Liedertafel Concordia startet als moderner, gemischter Chor neu · Vorstellung am Sonntag

Korbachs Chormusik „goes pop“

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Informieren über ihr neues Pop-Chor-Konzept: Peter Schimek, Vorsitzender der Liedertafel Concordia 1852 Korbach (l.), und der frisch verpflichtete Chorleiter Günter Retzlik.

Korbach - Klagelieder stimmen viele (Männer-)Chöre seit Jahren an. Ihnen fehlt der Nachwuchs. Mit Pop, Swing und Schlager halten die Verantwortlichen der Korbacher Liedertafel Concordia dagegen. Um die Zukunft ihres Vereins und der Korbacher Chormusik zu retten, stellten sie am Montag im Museum ein modernes Chorkonzept vor.

Es ist kein Geheimnis, dass sich vor allem die traditionellen Männergesangvereine trotz Mitgliederschwunds und Überalterung vielfach weigern, neue Töne anzustimmen. Die Umwandlung in einen gemischten Chor ist meist ebenso tabu wie das Einstudieren moderner (englischsprachiger) Literatur, die junge Leute anspricht. „Mit dem alten Liedgut kann man heute einfach niemanden mehr locken“, berichtet Liedertafel-Vorsitzender Peter Schimek aus Erfahrung. „Wir mussten unsere aktive Singtätigkeit schon vor einigen Jahren einstellen“, blickt er zurück.

Vor einem Jahr hatte der Vorstand des ältesten Korbacher Männergesangvereins die Utensilien aus 160 Jahren Vereinsgeschichte ans Museum übergeben, um „einen Schnitt zu machen“. Weil es aber schade wäre, ihren Traditionsverein aufzulösen, schalten die Korbacher beim Sängerbund eine Anzeige. Sie suchen einen neuen Chorleiter, der die Idee von einer modernen Chorgruppe mit ihnen umsetzt. Als das Telefon stumm bleibt und sie kurz davor sind, den endgültigen Schlussstrich zu ziehen, meldet sich Günter Retzlik.

Der studierte Sänger und erfahrene Chorleiter ist nach Rhena umgezogen und will in seiner Heimat musikalisch aktiv werden. „Wir hoffen, dass wir einen Chorleiter gefunden haben, der neue Ideen und neues Liedgut mitbringt“, betont Schimek gestern. Gemischter Generationenchor Als Retzlik die Grundpfeiler des Konzepts „chor goes pop“ vorstellt, ist der Vollblutmusiker in seinem Element.

Begeistert erzählt er von seinem 2012 gegründeten Pop-Chor in Schreufa, der inzwischen rund 40 Mitglieder hat.

Eckpunkte des Konzepts sind:

Der Spaß am Singen steht im Vordergrund: Anfänger brauchen keine Scheu zu haben, denn der Chorleiter bietet Sonderzeiten zur Stimmbildung an. Darüber hinaus arbeitet er während einer dreimonatigen Probezeit ehrenamtlich, sodass keine Kosten entstehen. Ein gemischter, generationsübergreifender Chor mit Sängern aus der gesamten Region ist geplant.

Kinder sind willkommen, wenn ihre Eltern ebenfalls mitsingen.

Die Chormitglieder suchen sich die Stücke selbst aus. Auf der Vorschlagsliste des Chorleiters stehen Pop, Swing, Schlager und Gospels in deutscher und englischer Sprache.

Für diejenigen, denen englische Texte nicht vertraut sind, schreibt der Chorleiter sie in Lautschrift nieder. Basisdemokratie schreibt Retzlik groß: Neben den Titeln suchen sich die Sänger auch den Namen des Chors und die Organisationsstruktur aus.

„Der alte Verein wird zu Beginn aber den organisatorischen Rahmen bilden“, erklärt Schimek. Er wünscht sich, dass dem Waldeckischen Sängerbund in einigen Monaten ein neuer Vorstand präsentiert wird. Schon aus versicherungs- und steuerrechtlichen Aspekten erscheint es ihm sinnvoll, die Strukturen des Sängerbundes weiterhin zu nutzen – „ohne aber allen Verpflichtungen nachkommen zu müssen“.

Chorleiter und Vorsitzender sind sich einig, dass heutzutage vor allem die Freude an der Musik lockt und nicht die Aussicht auf Wertungssingen. Um über das Konzept zu informieren, erste Stücke auszuwählen und anzustimmen sowie Anregungen zu sammeln, laden Schimek und Retzlik am Sonntag um 15 Uhr ins Korbacher Bürgerhaus ein. Sie freuen sich auf viele interessierte Gäste, die sich nach der ersten kleinen Probe mit Kaffee und Kuchen stärken können.

„Feuer entzünden“ „Es geht erst einmal darum, die Leute zum Singen zu bringen“, fasst Retzlik zusammen. „Später wollen wir dann den Saal rocken. Ich sage immer: Entzündet das Feuer, das in euch brennt, auch in anderen.“

Zur Person

Günter Retzlik ist seit Kindesbeinen mit der Musik fest verbunden. Dem Klavier- und Orgelunterricht folgen erste Aufgaben als Chorleiter. Während seiner Bundeswehrzeit spielt er im Heeresmusikkorps 6 in Hamburg. In der Hansestadt wird er zugleich Mitglied der Big Band von Günter Noris.

Retzlik absolviert in Würzburg ein privates Gesangsstudium (Bass und Bariton) und tritt fortan sowohl als Solist als auch mit „exklusiven Kammerchören“ auf. Konzertreisen führen ihn zum Beispiel nach Lettland und Großbritannien.Zugleich komponiert der geprüfte Kirchenmusiker selbst.

Der A-Chorleiter, der seit Kurzem in Rhena zu Hause ist, betreut derzeit acht Chöre im Frankenberger und Marburger Land – vom Kinder-, über den Männer- bis zum Pop-Chor. Im Sängerkreis Wohratal fungiert der 58-Jährige als Kreischorleiter.

2012 ruft er in Schreufa einen Pop-Chor ins Leben. Bei „Feel good“ singen laut Retzlik rund 40 Frauen und Männer. Einen ähnlichen Erfolg wünscht er sich für den Korbacher Pop-Chor. (nv)

Aus Sicht des erfahrenen Chorleiters ist es für eine Kreisstadt wie Korbach ein Muss, „diese moderne Art des Chorgesangs zu präsentieren“. Schimek geht noch weiter: Für ihn bietet der Pop-Chor eine Chance, die Zukunft des Chorgesangs in Korbach zu sichern, denn auch andere Vereine haben Nachwuchssorgen. Interessierte kommen am Sonntag ins Bürgerhaus oder melden sich bei Günter Retzlik, Telefon 05631/5015615, E-Mail: guenter-retzlik@t-online.de.

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