Eisenbahnfreunde zeigen Geschichte

Als alles noch von Hand ging: Einblicke im Korbacher Stellwerk

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Die verantwortungsvolle Arbeit eines Fahrdienstleiters demonstrierte etwa Friedhelm Wolf beim Tag der Stiftungsfamilie im historischen Stellwerk.

Korbach. Zeiten, in denen der wachsame Blick des Fahrdienstleiters vom Stellwerk auf den Bahnhof fiel, sind lange vorbei - doch die Eisenbahnfreunde erlaubten einen Rückblick.

Der frühere Fahrdienstleiter legt den Hebel um und schaut durch das Fenster auf die Gleise, doch draußen vor dem Stellwerk tut sich nichts. Längst werden die Weichen nicht mehr mit dem Gerät in dem alten Gebäude bedient. Doch die früheren Eisenbahner, die an diesem Sonntag eingeladen haben, lassen die Geschichte des Ortes und der Technik lebendig werden: „Was hier geschah, kann ich nur andeuten“, sagt Friedhelm Wolf – die Gäste müssen es sich ausmalen. Doch mit dem, was die Fachleute erzählen, kann das gelingen.

Zum Jahrestag der Fusion von Bahn-Sozialwerk und Eisenbahn-Waisenhort zur Stiftungsfamilie haben die Eisenbahnfreunde Korbach-Arolsen in das historische Stellwerk an der Flechtdorfer Straße eingeladen. „Wir wollen das Eisenbahnerbe am Leben erhalten“, erklärt Friedhelm Wolf, einer der früheren Fahrdienstleiter unter den Bahn-Enthusiasten, die die Anlage demonstrieren.

Im Stellwerk hatten diese ihren Sitz und regelten den Verkehr am Bahnhof – eine Arbeit mit vielen Details und gefährlichen Konsequenzen für Fehler. Zwei Maschinen, ein mechanisches Hebelwerk aus Sachsenhausen und einen Block zur Sicherung der Einstellung aus Bad Arolsen, zeigen die Eisenbahnfreunde. 100 Jahre lang waren solche Geräte maßgeblich, bis elektronische Nachfolger sie ersetzten.

Mittlerweile wird alles von Kassel aus überwacht und bedient. Als Friedhelm Wolf 1957 am Korbacher Bahnhof anfing, arbeiteten da noch 120 Menschen. Viel Mühe machte etwa das Rangieren: „Morgens kamen Güterzüge nach Korbach, die zu komplett neuen Gespannen zusammengesetzt wurden“, erinnert er sich. Korbach hatte einen sehr geschäftigen Bahnhof – aber auch kleinere verfügten über ihre eigenen Fahrdienstleiter, die mit Technik, Vorschriften und allerlei Plänen dafür sorgten, dass alles reibungslos ablief. Viel davon haben die Eisenbahnfreunde bewahrt, die Gäste am Sonntag können ein wenig stöbern. „Das Interesse ist da“, freut sich Wolf, Gruppen und Familien trotzen der Hitze.

Rund 30 Mitglieder gehören zur Gruppe, die eine Institution der Stiftungsfamilie ist – die wiederum hat rund 185 Förderer zwischen Willingen und Schmittlotheim, Volkmarsen und Waldeck. In Zeiten, in denen es vor Ort viel weniger Bahnpersonal gibt, kommt kaum noch Nachwuchs nach. Doch im Stellwerk können die Eisenbahnfreunde der „Außenwelt“ weiter unerwartete Einblicke gewähren.

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