden Kupferblech ummantelt. Um es nicht zu beschädigen, feuern die Kanoniere die Büchsen vom Boden aus ab. Dazu werden sie auf einer Konstruktion befestigt und von zwei Mitgliedern elektrisch gezündet. 

Schießverantwortlicher ist erneut Frieder Frese. Wieder steht die Sicherheit an erster Stelle. Mindestens zwei Männer sichern jede Brüstungsseite ab, bevor die drei Büchsen losdonnern – zuerst im Osten, dann in Norden, Westen und Süden. Dann gehen alle mit den besten Wünschen fürs neue Jahr auseinander. 

Auch Silvester 2020 wollen sie den Brauch wieder aufleben lassen, wie Hauptmann Weber erklärt: „Diese kulturelle Hinterlassenschaft lassen wir uns auch durch die Feinstaub-Diskussion nicht kleinmachen.“ 

In Rhoden hat die Schützengesellschaft 1560 ihr Schützenfestjahr am Neujahrstag mit Böllerschüssen eingeschossen. 

In Helsen haben die Schützen in der Silvesternacht das Jubiläumsjahr für die 1150-Jahr-Feier würdig begrüßt. 

(-sg-)

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