„Ansteckungsrisiko wird minimiert“

Korbacher Kinderarzt fordert Mundschutzpflicht auch in Arztpraxen

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Mundschutzpflicht: In Fahrzeugen des ÖPNV gilt sie bereits. Der Korbacher Kinderarzt Dr. Hans-Friedrich Kobel fordert, dass der Mund-Nasen-Schutz auch in Arztpraxen verpflichtend wird.

Der Korbacher Kinderarzt Dr. Hans-Friedrich Kobel fordert, dass ein Mund-Nasen-Schutz auch in Arztpraxen zur Pflicht werden muss.

Seit Montag müssen Bürgerinnen und Bürger in Hessen einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie die Fahrzeuge des ÖPNV nutzen oder den Publikumsbereich von Geschäften, Bank- und Postfilialen betreten.

„Für uns Ärzte ist es absolut unmöglich, bei Untersuchungen einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Daher bitten wir die Eltern, die unsere Praxis ohne Mund-Nasen-Schutz betreten, schon jetzt darum, beim nächsten Besuch mit einer Schutzmaske wiederzukommen“, berichtet Dr. Kobel. In der Korbacher Kinderarztpraxis seien zudem Hinweis-Schilder angebracht, die auf die Sinnhaftigkeit des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes hinweisen. Eine hessenweit geltende Ausweitung der „Maskenpflicht“ auf Arztpraxen wäre aus Sicht des Mediziners jedoch hilfreich.

Dr. Hans-Friedrich KobelKinderarzt in Korbach

„Wir wissen, dass Kinder zwar seltener an Covid-19 erkranken, das Virus aber übertragen können. Ich plädiere daher dafür, dass Kinder ab dem Grundschulalter ebenfalls mit einem Mund-Nasen-Schutz zur Untersuchung in die Praxis kommen sollten“, sagt Dr. Kobel. Darüber hinaus stehe das Praxis-Personal auch mit den Eltern in engem Kontakt. „Wir hatten schon häufiger die Situation, dass sich im Laufe der Behandlung eines Kindes herausgestellt hat, dass auch die Eltern Symptome wie Fieber oder Husten zeigen.“

Der Kinderarzt macht zwar auch deutlich, dass ein Mund-Nasen-Schutz aus Papier oder Stoff weder für den Träger, noch für dessen Umfeld einen 100-prozentigen Schutz vor Infektionen biete. „Allerdings wird das Ansteckungsrisiko minimiert. Solange unsere Bevölkerung nicht flächendeckend mit Masken ab der Klasse FFP2 ausgestattet werden kann, sind solche selbst hergestellten Masken neben der Einhaltung der bekannten Abstands- und Hygieneregeln sehr wichtig und sinnvoll.“

Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hat sich in der Korbacher Kinderarztpraxis zudem einiges geändert. Die Sprechstunden finden mittlerweile getrennt nach Art der Behandlung statt. „Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen sowie Impfungen führen wir vormittags durch. Nachmittags behandeln wir Akut-Infektionen, bei denen Patienten unter anderem Symptome wie Fieber, Husten oder Durchfall zeigen“, erläutert Dr. Kobel. Auch die Wartezimmer werden entsprechend aufgeteilt.

„So verhindern wir Kontakte zwischen möglichen Corona-Infizierten und gesunden Praxisbesuchern. Wenn immer möglich, versuchen wir auch, die Zahl der bei der Untersuchung der Kinder im gleichen Raum anwesenden Personen zu begrenzen. Es befinden sich also nicht mehr als zwei Kinder gleichzeitig im Raum sowie Mutter, Vater oder Oma und bei Bedarf noch ein Dolmetscher.“ In allen Wartezimmern seien die Stühle immer so angeordnet, dass der geforderte Mindestabstand eingehalten werde.

Vor dem Hintergrund, dass in der Corona-Krise in Kliniken weniger dringliche Operationen aufgeschoben werden sollen, macht der Kinderarzt auch deutlich, dass Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen bei kleinen Kindern bis zur U7 sowie Kontrollen bei chronisch erkrankten Kindern weiterhin zeitgerecht durchgeführt würden.

Von Philipp Daum

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