Prozess am Amtsgericht startet neu

Korbacher soll Kreditnehmer um 98.200 Euro betrogen haben

98 200 Euro zahlten Kreditsuchende, erhielten aber kein Darlehen. Die Umstände beschäftigen das Korbacher Amtsgericht.
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98 200 Euro zahlten Kreditsuchende, erhielten aber kein Darlehen. Die Umstände beschäftigen das Korbacher Amtsgericht.

19-facher Betrug, bei dem 98 200 Euro erbeutet wurden: Vorwürfe gegen einen Korbacher beschäftigen das Amtsgericht in der Hansestadt. Er beteuert seine Unschuld.

  • In 19 Fällen zahlten Kreditsuchende aus ganz Deutschland eine Sicherheit oder Gebühr, um ein Darlehen zu erhalten, bekamen es aber nie.
  • Am Amtsgericht Korbach muss sich deshalb ein 64-Jähriger aus der Hansestadt verantworten, der die Menschen betrogen haben soll.
  • Der Angeklagte beteuert seine Unschuld und spricht von regulären Geschäftsvorgängen seinerseits - die Betrüger seien andere, unter anderem der Autor des Buches „Mein Leben als Finanzbetrüger“.

Korbach – Der 64-Jährige soll von 2011 bis 2014 unter Alias-Namen als Darlehensgeber einer nicht existenten Gesellschaft aufgetreten sein und Kunden gewünschte Kredite angeboten haben – wenn sie eine Sicherheit hinterlegten, meist zehn Prozent des Volumens. Diese behielt er, doch Kredite bekam niemand, so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

Die weist der Korbacher zurück: Mit der Kreditvermittlung habe er überhaupt nichts zu tun gehabt, die Kunden wandten sich für Darlehen an eine Berliner Finanzberatung, die wiederum ihn einschaltete: „Meine Aufgabe war einzig, Bürgschaften und Sicherungsinstrumente für die Kunden dieser Gesellschaft zu besorgen.“ Für die Vermittlung an eine Schweizer Gruppe und das Erstellen eines Portfolios über die Kunden für diese habe er zehn Prozent Provision bekommen.

Prozess um Kreditbetrug in Korbach: „Reguläre Geschäftsvorgänge“ erschließen sich Anklage nicht

Dass keiner der Kunden ein Darlehen bekam, habe daran gelegen, dass sie in ihren Anträgen falsche oder unzureichende Angaben gemacht hätten, die der Bonitätsprüfung der Schweizer nicht standhielten, stellte der Angeklagte dar: Die Nachfrage an den Darlehen komme nun mal von Kunden, die bei Banken keine Kredite mehr bekämen. Er sei trotzdem berechtigt, für seine Dienstleistung bezahlt zu werden und schickte Rechnungen an die Berliner Kreditgesellschaft – die Zahlungen gingen dann aber von Seiten der Kunden bei ihm ein. Das habe ihn zwar gewundert, sei aber auch nicht völlig abwegig.

Weder Staatsanwaltschaft noch Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling fanden das Geschäftsmodell plausibel. Warum sei er überhaupt zwischen die Kreditgesellschaft und die ohnehin prüfenden Schweizer Bürgschafts-Steller geschaltet, wollte der Amtsgerichts-Direktor wissen: „Warum sollte das irgendwer außer Ihnen mitmachen?“. Er habe Kontakte, die nicht jeder habe, so der Korbacher. Manchmal erhielten Berufe, die anscheinend nicht viel tun, trotzdem Geld, fügte sein Verteidiger hinzu, etwa Makler. Der Staatsanwalt war nicht überzeugt: „Alles ist komisch und am Ende haben Sie ganz viel Geld.“

Angeklagter Korbacher: Bekennender Finanzbetrüger schiebe ihm Schuld zu

Die Anklage geht davon aus, dass der Korbacher viel direkter in den Betrug verwickelt war und unter falschen Namen Kunden täuschte. Die Pseudonyme nutzte derweil ein bekennender Betrüger aus dem niedersächsischen Walsrode, der 2014 ein Buch mit dem Titel „Mein Leben als Finanzbetrüger“ veröffentlichte.

Er habe zu ihm keinen Kontakt gehabt, beteuerte der Korbacher – der Niedersachse bestellte lediglich eine gewidmete Fassung des Buchs des Angeklagten, in dem dieser schreibt, wie er als Opfer „skrupelloser Verbrecher“ und des „Versagens der Justiz“ zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Schwere Vorwürfe werden am Korbacher Amtsgericht einem 64-Jährigen gemacht. Der erklärt, seine Unschuld beweisen zu wollen.

Mutmaßliche Verwicklungen mit dem Walsroder waren schon Thema eines Prozesses im Jahr 2016. Der wurde eingestellt, betonte der Verteidiger mehrfach – weil das neue Verfahren schon in Vorbereitung war, fügte Kalhöfer-Köchling hinzu.

In diesen Fällen habe er Kunden vor den Machenschaften des Walsroders gewarnt, als er stutzig wurde, erläuterte der Korbacher – damit habe er sich dessen Zorn zugezogen. Also habe der Niedersachse ihn belastet und ihm einen USB-Stick mit verdächtigen Dateien geschickt – den die Polizei bei einer Durchsuchung sicherstellte, bevor er ihn in Augenschein habe nehmen können.

Dass der Walsroder sich rächt, indem er den Korbacher über Betrug Geld zukommen lässt, hinterfragte der Richter – er habe aber auch den Ärger gekriegt, erwiderte der Angeklagte. Der andere sei schwer einzuschätzen: „In Fantasie und Einfallsreichtum ist er so aufgestellt, dass man sich als Normalsterblicher gar keine Vorstellung macht.“

Streit, Verschiebungen und juristische Konflikte bei Prozess in Korbach

Geschädigte hatten im März bei einem ersten Anlauf für den Prozess ausgesagt, Sicherheiten gezahlt, aber keine Kredite erhalten zu haben. Die Verhandlung wurde unterbrochen, um weitere Zeugen zu laden. Diese Woche hätten den Walsroder und ein weiterer Mann, dessen Name bei den Vorfällen auftaucht, vernommen werden sollen, blieben aber fern. Beim nächsten Termin sollen sie vorgeführt werden.

Staatsanwalt, Verteidiger und Angeklagten führten teils hitzige Diskussionen. Zuletzt beantragte der Rechtsanwalt, eine Schöffin vom Verfahren auszuschließen: Sie habe zu weit in den Akten gelesen, bis zum Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft – es sei nicht auszuschließen, dass sie deren Wertung übernehme und voreingenommen sei.

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