Bürgerbündnis startet mit 65 Unterstützern

Korbacher helfen Flüchtlingen

Korbach - Die hohen Flüchtlingszahlen bewegen zahlreiche Korbacher dazu, sich für die Asylsuchenden einzusetzen: Ein neu gegründetes Bürgerbündnis für Flüchtlinge hat sich am Mittwoch zum ersten Mal getroffen.

Viele Bürger wollen helfen: „Der Raum war voll, 65 Leute haben sich in die Liste eingetragen“, sagt Dr. Peter Koswig. Korbacher sowie Vertreter von Behörden und anderen Organisationen waren am Mittwochabend ins Bürgerhaus zum ersten Treffen des Bürgerbündnisses gekommen. Während der Kundgebung „Für ein tolerantes und weltoffenes Korbach“ in der vergangenen Woche am Berndorfer Tor hatten Koswig und Anette Pries angekündigt, eine entsprechende Initiative in der Kreisstadt gründen zu wollen.

Die Leute sehen die Not der Menschen und wollen sinnvoll helfen

Der Wille sich zu engagieren ist groß. Die Leute sehen die Not der Menschen, die aus Syrien und Serbien, aus Eritrea, Somalia, Afghanistan oder Albanien kommen. Sie wollen sinnvoll helfen. Doch wie? Und wo? In Korbach gibt es keine zentrale Flüchtlingsunterkunft, die Asylbewerber sind auf Wohnungen vorwiegend in der Kernstadt verteilt.

Bei dem Treffen sei es zunächst darum gegangen, gemeinsam einen Überblick zu erstellen, an welchen Punkten besonderer Handlungsbedarf bestehe, erklärt Koswig: „Wir haben viele Ideen zusammengetragen, die ich nun erst einmal strukturieren muss.“ Bei einem weiteren Treffen im Februar sollen die Vorschläge konkretisiert werden. Ein genauer Termin für die Zusammenkunft steht noch nicht fest.

Klar ist unterdessen: die Korbacher wollen ein Netzwerk bilden, um Dinge für das tägliche Leben vermitteln zu können, Kontakte zu knüpfen oder Hilfe beim Deutschlernen zu geben. Die Sprache sei dabei einer der Schwerpunkte, sagt Koswig: „Sehr viele wollen Sprachpatenschaften für Flüchtlinge übernehmen.“

Eine weitere Idee ist, einen offenen Treffpunkt für die Flüchtlinge im Restaurant „Mahlzeit“ (ehemals Pizzeria Santa Lucia) der Delta Waldeck-Frankenberg einzurichten - als Anlaufstelle und um sich dort auszutauschen. Koswig hofft außerdem darauf, dass sich die Vereine noch stärker engagieren. Vor allem der Sport biete nicht nur Beschäftigung, sondern spiele auch eine wichtige Rolle bei der Integration: „Wer beispielsweise Fußball spielt, gehört sofort dazu“, sagt Koswig.

Schon seit Wochen spenden die Korbacher gebrauchte Möbel, Wäsche und Haushaltsgegenstände für die Asylsuchenden. Beate Breysach, im Rathaus zuständig für das Wohnungswesen, verwaltet die Sachspenden. Für knapp 50 Flüchtlinge hat die Stadt derzeit Wohnungen in Korbach und den Ortsteilen organisiert. Das Budget für die Einrichtung reiche dabei nur für das Notwendigste, sagt Breysach. „Am häufigsten brauchen wir Geschirr, Kochtöpfe und Besteck“, sagt die Verwaltungsangestellte. Auch Bettwäsche und Handtücher würden benötigt.

Die alte Eichenschrankwand ist zu groß für die kleinen Wohnungen

„Wir nehmen gerne auch Möbel, aber nicht die alte Eichenschrankwand aus dem Wohnzimmer. Die ist zu groß für die kleinen Wohnungen“, sagt Breysach. Sinnvoller seien Kommoden, Nachtischschränkchen, Couchtische, Betten, Schlafsofas, Tische und Stühle - „es sollte aber alles gebrauchsfähig sein.“

Kleinere Teile können direkt im Rathaus abgegeben werden, für sperrigere Gegenstände hat die Stadt keine Lagerfläche: „Sie werden vom Bauhof abgeholt und direkt in die Wohnungen gebracht“, sagt Breysach und bittet um Verständnis, dass nicht alles sofort abgeholt wird, sondern erst, wenn konkreter Bedarf besteht. Auch wer Wohnraum vermieten möchte, könne sich an die Stadt wenden.

Ansprechpartner für Sachspenden bei der Stadt ist Denis Heller, Telefon 05631/53-259.

Von Lutz Benseler

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