Frühere Diskothek „Downtown“ am Stadtrand verkauft · Letzte Rocknacht am 3. November

Kulturfabrik schließt die Werkstore

Korbach - Am 3. November lädt die Kulturfabrik zur „Frisco-Party“ - der Rocknacht für Generationen. Mit der Party des Jahres klingt zugleich ein Stück Korbacher Musikgeschichte aus: Die Kulturfabrik, ehemals Downtown, schließt für immer die Pforte.

In der Stimme von Uwe Konrad schwingt Wehmut mit. „Wir gehören zu den letzten Dinosauriern der Branche, die noch überlebt haben“, sagt der Bad Wildunger Unternehmer. Von „Downtown“ und Scotch-Club in Korbach über „Hazienda“ in Medebach und Bad Arolsen bis zum „Musikpalast“ in Brilon reichte ehedem das kleine Imperium des bekennenden Rock‘n‘Rollers Uwe Konrad.

Hochkonjunktur der 90er

28 Jahre lang, von 1974 bis 2002, hat er nach einer Banklehre sein Hobby zum Beruf gemacht - Disco, Party und Konzerte für Zehntausende ausgelassener Menschen. Und sein Resümee ist ehrlich, voller Inbrunst: „Der Spaß, den wir in den 80er- und 90er-Jahren hatten, war fantastisch“, blickt Konrad zurück. Doch der Spaßfaktor ist in den vergangenen zehn Jahren gründlich vergangen. Konrad hat sich längst beruflich erfolgreich neu orientiert. Und nach etlichen Wiederbelebungsversuchen des alten Downtown an der Briloner Landstraße ist der ehedem begehrte Korbacher Vergnügungstempel endgültig dicht.

„Ich habe verkauft“, bestätigt Konrad. Das frühere Disko-Gebäude am Stadtrand soll offenbar künftig gewerblich genutzt werden.

So ruft am 3. November die letzte Rocknacht zur „Frisco-Party“ an die Briloner Landstraße, wo sich frühere Gegensätze begegnen: Rockmusik der ehemaligen Altstädter Szene-Kneipe „Frisco“ belebt ausgerechnet die Disco-Tanzfläche des ehemaligen Downtown. Für manchen Mittvierziger bis Mittfünfziger klingt dies fast, als wenn die Rolling Stones zum Konzert mit Boney M. auftreten.

Rockige Live-Konzerte

In der Tat lieferte selbst Boney M. in den 90er-Jahren schon mal ein Gastspiel im Downtown. Doch in Wahrheit hat der Laden vor allem Live-Konzerte mit Rock und Hartmetall gesehen - ob Eric Burdon, Uriah Heep, die kanadische Band „Saga“ oder die Heavy-Metal-Formation „Axxis“, die sich mehrfach im Korbacher Downtown heimisch fühlte. Das war Musik so recht nach dem Geschmack von Uwe Konrad.

Ende der 80er-Jahre war die ursprüngliche Diskothek Downtown in der Altstadt unterm Tylenturm abgebrannt. Konrad baute auf der grünen Wiese am Korbacher Stadtrand 1990 völlig neu auf. Insbesondere an Wochenenden war das Downtown knackig voll, und mit den Live-Konzerten bot die Diskothek viele Bonbons, die auch Gästen aus weitem Umkreis schmeckten.

Die Jahrtausendwende markierte dann aber auch eine Wende für viele Diskos. Die geburtenstarken Jahrgänge von einst waren Eltern geworden und steckten mitten im Berufsleben. Kurzum: Es gab immer weniger nachwachsendes Publikum. Zugleich bot die multimediale Welt immer neue Facetten fürs Freizeitleben.

Unter neuen Namen konnte das Downtown fortan nicht mehr an alte Zeiten anknüpfen. Das „Puls“ hieß bei vielen Korbachern nur „Russen-Disko“, das folgende „Plasa“ erlitt nach einem Neustart im August 2009 einen dramatischen Rückschlag: Ein Konflikt vor der Korbacher Disko endete mit einer Schießerei auf der Autobahn A 49 bei Kassel.

Im Oktober 2009 nahm Konrad mit Partnern wieder selbst das Heft in die Hand. Aus dem früheren Downtown wurde die neue „Kulturfabrik“, die mit Themen-Partys, Konzerten bis hin zur Abi-Fete lockte. Nach dem „Aus“ im Bad Arolser „Outback“ 2011 forcierten Konrad und Eventmanager Patrick Böttcher die Live-Konzerte in der Korbacher Kulturfabrik.

Finale mit „Frisco-Party“

Präsentiert von der Waldeckischen Landeszeitung ließ Anfang 2012 auch der Band-Wettbewerb „Hessen rockt“ (Frankfurter Rundschau) in der Kulturfabrik aufhorchen. Doch im Mai kündigte Böttcher abermals einen Wechsel an: Ein Pächter aus Westfalen war im Gespräch für eine dauerhafte Diskothek.

Alle Versuche zur Renaissance des Downtown haben sich derweil zerschlagen. „Früher habe ich für Konzerte noch Plakate geklebt, bis mir der Kleister in der Hand gefroren ist“, erinnert sich Konrad an alte Zeiten. Bei der „Frisco-Party“ am 3. November, 20 Uhr, will er in jedem Fall dabei sein. Aber dann ist wohl endgültig Schluss mit der Kulturfabrik.

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