Sturmschäden von 2015 beseitigt

Korbacher Kilian wieder komplett: Gotische Eckpfeiler mit Kran aufgesetzt

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Fliegende Fiale: Auf eine Höhe von 62 Metern reicht der Kranausleger hinaus, mit dem die drei Teile des neuen Sandstein-Eckpfeilers auf die Turmgalerie gebracht werden. Standort des Autokrans ist direkt vorm Eingang des Bonhage-Museums.

Korbach. Das Korbacher Wahrzeichen komplettieren seit Dienstag wieder die vier gotischen Eckpfeiler der Turmgalerie.

Ein schwerer Autokran wurde eingesetzt, um den Monteuren mit Hilfe eines 62 Meter langen Auslegers das Einfädeln der bis zu 600 Kilo schweren Fialen-Teile auf Edelstahl-Stifte zu ermöglichen.

Als am 5. Juli 2015 eine Sturmzelle mit Windgeschwindigkeiten von rund 200 Stundenkilometern durch die Hansestadt fegte, war einer der vier gotischen Eckpfeiler an der Turmgalerie abgebrochen und rund 50 Meter in die Tiefe gestürzt. Wie durch ein Wunder wurde niemand dabei verletzt. Auch am Dach des Kirchenschiffs und an der seitlichen kleinen Kapelle („Münze“) richtete der Sturm Schäden an.

Neuen Eckpfeiler aus Sandsteinblock gehauen

Die beschädigten Dächer sind bereits repariert worden. Gestern befestigten die Mitarbeiter von Steinmetzmeister Martin Bünger von einem Spezialbetrieb aus Bad Lippspringe nicht nur den zerstörten Eckpfeiler. Auch die drei anderen 1899 dort montierten Nachbauten der gotischen Fialen und die Wasserspeier haben sie wieder instand- und wieder aufgesetzt.

Fünf Monate hat Bünger einen tonnenschweren Block aus Obernkirchener Sandstein bearbeitet. Entstanden ist daraus eine dreiteilige Fiale, die gestern Stück für Stück vom Autokran auf das Gerüst an der Turmgalerie gehievt wurde. Die drei anderen Eckpfeiler sind an Ort und Stelle saniert worden.

Die filigran gearbeiteten Sandstein-Elemente in luftiger Höhe auf die Stahlstifte aufzusetzen, sei die besondere Herausforderung dieser Arbeit, für die man „viel Ruhe und Konzentration braucht“, sagt Bünger. Dass ein Sturm ein solch schweres Bauteil zum Absturz bringt, komme höchst selten vor. Das Material der neuen Fiale zeichne sich durch besondere Witterungsbeständigkeit aus.

Zudem werden die nach dem Lego-Prinzip auf dem Stahlstift aufgesteckte Teile noch mit einem Verbundmörtel zusammengefügt, erklärt Planer Jürgen Kepplin. 130 000 Euro koste die Sanierung der drei beschädigten Eckpfeiler. Die neue Fiale schlage mit rund 80 000 bis 90 000 Euro zu Buche. Dafür trete die Versicherung ein. Bis Anfang Dezember sollen die Arbeiten beendet und das Gerüst abgebaut sein, damit dem traditionellen Christkindchenwiegen in diesem Jahr nichts im Wege steht.

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