Korbach

Kraft-Training für Handwerker

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- Korbach (jk). Brauchen Sie Feinde? Jürgen Kraft auf jeden Fall – und in der Stadthalle erklärte er einem begeisterten Publikum auch, warum. Das fünfte „Herbstevent“ von Kreishandwerkerschaft und Kasseler Bank zog rund 350 Besucher in die Korbacher Stadthalle.

Lehrreiche Unterhaltung mit Tiefgang steht dabei auf dem Programm – und diesmal gab es im wahrsten Sinne Kraft-Training. Mit Mönchskutte und Pappnase entführte der Schwabe Helmut Kraft das Auditorium aus der heimischen Wirtschaft ins Labyrinth von Kommunikation und Unternehmensführung. Devise: „Fische haben Feinde – Fischstäbchen nicht mehr“, denn so heißt auch Krafts neues Buch. Theologie-Student, Gymnasiallehrer, Personalentwickler, nunmehr selbständiger Management-Trainer steht in seinem Lebenslauf. Und daraus schöpft er die Kraft, um auch schwierigste Fälle in der Kommunikation zu lösen – ob mit Kunden, Geschäftspartnern oder auch (widerborstigen) Mitarbeitern.

„Streiten mit Niveau“ rief Kraft unumwunden als Königsdisziplin aus: „Gönnen Sie sich einen Feind – das tut gut.“ Denn nur Menschen mit Ansehen und Profil sind überhaupt attraktiv für Feinde. Oder andersherum: Wer keine Feinde hat, ist kein quicklebendiger Fisch mehr, sondern eher ein Fischstäbchen zum schnellen Verzehr. Zumal Konflikte regelrecht als „Entwicklungsbeschleuniger“ dienen können. In seiner Mixtur aus Wortakrobatik, Clownerie und Management-Workshop bemühte Kraft viel Volksweisheit und Klischee, gerne auch das sprichwörtliche Unverständnis zwischen Mann und Frau: „Eine ideale Brille gibt es genauso wenig wie den idealen Mann.“

Doch das (un)schöne an Klischees ist ja, dass sie meistens stimmen. Daher Krafts Ratschlag: Menschen nehmen die Wirklichkeit sehr unterschiedlich wahr. Überdies ist der eine eher „Problemdenker“ oder Erbsenzähler, der andere eher optimistischer Vortuner. Also ist es wichtig, sich beim Gespräch in den anderen hineinzuversetzen, die gleiche Wellenlänge aufzunehmen. Andere Wahrheiten aus dem Kraft-Training schienen vielen zunächst verblüffend: „Argumente führen nicht zu Vereinbarungen. Kommen Sie raus aus dem Schützengraben der Kommunikation“, sonst endet die Schlacht wie anno 1916 zwischen Deutschen und Franzosen bei Verdun.Wer den Beweis für Krafts These antreten möchte, muss sich im Grunde nur Diskussionen mit den eigenen Kindern bewusst machen – oder den Austausch von Argumenten in den allabendlichen Talkshows im Fernsehen. Ergebnisse gibt es dort nie, am Ende steht nur Maybrit Illner: „Bleiben Sie fröhlich, irgendwie.“

Stattdessen rät Helmut Kraft zur klaren Ansage bei Mitarbeitern wie Kunden – möglichst mit einer positiven Einleitung: „Mir ist die Geschäftsbeziehung mit Ihnen unglaublich wichtig, aber diese Forderung kann ich nicht erfüllen.“Für Kraft gab‘s am Ende großen Applaus, und auch sein Buch fand in der Stadthalle guten Zuspruch. Angesichts des bevorstehenden Reformationstags braucht derweil auch der Kraft-Trainer und ehemalige Theologie-Student im Nachgang zumindest eine klare Ansage: Martin Luther war nicht Benediktiner, sondern Augustinermönch. Das muss ja mal gesagt werden.

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