Zwischen Büro und Karneval

Korbacherin Susanne Siekmeier organisiert Narrensitzung in Köln

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Teilen auch ihre Begeisterung für den Kölner Karneval: Susanne und Wilhelm Siekmeier, seit über 30 Jahren ein Paar.

Sie ist „enne imiteete Kölsche“ - ein Köln-Imitat mit Korbacher Wurzeln. Trotzdem darf Susanne Siekmeier eine Narrensitzung auf die Beine stellen und 1500 Jecken feiern mit.

Korbach/Köln – „Dreimal Kölle Alaaf“ steht in der E-Mail von Susanne Siekmeier. Es ist ihre erste Nachricht. Und der Waldecker wundert sich. Angekündigt war eine Trainerin für Büroarbeit. Tochter des Korbacher Reifen-Barons Frank Apel. Nicht gerade Helau-verdächtig also. Wer aber in Köln lebt, muss einstimmen in den Narrenruf. Auch Zugezogene, von den Rheinländern ein wenig hochnäsig „Imi“ genannt.

„Imi“ steht für „enne imiteete Kölsche“ – ein imitierter Kölner – und ist nicht unbedingt böse gemeint. Ein paar, ganz wenige nur, dürfen sogar eine Karnevalssitzung organisieren. Wie Susanne Siekmeier. Aber dafür muss man schon ein besonderer „Imi“ sein.

Rotonda Business Club heißt der Wirtschaftsclub, den Siekmeier mit aufgebaut hat und deren gleichnamige Karnevalssitzung sie organisiert. Seit elf Jahren ist sie zudem Mitglied bei der Colombina Colonia, Kölns erste reine Damen-Karnevalsgesellschaft. 1500 Jecken kommen regelmäßig zur großen Sitzung.

Bekannte Show-Größen wie die Höhner („Viva Colonia“), Brings („Superjeile Zick“) und der Fernseh-Komiker Bernd Stelter dabei. Die gebürtige Korbacherin hält die Fäden in der Hand. Als Event-Managerin. „Mein drittes Standbein“, wie sie sagt.

An erster Stelle steht aber, anderen die perfekte Büro-Organisation zu vermitteln. „Optimierung der Abläufe“ nennt sie das. Das reicht von der Ablage bis zum Verfassen von „Professioneller Korrespondenz“. Letztgenanntes ist auch der Titel ihres Sachbuchs. Unterzeile: „Moderne Geschäftsbriefe und E-Mails mit Wirkung.“

Susanne Siekmeier organisiert nicht nur große Karnevalssitzungen. Sie bildet auch sogenannte Event-Manager aus. Nicht jeder muss danach Tausende von Narren im Rotonda-Business-Club zum Schunkeln bringen. Die Events gibt‘s auch etwas kleiner – zum Beispiel in Handwerksbetrieben. Ob Sommerfest der eigenen Mitarbeiter oder Tag der offenen Tür für Besucher: „Eine gute Vorbereitung ist das A und O“, weiß Siekmeier.

Veranstaltungsfachwirte dürfen sich die Seminarteilnehmer nennen. 2008, als sie sich selbstständig machte, absolvierte sie selbst diese Weiterbildung.

Heute gibt sie Seminare, ist als Dozentin in ganz Deutschland unterwegs – auch in Waldeck-Frankenberg. Lehrlinge gehen bei ihr in die Benimm-Dich-Schule. Oder lernen, im Dienst vernünftige Telefonate zu führen. Siekmeier findet es „erfrischend, mit jungen Leuten zu arbeiten“. Nur Ordnung müssen sie halten, gerade im Büro. „Das Genie beherrscht das Chaos“, heiße es zwar im Volksmund. Aber im Büroalltag habe Chaos keinen Platz, sagt sie und lächelt über ihre blau-randige Brille.

Ihre Bücher sind deshalb sehr nüchtern und praxisnah geschrieben. Zum Teil ist die Handschrift ihrer Freundin Inge Gerlach zu erkennen. Die Chefsekretärin von Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich hat die Autorin unterstützt.

Nicht die einzige Verbindung der Siekmeiers zum Waldeckischen: Da ist die ältere Schwester Sibylle Lossau, die mit ihrem Mann die Reifenfirma Apel in Korbach führt. Am Edersee steht das Ferienhaus inklusive Elektro-Boot, in Waldeck spielt sie Golf. Und sie organisiert große Klassentreffen an der Alten Landesschule.

Seit mehr als 30 Jahren ist die Wahl-Kölnerin mit ihrem Wilhelm verheiratet. Ein IT-Fachmann, der nun in den Ruhestand geht. Angst vor einem nörgeligen Gatten zuhause hat Susanne Siekmeier deshalb nicht. Wilhelm kocht gern und hat sich zu einem Kölsch-Kurs angemeldet. Da geht es um die Sprache, nicht um das gleichnamige Bier. Wer Kölsch lernt, der versteht vielleicht endlich auch alle Gags beim Karneval. 

(Von Günter Göge)

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