Lärmaktionsplan: Regierungspräsidium sammelt bis 22. Mai Vorschläge von Bürgern

Korbachs Straßen leiser machen

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Eine junge Frau hält sich im Bett in ihrer Wohnung die Ohren zu. Anwohner von viel befahrenen Straßen kennen das Problem: Sie können nicht schlafen, weil Autos und Lastwagen zu laut an ihren Häuser vorbei poltern. Foto: Oliver Stratmann

Korbach - Wo ist es in der Stadt zu laut und was kann man dagegen machen? Bis zum 22. Mai können Korbacher Vorschläge für den neuen Lärmaktionsplan beim Regierungspräsidium einreichen. Allerdings gilt das nur für die Umgebung bestimmter Straßenabschnitte.

Der Straßenverkehr ist in Deutschland die Lärmquelle Nummer Eins. Zwar sind moderne Autos, Laster und Busse deutlicher leiser als ihre Vorgänger, durch das kontinuierlich wachsende Verkehrsaufkommen steigt die Lärmbelastung trotzdem. Die Europäische Union (damals noch Europäische Gemeinschaft) hat deshalb 2002 beschlossen, etwas gegen den Lärm zu unternehmen.

Lärm wird kartiert

Und das sieht die so genannte „Umgebungslärmrichtlinie“ vor: In einem ersten Schritt werden Karten erstellt, in denen die aktuelle Lärmbelastung entlang der Hauptverkehrsstraßen eingezeichnet wird. Diese Karten bilden schließlich in einem zweiten Schritt die Grundlage für Aktionspläne gegen den Lärm. In Hessen sind für Letztere die Regierungspräsidien verantwortlich.

2007 hat das Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLuG) eine erste Lärmkarte erstellt. Damals wurden nur Hauptverkehrsstraßen mit Verkehrszahlen von mehr als 16 000 Fahrzeugen pro Tag erfasst und rein rechnerisch auf Basis des Verkehrsaufkommens die Lärmbelastungswerte ermittelt. Im vergangenen Jahr sind nun auch Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 8200 Fahrzeugen pro Tag kartiert worden. Das Ergebnis ist im Internet unter http://laerm.hessen.de einsehbar. Auch Straßenabschnitte in und rund um Korbach sind diesmal auf der Lärmkarte eingezeichnet.

Dazu zählen Westring und Nordring (Landesstraße 3076), Teile der Bundesstraße 252 in Richtung Berndorf sowie die B 251 in Richtung Meineringhausen. Anwohner dieser Abschnitte müssen mit einem Tagespegel bis zu 75 Dezibel leben, nachts immerhin bis zu 60 Dezibel. Eine Belastung, die sich körperlich bemerkbar macht: Ab einem Dauerschallpegel von 60 Dezibel, vergleichbar mit einer lauten Unterhaltung, können bereits Stressreaktionen im Schlaf auftreten, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht.

Das Bundesgesundheitsamt schätzt, dass zwei Prozent aller Herzinfarkte in Deutschland auf das Konto Verkehrslärm gehen. Ab 85 Dezibel – ein Pegel, den beispielsweise Haartrockner erreichen – in einem Zeitraum über mehrere Jahre sind Hörschäden möglich. Die Schmerzgrenze liegt übrigens bei 130 Dezibel, dann hält sich ein Mensch automatisch die Ohren zu. So laut können etwa Düsenflugzeuge in geringer Entfernung oder Druckluftfanfaren im Fußballstadion sein. Eine Lärmeinwirkung von 150 Dezibel verursacht schließlich in Sekunden irreparable Schäden.

Anregungen einreichen

Das Regierungspräsidium in Kassel plant nun, Lärmaktionspläne für die Umgebung der in der Karte eingezeichneten Straßen aufzustellen. Die betroffenen Bürger können sich wie schon 2008 daran beteiligen und bis zum 22. Mai schriftlich Anregungen und Vorschläge zur Lärmvermeidung einreichen. Das kann per Post oder über ein Online-Formular im Internet unter www.laermaktionsplan.hessen.de geschehen. Die Korbacher können sich aber auch an die Abteilung Stadtentwicklung im Rathaus wenden. Die Verwaltung leitet die Anregungen dann ans Regierungspräsidium weiter. (lb)

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