Pop-, Rock- und Weihnachtsklassiker mit Affabre concinui in Korbach

Krippe schwingt im Rock-’n’-Roll-Takt

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„All my lovin“ mit Schottenmütze und Perücke.

Korbach - Nomen est omen, dieses lateinische Sprichwort gilt garantiert für das polnische Vokalsextett Affabre concinui, das am Sonntagabend in der Korbacher Stadthalle gastierte. Denn der Titel bedeutet „ideal mitklingen“ und jeweils fünf der sechs Stimmen klangen ideal und instrumental mit, wenn der jeweilige Solist seine Zeile oder Strophe zum Besten gab.

Welches Lied den Zuhörern am besten gefiel, blieb natürlich Geschmackssache, aber mit einem Programm, das von Renaissance bis Rossini und von Rock’n’Roll bis Barock reichte und dabei Weihnachten nicht ausließ, konnten die sechs Vokalvirtuosen nichts falsch machen. Zumal es beim heimatlichen Liedgut zum Christfest reizvolle Stilkombinationen gab, in denen die Wiege des Kindes im Rock-’n’-Roll-Rhythmus bewegt wurde.

Den ersten klassisch weihnachtlichen Teil eröffnete das A-cappella-Sextett mit drei Madrigalen und kündigte dabei den siegreichen Amor mit vokalen Fanfarenstößen an, die mit zugehaltenen Nasen reproduzierten Schalmeienklänge der anschließenden „Villanella Napolitano“ brachen denn auch das Eis, daran ließ der deutlich gesteigerte Beifallspegel keinen Zweifel aufkommen.

Die instrumentale Stimmführung beeindruckte auch beim Ausflug in die heimatliche Weihnachtswelt, die den Auftakt zu einer musikalischen Europareise mit etlichen bekannten Weisen bildete, die in „Stille Nacht, heilige Nacht“ gipfelte. Bis zum letzten langsamen Dong durch den rechts außen stehenden Bassisten Artur Hoffmann spielten die links stehenden Counters Robert Hylla und Leszek Marcinak ihren zentral aufgestellten Kollegen Przemyslaw Czekala (Tenor) und Piotr Lewandowski (Bariton) die Textzeilen des Weihnachtsliedes schlechthin zu.

Noch lebhafter und auch virtuoser ging es beim Arrangement von Rossinis Katzenduett für sechs Stimmen zu. Denn im Verlauf der raffiniert komponierten Musik versuchte einer den anderen an Lautstärke, Intensität oder Schrägheit zu übertreffen, ehe das „Wau“ eines Hunden mitten ins Miau-Spektakel fuhr.

Der aufgelockerte Abschluss der ersten Hälfte gab zugleich einen Vorgeschmack auf den zweiten Teil mit weihnachtlichem Pop, Rock’n’Roll undEasy Listening. Zu den eindrucksvollen stillen Momenten zählte das subtile klangmalerische Arrangement von Burt Bacharachs „Raindrops keep Falling on my Head“ mit Piotr Lewandowski als Solist. Und die differenzierte Klangfülle der Harmonien bei „Massachusetts“ mit Przemyslaw Czekala auf den Spuren von Robin Gibb ließ das Original der Bee Gees in jeder Hinsicht ziemlich dünn klingen.

Zum Abschluss des bislang Schwarz in Schwarz gehaltenen Auftritts wurde es auch optisch bunt, denn nach der ersten Strophe von „All my lovin’“ griffen die sechs Sänger in die Taschen ihrer Jacketts und zogen Schottenmützen und Perücken daraus hervor.

Nicht minder farbenfroh und noch heiterer ging es bei der zweiten Zugabe zu: Bei „Hello Dolly“ zupfte Piotr Lewandowski einen blauen Strumpf als Bass, während seine Kollegen als Brass-Section Piotr Dziurla begleiteten, der überwältigend komisch auf den Spuren von „Satchmo“ Louis Armstrong wandelte.

Mit „Don’t worry - be happy“ und einer sechsstimmigen Hommage an Bobby McFerrin, den Meister der vokalen Instrumentalimitation schlechthin, klang der vielseitige Abend aus.

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