Grünen-Fraktionsvorsitzende stellt im Korbacher Bürgerhaus ihren Weg zu 100 Prozent Öko-Strom vor

Künast: „Kanzlerin blockiert Energiewende“

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Korbach - „Wir haben gerade erst angefangen“, sagt Renate Künast und meint die Energiewende: Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag hat am Freitag in Korbach ihre Pläne vorgestellt, wie Strom zu 100 Prozent aus Öko-Energie kommen kann.

Die erste Frage sei immer die nach den Kosten, weiß Renate Künast. Doch die Fraktionschefin der Grünen ist gewappnet und zitiert am Freitagabend auf dem Podium im Korbacher Bürgerhaus vorsorglich eine Studie des Fraunhofer-Institutes mit dem Fazit: Ist die Energiewende erst einmal geschafft, wird es billiger als heute.

Knapp 100 Gäste begrüßen Kreisvorsitzende Caroline Tönges und der Korbacher Landtagsabgeordnete Daniel May zu der Veranstaltung der Waldeck-Frankenberger Grünen. Künast ist in ihrem Element, redet sich schnell warm und teilt gegen Landes- und Bundesregierung aus. Zurück zur Studie des Fraunhofer-Instituts: So soll die deutsche Volkswirtschaft in Zukunft einige Milliarden Euro jährlich sparen können, wenn sie ihren Strom- und Wärmebedarf komplett aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse deckt. Denn die eingesparten Brennstoffkosten übersteigen die Kosten für Re-Investitionen in die Öko-Kraftwerke einschließlich Finanzierungskosten und Wartung. „Und wir haben dann eine umgebaute Infrastruktur und eine Unabhängigkeit der Energieversorgung“, sagt Künast.

Kostenverursacher macht die Grünen-Politikerin an ganz anderer Stelle aus: Das von der damaligen rot-grünen Bundesregierung auf den Weg gebrachte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sei zentrales Element des Erfolges der Energiewende, so die frühere Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Erst die schwarz-gelbe Koalition habe das EEG zur Subventionsmaschine gemacht mit mehr als 2000 Ausnahmeregelungen, etwa für Hähnchenmastbetriebe. „Das verursacht mehr als vier Milliarden Euro Kosten. Und wer bezahlt die? Sie!“, so Künast.

Doch Kanzlerin Angela Merkel blockiere den Energieumbau und stütze das Oligopol der vier Energieriesen RWE, E.on, EnBW und Vattenfall. „Die Debatte um die Energiewende wird so erbittert geführt, weil das alte Modell gefährdet ist“, sagt Künast. Der richtige Weg sei indes, Subventionen abzubauen und die CO2-Reduktionsziele ambitioniert anzuheben, um mit den Zertifikatehandel wieder eine Lenkungswirkung zu erzielen. Der Netzausbau müsse mit Bürgerbeteiligung naturverträglich vorangetrieben werden. Und schließlich müsse verstärkt in die energetische Gebäudesanierung investiert werden, erläutert Renate Künast den Plan der Grünen. (lb)

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