Bernd Geisler baut einen Druckluftspeicher für überschüssigen Ökostrom

Korbacher entwickelt Patent: Mit Druck an der Energiewende arbeiten

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Strom fließt nur, wenn die Sonne scheint: Bernd Geisler will den überschüssigen Strom speichern.

Korbach. Mit Bernd Geislers Erfindung ließe sich eines der Kernprobleme der Energiewende lösen: Schon 2011 hat der Korbacher Physiker ein Verfahren entwickelt, mit dem Strom gespeichert werden könnte.

Das Angebot an erneuerbaren Energien schwankt enorm: Windräder liefern eben bei Flaute keinen Strom und Solardächer nicht, wenn es dunkel wird. Bislang tragen Kohle- und Kernkraftwerke die Grund- und Mittellast, wegen ihrer schlechten Regelbarkeit passen sie aber nicht zu Wind- und Sonnenstrom. „Ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien ist daher ohne Stromspeicher nicht möglich“, erklärt Geisler.

Dr. Bernd Geisler

Das Prinzip seiner Erfindung ist einfach: Wenn die Nachfrage gering ist, wird Druckluft über einen elektrisch angetriebenen Kompressor in Pipelines gespeichert. Steigt die Stromnachfrage wieder an, wird diese Druckluft in eine Turbine geleitet, um schließlich über einen Generator Strom zu erzeugen und an das Netz abzugeben.

Das Verfahren ist nicht neu, Geisler hat es aber an entscheidenden Punkten verbessert: Bei der Verdichtung der Luft entsteht Wärme, die Geisler getrennt von der Druckluft speichert. „Sie kann zu erheblichen Teilen bei der Expansion in einem Turbinengenerator zurückgewonnen werden, der Strom ins Netz einspeist. Die Restwärme geht ins Fernwärmenetz.“ Der Wirkungsgrad liege damit deutlich über einer Wasserstoff-Brennstoffzelle.

Zweiter Punkt: Die wichtigsten Bauteile sind Standard-Industrieprodukte und können kostengünstig in hoher Stückzahl hergestellt werden. Für Wärmespeicher und Druckluftspeicher hat er sich 2017 das Patent gesichert.

Zielmarkt sind Stadtwerke

Wer aber soll den Druckluftspeicher kaufen? „Unser Zielmarkt sind zunächst rund 800 Stadtwerke und weitere 800 Energiegenossenschaften, die dadurch Versorgungssicherheit, Planungssicherheit und lokale Arbeitsplätze gewinnen.“ Die dezentrale Versorgung mit Erneuerbarer Energie erspare riesige Stromtrassen, die in der Bevölkerung schwer durchzusetzen und außerdem leicht verletzbar seien.

Mehr als einen Prototypen hat Geisler trotz zahlreicher hoch dotierter Preise aber noch nicht realisiert. „Ich möchte die Chance bekommen und eine erste kommerzielle Anlage bauen“, sagt der Physiker. Das koste etwa vier bis fünf Millionen Euro. Das Bundeswirtschaftsministerium hat bereits eine Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro bewilligt. Doch noch fehlt Geisler der Partner aus der Industrie: Ein Stahlkonzern ist kurzfristig abgesprungen – unter anderem, weil die Förderrichtlinien eine Gewinnerzielung nicht zulassen.

Weiteres Problem: die aktuellen Gesetze schaffen aus Geislers Sicht keine finanziellen Anreize für die Speicherung von Überschussstrom, eher im Gegenteil. „Meines Erachtens sollte der Energiespeicher von EEG-Umlage und Abgaben komplett befreit werden, sagt der Physiker. Die Situation sei absurd: Der Staat verhindere die Investitionssicherheit für eine dringend gebrauchte Technik.

Auch der Hessische Rundfunk hat in seiner Reihe Hessenreporter über den Korbacher Physiker Bernd Geisler und sein Projekt berichtet.

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